Maria Scharapowa wird die French Open auch im sechsten Anlauf nicht gewinnen, Roger Federer dagegen scheint auf dem Weg ins Endspiel nur schwer zu stoppen. Die Nummer eins der Tennis-Welt bei den Damen musste am Montag um kurz vor 18 Uhr den Traum von der Komplettierung ihrer Grand-Slam-Titelsammlung begraben. Eine Vorhand der 21-Jährigen landete weit neben der Linie, Dinara Safina sank zu Boden und konnte den 6:7 (6:8), 7:6 (7:5), 6:2-Erfolg zunächst noch gar nicht fassen. Die jüngere Schwester des früheren Weltranglisten-Ersten Marat Safin trifft nun in einem weiteren russischen Duell auf Jelena Dementjewa. „Es war einfach einer dieser Tage, an denen ich meine Chancen nicht genutzt habe und auch etwas Pech dazukam“, sagte Scharapowa, „das war enttäuschend.“
Bei den Männern setzte sich Roger Federer gegen den Franzosen Julien Benneteau mit 6:4, 7:5, 7:5 durch. Im Kampf um den Einzug ins Halbfinale trifft der 26 Jahre alte Schweizer nun auf den Chilenen Fernando Gonzalez, gegen den er erst einmal verloren hat - im vergangenen Jahr beim Masters Cup. „Hoffentlich läuft es ähnlich gut wie heute. Dann bin ich guter Dinge“, sagte der Branchenprimus aus Basel. Sein vermeintlich schärfster Konkurrent in der oberen Hälfte des Tableaus, der Russe Nikolai Dawidenko, war in der dritten Runde gescheitert. Auf Titelverteidiger Rafael Nadal oder den Serben Novak Djokovic könnte Federer frühestens im Endspiel am kommenden Sonntag treffen.
Am meisten nervte den zwölfmaligen Grand-Slam-Sieger zu Beginn der zweiten Turnierwoche von Roland Garros wieder einmal das miserable Wetter in der französischen Hauptstadt. Die ersten beiden Sätze hatte Federer gerade für sich entschieden, da zeigten sich wieder die dicken grauen Wolken. Zunächst blieb der Schweizer einfach auf seiner Bank sitzen, wie um zu demonstrieren: Lass uns trotzdem weiterspielen, ich bin gerade so gut drauf. Aber dem Schiedsrichter bleib keine andere Wahl, als die Protagonisten für mehr als eine Stunde in die Kabine zu schicken. Auch nach der Regenpause tröpfelte es zunächst noch, weshalb Federer Kraft für das Viertelfinale sparen wollte - was ihm aber erst nach 2:26 Stunden Spielzeit gelang.
Duell der Pilic-Zöglinge
In einem weiteren Viertelfinale duellieren sich an diesem Dienstag die beiden jüngsten Spieler des Herren-Feldes: der 21 Jahre alte Australian-Open-Champion Djokovic und der 19 Jahre alte Überraschungs-Mann Ernests Gulbis aus Lettland. Beide kennen sich bestens aus gemeinsamen Trainingstagen in der Akademie des ehemaligen deutschen Davis-Cup-Kapitäns Niki Pilic in München. „Im Training hat er mich immer zerstört. Ich konnte nicht ein Match gewinnen“, sagte der Serbe Djokovic - und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Also liegt der ganze Druck auf ihm, oder? Er ist der Favorit.“
Natürlich ist der 1,91 Meter große Weltranglisten-80. Gulbis der klare Außenseiter, will aber seinen alten Kumpel zumindest ein bisschen ärgern. „Wenn er seine Qualität auf den Platz bringt und mit seinem Service arbeiten kann, wird sicher auch Djokovic Probleme haben“, glaubt Gulbis' österreichischer Trainer Karl-Heinz Wetter.
Realistischer ist aber die Prognose, dass sich die Zuschauer am Freitag im Halbfinale auf das elfte Kräftemessen zwischen Djokovic und Nadal freuen dürfen. Der Titelverteidiger aus Spanien, der als erster Spieler seit Björn Borg vor 27 Jahren den vierten French-Open-Titel nacheinander anstrebt, muss an seinem 22. Geburtstag am Dienstag allerdings noch die Aufgabe gegen Landsmann Nicolas Almagro erfüllen. „Wenn ich gewinne, wäre es ein schönes Geburtstagsgeschenk. Wenn nicht, wäre es ganz schön schlecht“, sagte der Mallorquiner.
dpa/tsch





