Als Mark van Bommel die Kapitänsbinde abstreifte und nach 70 Minuten den Platz verließ, brandete im Block der Bayern-Fans Beifall auf. Zehn Wochen nach seinem Zehenbruch in Hoffenheim hatte der niederländische Nationalspieler beim 2:1 (1:0) für München in Freiburg ein eindrucksvolles Comeback gefeiert, bevor ihn Louis van Gaal auswechselte, um ihn für die Champions-League-Partie am Mittwoch in Bordeaux zu schonen. „Er ist noch nicht ganz fit für drei Spiele in einer Woche“, sagte der Cheftrainer.

Bei seinem Teilzeiteinsatz in Freiburg bewies der „Aggressiv-Leader“ (Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld), wie wichtig er für die Mannschaft ist. Nach drei torlosen Auftritten in Serie hatte van Gaal das niederländische Erfolgssystem 4-3-3 gegen das jahrelang bewährte 4-4-2 der Bayern eingetauscht, diesmal in der Rautenvariante. Seinem Landsmann übertrug er wieder die Rolle des Abräumers und Ballverteilers vor der Vierer-Abwehrkette.

„Wir brauchen die alte Bayern-Arroganz“, hatte van Bommel vor dem Spiel gefordert. Wie selbstverständlich nahm er seinen Stammplatz ein, dirigierte mit Umsicht, inszenierte Flügelwechsel mit langen Pässen und motivierte seine Kollegen mit klaren Anweisungen. Eindrucksvoll setzte er selber um, was er für sich und seine Mitspieler reklamiert hatte. Der 32-Jährie war das Kraftzentrum des Bayern-Spiels. Dabei spielte der aufgrund von Unsportlichkeiten oft als Rüpel oder Rambo verschriene diesmal ausgesprochen fair. „Van Bommel ist der Kopf der Mannschaft. Seine Rückkehr war ungeheuer wichtig für die Bayern“, lobte Ex-Trainer Udo Lattek im DSF-„Doppelpass“.

Allerdings stellten die zwar engagierten, aber im Angriff harmlosen Freiburger die Bayern-Abwehr vor keine allzu großen Probleme. In Bordeaux wird der Rekordmeister sicher ganz anders gefordert, und es bedarf schon einer deutlichen Leistungssteigerung, wenn er dort bestehen will. Immerhin: Das zuletzt ins Wanken geratene Selbstverständnis der Mannschaft hat sich mit dem ersten Sieg im fünften Pflichtspiel gefestigt. „Es geht wieder aufwärts mit dem FC Bayern“, versicherte Thomas Müller.

Streit um Top-Talent Müller

Der Senkrechtstarter war der zweite Gewinner des Spiels. Als offensiver Mittelfeldmann brachte er den Ball zum 0:1 im Tor unter, was vorher den nominellen Stürmern Miroslav Klose und Luca Toni nicht gelungen war. Damit beendete er die 315 Minuten währende Durstrecke ohne bayrischen Treffer. Und auch am 0:2 war Müller mit dem Pass zu Toni beteiligt, den Du-Ri Cha kurios ins eigene Tor abfälschte. Müller sagte mit einem Augenzwinkern: „Cha hat die Lücke gesehen und eiskalt verwandelt.“

Wieder einmal war der 20-Jährige aus dem Bayern-Nachwuchs der entscheidende Mann. Nicht nur van Gaal, auch Bundestrainer Joachim Löw schätzt inzwischen die Spielintelligenz und Torgefahr des Talents. Deshalb hat der Bundestrainer Müller eine Nominierung für die Länderspiele im November gegen Chile und Ägypten in Aussicht gestellt.Uli Hoeneß geht das viel zu schnell. Gereizt reagierte der Bayern-Manager auf Fragen nach Müller und der Nationalmannschaft. „Hört auf mit dem Käse“, schimpfte er im Freiburger Kabinengang. „Kaum schießt einer drei Tore, wird schon nach der Nationalmannschaft gerufen. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: ‚Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst zu uns.’“ Einmal in Rage fuhr Hoeneß fort: „Die Nationalmannschaft ist gut genug, auch ohne Thomas Müller eine WM zu bestreiten. Der Junge soll sich erst einmal konstant auf die Bayern konzentrieren.“

Dabei sollte er froh sein, dass wenigstens einer aus der zweiten Reihe Tore schießt. Denn mit der Treffsicherheit der Starstürmer ist es momentan nicht weit her. Miroslav Klose wartet nach wie vor auf sein erstes Saisontor. Der italienische Weltmeister Luca Toni war bei seinem Saisondebüt zwar bemüht, aber abschlussschwach. Und Mario Gomez konnte sich in den 20 Minuten, in denen er noch zum Einsatz kam, nicht ein einziges Mal erfolgreich in Szene setzen.

Sehnsüchtig hoffen die Bayern vor dem Auftritt in der Champions League auf die Rückkehr der verletzten Flügelspieler Franck Ribery und Arjen Robben. Bei Angreifer Ivica Olic (Muskelbündelriss) dauert es hingegen etwas länger mit einem Comeback, der Kroate fällt mehrere Wochen aus.