Die taktischen Kniffe von Josef Hickersberger sollten ganz geheim bleiben. Deshalb hatte der österreichische Nationaltrainer die Öffentlichkeit inklusive der Medien von den Trainingseinheiten ausgeschlossen, die er vor dem vielleicht vorentscheidenden Spiel am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) gegen Polen abhalten ließ. Mehr noch: Der Trainingsplatz war nahtlos umspannt von blickdichten und übermannshohen Planen. Doch leider hatte Hickersberger die Topografie des Burgenlandes unterschätzt.
Auf den umliegenden Hügeln formierten sich neugierige Journalisten, die neben einem neu eingeübten 4-4-2-System auch von unbekannten Beobachtern berichteten. Polnische Spitzel? Denkbar wäre es, wird doch vor dem zweiten Gruppenspiel die Geheimniskrämerei auf die Spitze getrieben.
Österreichs Trainer Hickersberger muss ungebetene Ratschläge ertragen
Nach den Auftaktniederlagen der Polen (0:2 gegen Deutschland) und Österreich (0:1 gegen Kroatien) stehen beide Mannschaften bereits unter enormem Druck. Vor allem Hickersberger bekommt die geballte Ladung gut gemeinter Ratschläge seiner Landsleute verabreicht. „Vastic soll für Ivanschitz ran“, rät der ehemalige Bundesligaprofi Toni Polster in der Zeitung „Österreich“, während Stefan Maierhofer, von Hickersberger ausgemusterter Stürmer von Rapid Wien, „volle Attacke“ sehen will: „Wir müssen unser Glück herausfordern.“
Der umfassend beratene Hickersberger ließ zumindest durchblicken, entgegen der Defensivvariante gegen Kroatien jetzt mit dem offensiveren Ümit Korkmaz spielen zu lassen, der in der nächsten Saison Eintracht Frankfurt verstärkt. „Alles oder Nichts“ kommt für ihn allerdings nicht in Frage: „Sechs Offensivkräfte – das ist Utopie. Wir werden weder hinten dicht machen noch vorne Hollywood spielen.“
Polens Trainer Beenhakker will einen ehemaligen Brasilianer bringen
Während die Österreicher landesweit die Aufstellung diskutieren, hat Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker eine Trumpfkarte aus dem Ärmel gezogen. Roger Guerreiro soll am Donnerstag von Beginn an auflaufen, und wem dieser Name wenig Polnisch vorkommt, liegt richtig: Guerreiro wurde kurz vor der EM eingebürgert. Der vormalige Brasilianer, gegen Deutschland nur eingewechselt, spricht kaum die Landessprache. Dennoch hält Beenhakker viel von ihm: „In der ersten Partie hat er unser Spiel belebt.“
Der Niederländer, der vor der EM mit dem „Orden für die Wiedergeburt Polens“ ausgezeichnet wurde, bekommt erstmals Gegenwind. „Leo, du hast uns die nächste Runde versprochen“, titelte „Fakt“. Dafür – und das ist kein Geheimnis – muss er heute Österreich bezwingen.





