Bei Zweitligist 1860 München nimmt das Chaos immer größere Ausmaße an. Nachdem am Montagabend der spektakuläre Millionen-Deal mit einem Berliner Investor vorläufig geplatzt war, folgte am Dienstag ein weiterer Akt in der Löwen-Posse. Die Deutsche Fußball Liga widersprach der Darstellung des Vereins, Bedenken der DFL hätten das Geschäftskonstrukt verhindert. Kurz danach wies der Verein die Darstellung der DFL zurück und Sportdirektor Miroslav Stevic kündigte an, dass er bleiben wolle. Aufsichtsrat Jo Brauner soll derweil laut Münchner "tz" zurückgetreten sein, eine Bestätigung gab es zunächst nicht.

„Die Pressemitteilung des Präsidiums des TSV München von 1860 e.V. vom gestrigen Abend war nicht mit der DFL abgestimmt. Es gibt bislang keine Untersagung des angekündigten Investoren-Einstiegs. Die DFL hält weiter ein Gespräch mit 1860 für erforderlich, um eine Klärung der Angelegenheit herbeizuführen. Ein Termin ist für die kommenden Tage vorgesehen“, teilte Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung, mit.

Später ließ Müller ausrichten: „Wäre es zu dem geplanten Gespräch mit 1860 gekommen, hätten wir die zuständigen Vertreter des Klubs darüber informiert, dass mehrere Passagen des Vertrags nicht mit den Statuten vereinbar sind.“

Vom massiv unter Druck geratenen Löwen-Präsidium, das Stevic installiert und dem Investment offenbar ohne ausreichende juristische Absicherung und Rücksprache mit der DFL zugestimmt hatte, war am Dienstag auf dem von Reportern belagerten Vereinsgelände an der Grünwalder Straße zunächst nichts zu sehen.

Zwei Vertragspunkte beanstandet

Am Mittag reagierte 1860 dann seinerseits schriftlich: „Uns wurde gestern von der DFL schriftlich mitgeteilt, dass die DFL nach aktueller 'Prüfung der Unterlagen die Einschätzung vertritt, dass die vertragliche Ausgestaltung des Modells in Teilen nicht mit den Vorschriften des Ligaverbandes vereinbar' sei. Da zwei elementare Vertragspunkte beanstandet wurden, hat sich das Präsidium gemeinsam mit dem Investor Nicolai Schwarzer entschlossen, den Genehmigungsantrag zurückzuziehen und bis auf Weiteres auf Eis zu legen.“ Angeblich war die Nähe zwischen Stevic und Schwarzer beanstandet worden.

Das ließ auch Aufsichtsrat und Münchens OB Christian Ude in der "SZ" durchblicken: „Ich habe massive Zweifel bekommen, ob diese Verträge bei der DFL genehmigungsfähig wären. Es ist in den Verträgen von Einflussnahmen des Investors die Rede, die man als bestimmend ansehen kann.“ Ude kritisierte zudem scharf, es sei „grundsätzlich nicht gut, wenn das Präsidium Geschäfte aushandelt“, dafür sei die Geschäftsführung da.

Vor die Presse trat zunächst nur die düpierte Geschäftsführung und bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Es tut uns leid, dass wir so spät erst in die Verträge einbezogen worden sind. Das soll in Zukunft anders sein“, sagte der nach der jüngsten Beurlaubung von Weltmeister Stefan Reuter in die Geschäftsführung aufgerückte Markus Kern: „Wir bitten die Sponsoren und Partner, uns treu zu bleiben. Wir werden auch diesmal den Weg aus dem Schlammassel finden.“ Kürzlich hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß erklärt, sein Bauch sage ihm, dass die neuesten Entwicklungen bei 1860 „der Anfang vom Ende“ des Klubs seien.

Zukunft scheint ungewiss

Am Nachmittag stellte sich Stevic kurz der wartenden Presse. „Es gibt Irritationen. Ich will weiter meine Funktion ausüben. Ich bin hergekommen, um sportlich etwas zu bewegen. Das ist das, was mich interessiert“, erklärte der ehemalige Löwen-Profi aus Serbien kämpferisch. Auf die Nachfrage eines Reporters, wie es nun ohne die Millionen der Investorengruppe weitergehen soll, entgegnete Stevic unter Verweis auf das DFL-Schreiben: „Sind Sie sicher, dass die Millionen weg sind?“

Sechs Tage nach der Ankündigung, mit frischem Geld 2010 wieder in die Bundesliga aufsteigen zu wollen, erscheint die Zukunft des Traditionsvereins nun völlig ungewiss. Offen war am Dienstag zunächst auch, was aus dem Präsidium wird. Und auch um die Zukunft der bereits mit der finanziellen Hilfe Schwarzers verpflichteten Antonio Rukavina und Nikola Gulan herrschte Unklarheit.

In den Münchner Medien war bereits der Rücktritt der kompletten Vereinsspitze mit Rainer Beeck und seinen beiden Stellvertretern Franz Maget und Michael Hasenstab gefordert worden. Für den Nachmittag wurde eine weitere Pressemitteilung der Geschäftsführung angekündigt...

sid/ras