Auf der Tribüne sprang Eusebio jubelnd auf, Cristiano Ronaldo schickte ein Küsschen zum Himmel, lief in die Fankurve und verschenkte sein Trikot. Der derzeit beste Fußballer der Welt hatte Portugal nicht nur ins EM-Viertelfinale geführt, sondern auch den Nationalhelden verzückt. „So können wir vom Titel träumen“, schwärmte der 66 Jahre alte WM-Dritte von 1966 nach dem 3:1 (1:1) gegen Tschechien.

Superstar Ronaldo, der mit seinem ersten Turniertor den zweiten Erfolg des Vize-Europameisters im zweiten Spiel sicherte, sah sich selbst nicht als Matchwinner. „Ich habe der Mannschaft geholfen zu siegen. Mein Anteil war eher gering“, meinte der 23-Jährige vom Champions-League-Sieger Manchester United. „Die Mannschaft war sehr gut, unser erstes Ziel ist erreicht.“


Als Tabellenführer der Gruppe A haben die portugiesischen Fußball-Künstler nach ihrem Arbeitssieg gegen die überraschend starken Tschechen den vierten Viertelfinaleinzug bereits sicher. Im letzten Gruppenspiel am Sonntag (20.45 Uhr) gegen die Schweiz, die am Abend 1:2 gegen die Türkei verlor, können sie nicht mehr vom ersten Rang verdrängt werden.

Scolari zu Chelsea

Trainer Luiz Felipe Scolari war hochzufrieden: „Ich bin sehr erfreut, Kompliment an meine Mannschaft. Das war ein Sieg der ganzen Mannschaft. Ein Sieg wie dieser zeigt, dass unsere Arbeit Früchte trägt“, sagte der Brasilianer, dessen Zukunft wenige Stunden nach dem Spiel bekannt wurde: Der englische Vizemeister FC Chelsea, Klub von DFB-Kapitän Michael Ballack, meldete die Verpflichtung des 59-Jährigen als neuen Teammanager.

Der von Real Madrid heftig umworbene Ronaldo, der bereits bei der Heim-EM vor vier Jahren zwei Tore erzielt hatte, sorgte in der temporeichen und abwechslungsreichen Partie vor 29.016 Zuschauern in Genf in der 63. Minute für die Vorentscheidung: Nach einem Zuspiel von Deco ließ er dem ehemaligen Welttorhüter Petr Cech beim 2:1 keine Chance.


Mittelfeld-Regisseur Deco hatte die Portugiesen bereits in der achten Minute in Führung gebracht. Doch Libor Sionko glich schon neun Minuten später für die Tschechen aus, die nun wieder um das Weiterkommen bangen müssen. Der Europameister von 1976 trifft zum Vorrundenabschluss am Sonntag (20.45 Uhr) auf die Türkei. Für den Endstand sorgte der eingewechselte Quaresma in der ersten Minute der Nachspielzeit, die Vorbereitung leistete Ronaldo.


Schon den Führungstreffer hatte Ronaldo eingeleitet. Nachdem er sich ein-, zweimal mit Einzelaktionen festgelaufen hatte, drang der 23-Jährige mit einem Doppelpass mit Nuno Gomes in den Strafraum ein, blieb aber an Cech hängen. Doch Deco stocherte den Ball über die Linie.


Beim Ausgleich offenbarte der Vize-Europameister erstmals Schwächen in der Abwehr, die beim 2:0 gegen die Türkei noch so fehlerlos gearbeitet hatte. Nach einem Eckball von Jaroslav Plasil gewann Sionko das Kopfballduell gegen Petit.

Baros für Koller in der Startelf

In der Folge geriet der schnelle Kombinationsfußball der Portugiesen ins Stocken, weil die Tschechen geschickt die Räume zustellten. Anders als beim glücklichen 1:0 gegen Gastgeber Schweiz beschränkten sich die Tschechen diesmal nicht auf nur auf die Defensive, sondern spielte überraschend gut mit.

Durch die Hereinnahme von Milan Baros für den Nürnberger Jan Koller wurde das Angriffsspiel der Elf von Trainer Karel Brückner variabler. Wirklich in Gefahr brachte der Torschützenkönig der EM 2004 das Gehäuse der Portugiesen aber kaum. Einzig ein Kopfball, der weit über das Tor ging, stand für den 26-Jährigen zu Buche (16. ). Koller wurde in der 73. Minute eingewechselt.

Weil das Kombinationsspiel nicht wie gewohnt funktionierte, versuchten es Ronaldo und Co. verstärkt mit Distanzschüssen - gegen den starken Cech zunächst aber ohne Erfolg. Nach dem Seitenwechsel hatte zunächst Tschechien mehr vom Spiel. Nach einer Ecke und einem Kopfball von Tomas Ujfalusi verpassten Sionko und Baros nur knapp den Ball und damit den möglichen Führungstreffer für den Außenseiter. In der 83. Minute parierte zudem Portugals Schlussmann Ricardo nach einem Kopfball von Sionko und verhinderte den 2:2-Ausgleich.

sid/fb