Rolf Töpperwien hat es gewiss als Geschenk empfunden, an seinem 59. Geburtstag vom Bundesligaspiel zwischen dem Hamburger SV und Bayern München zu berichten, das vor der siebten Runde dieser Saison wieder einmal das Etikette "Nord-Süd-Gipfel" verdiente.
Sichtlich erwartungsfroh, mit weit aufgerissenen Augen, hielt der ZDF-Reporter nach der 0:1-Niederlage des ewigen Favoriten aus München sein Mikrofon Uli Hoeneß unter die Nase, doch der wortgewaltige Manager tat ihm nicht den Gefallen, sich in Rage zu reden. Statt der "Abteilung Attacke" wählte Hoeneß die "Masche Merkel" und sagte, die Mannschaft sei grundsätzlich auf gutem Weg, die Niederlage kein Rückschlag für die Gesamt-Performance. So kann man Bundeskanzlerin bleiben, aber wird man so wieder Meister?
Fakt ist: Nach rund einem Fünftel der Spielzeit belegt der FC Bayern in der Tabelle nur den siebten Platz, sechs Punkte hinter Spitzenreiter HSV. "Der Rückstand ist für uns kein Grund, unruhig zu werden. Die Saison ist noch lang. Momentan interessiert mich die Tabelle wenig.
Erst wenn wir am Ende nicht ganz oben stehen, haben wir vielleicht ein Problem", entgegnete Hoeneß gelassen – mit der Arroganz des Rekordmeisters. Zweckoptimismus jedoch hatten die Münchner schon die komplette vergangene Saison verbreitet, ohne ein einziges Mal auf den ersten Rang zu klettern.
Dass das Vereinslied "FC Bayern – forever number one" schon seit mittlerweile 41 Spieltagen nicht mehr zeitgemäß ist, hat die Konkurrenz längst erkannt. Nicht erst seit der peinlichen Schlappe bei Aufsteiger Mainz 05 Ende August haben die Münchner ihren Ruf als übermächtiger Gegner verloren.
So hatte HSV-Trainer Bruno Labbadia selbst nach der Pokal-Pleite unter der Woche beim Drittligisten VfL Osnabrück an den Sieg seiner Elf gegen den FC Bayern geglaubt und diesen Glauben seinen Spieler vermittelt. "Die Bayern thronen nicht mehr über allen", sagte Piotr Trochowski, der mit dem HSV auch in der Vorsaison durch ein Petric-Tor das Spitzenspiel gegen die Münchner 1:0 gewonnen hatte.
Diesmal gibt es keinen Alleingang
Natürlich, da ist Hoeneß nicht zu widersprechen, ist die Meisterschaft nach sieben Spieltagen noch lange nicht entschieden: Auch vor einem Jahr war der HSV zu diesem Zeitpunkt Spitzenreiter, waren Leverkusen, Hoffenheim und Schalke unter den ersten Fünf platziert – nach 34 Spieltagen sah das obere Ende der Tabelle ganz anders aus. Doch einen Alleingang wie vor zwei Jahren, als die Münchner, als Reaktion auf die klar verpasste Meisterschaft 2007, für viel Geld ihre Mannschaft durch Luca Toni und Franck Ribery verstärkten, wird es diese Saison trotz der extrem kostspieligen Transfers von Mario Gomez (30 Millionen Euro) und Arjen Robben (25 Millionen Euro) offensichtlich nicht geben.
Zwar sind die Bayern im Angriff luxuriös besetzt, das Defensivpersonal aber ist nicht überzeugend, weshalb der neue Trainer Louis van Gaal daran tüftelt, die vorhandenen Defizite taktisch auszugleichen. In Hamburg etwa probierte es der Niederländer mit einer 3B-Abwehrkette (Breno, van Buyten, Badstuber) und ließ vor allem nach vorn spielen, um die anfällige Deckung zu entlasten. Das Resultat lautete 0:1. Eine bittere Niederlage, urteilte van Gaal, der bislang nur zwei Zähler mehr aufs Konto gebracht als vor einem Jahr sein Vor-Vorgänger Jürgen Klinsmann.
Es ist den auf Rang sieben wieder hinterher hechelnden Bayern übrigens anzuraten, in der Tabelle nicht nur auf die vor ihnen platzierten Mannschaften zu achten. In der Spielzeit 2006/07 belegte der spätere Meister VfB Stuttgart nach sieben Spieltagen nur den achten Platz, in der Vorsaison war der VfL Wolfsburg gar nur Tabellenneunter und überholte alle.
Selbst der Tabellenletzte Hertha BSC darf nach der 1:5-Klatsche am Sonntag in Hoffenheim noch hoffen. Vor einem Jahr dümpelte Borussia Mönchengladbach nach sechs Niederlagen aus sieben Spielen auf Platz 18 – und schaffte am Ende den Klassenerhalt.
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