Morgenpost Online: Wie stark schätzen Sie den Gegner ein?

Fernando Meira : Die Türkei hat eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, deren Stärke das Kontern ist. Wir müssen sehen, dass wir das erste Tor schießen, denn sonst wird es für uns ganz schwierig.

Morgenpost Online: Was gibt Ihnen die Hoffnung, wieder das Finale zu erreichen?
Meira: Die Ära der goldenen Generation mit Luis Figo, Rui Costa oder Maniche hat abgedankt, unsere Mannschaft hat einen großen Umbruch hinter sich. Auf einigen Positionen sind wir zwar nicht topp besetzt, aber unser großes Plus ist, dass wir wie eine Familie sind. Und wir haben mit Cristiano Ronaldo den derzeit besten Fußballer der Welt. Er zeigt uns in der Kabine immer neue Tricks. Wenn ich die nachmachen will, dann verdrehe ich mir fast das Knie.

Morgenpost Online: Ronaldo galt früher als arroganter, eigenbrötlerischer Star. Trifft diese Einschätzung noch zu?

Meira: Nein, er ist derzeit der beste Fußballer der Welt, auch weil er sich zu einem mannschaftsdienlichen Spieler entwickelt hat. Er wird von Jahr zur Jahr stärker, und wenn er mal einen schlechten Tag hat, ist er immer noch besser als die anderen. Er fordert auch niemals eine Sonderbehandlung, ist abseits des Platzes ein sehr zurückhaltender Mensch wie fast alle, die wie er von der Insel Madeira kommen.

Morgenpost Online: Ist Portugal von ihm abhängig?

Meira: Das nicht, wir haben auch andere Stars, die ein Spiel entscheiden können wie Deco, Carvalho oder Quaresma. Aber Ronaldo ist unser größter Vorteil.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Trainer Scolari für die Mannschaft?

Meira: Scolari legt großen Wert auf Disziplin und Kameradschaft. Bei ihm muss die Mannschaft geschlossen funktionieren. Damit haben wir in den Vorjahren viel Erfolg gehabt, hoffentlich auch diesmal. Es ist eine Ehre, mit ihm zu arbeiten.

Morgenpost Online: Er hat sie bei der vorigen EM nicht berücksichtigt. Spielen Sie diesmal?

Meira: Wir haben in den vergangenen Tagen im Mannschaftsquartier in Neuchatel gut gearbeitet. Ich bin fit und hoffe auf meinen Einsatz, am liebsten im defensiven Mittelfeld.

Morgenpost Online: Sie sind noch bis 2010 an den VfB Stuttgart gebunden. Werden Sie den Vertrag erfüllen? Angeblich hat Ihnen Juventus Turin ein Angebot unterbreitet.

Meira: Juventus ist nicht der einzige Verein, der Interesse an mir hat. Aber da ich unter Vertrag stehe, liegt es nicht an mir, ob ich noch zwei Jahre in Stuttgart spiele oder nicht.

Morgenpost Online: Zurück zur Gegenwart. Wenn nicht Portugal, wer wird dann Europameister?

Meira: Ich denke Italien.