Morgenpost Online: Österreich hat gegen Kroatien bereits nach drei Minuten das 0:1 kassiert. Was bedeutete das für die Taktik?
Andreas Herzog: Wir wollten die Kroaten mit langen Pässen auskontern, das ist uns leider nicht gelungen. Wenn du nach drei Minuten schon hinten liegst, kann der Gegner aus einer gesicherten Abwehr spielen, und die Kroaten haben nun mal sehr gute Verteidiger.
Morgenpost Online: Österreich kam erst nach einer halben Stunde langsam ins Spiel. War die Mannschaft geschockt?
Andreas Herzog: Ein bisschen. Aber dann haben wir das Spiel gemacht. Nur leider waren wir nicht effizient genug.
Morgenpost Online: Sind Sie trotz der Niederlage stolz auf diese Leistung?
Andreas Herzog: Stolz könnten wir sein, wenn wir gewonnen oder zumindest einen Punkt geholt hätten. Man kann der Mannschaft allerdings überhaupt keinen Vorwurf machen. Sie hat ein sehr gutes Spiel abgeliefert.
Morgenpost Online:
Der vielleicht beste Mann war Ivica Vastic, der nach 61 Minuten eingewechselt wurde. Er ist allerdings schon 38 Jahre alt.
Andreas Herzog:
Ivo war schon im Trainingslager einer der besten, er hat absolute Klasse und Genialität. Leider hat er eine große Kopfballchance nicht genutzt.
Morgenpost Online: Österreichische Experten werfen Trainer Hickersberger vor, dass die Einwechslung des Frankfurter Zugangs Ümit Korkmaz in der 69. Minute zu spät erfolgt sei.
Andreas Herzog: Defensiv ist Ümit nicht so stark, deshalb hat der Trainer ihn erst mal draußen gelassen. Aber es stimmt, er hat in den letzten 20 Minuten für frischen Wind gesorgt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er sich mal im Strafraum hinschmeißt, wenn seine Gegenspieler reingrätschen, so hätten wir vielleicht auch mal einen Elfmeter bekommen. Da fehlt noch ein Schuss Cleverness.
Morgenpost Online: Ist das Spiel gegen Polen schon ein Endspiel?
Andreas Herzog: Ja, wir haben gesagt, dass wir gegen Kroatien und Polen die Punkte holen müssen, weil es gegen Deutschland ungleich schwieriger wird. Der erste Schritt ist uns leider nicht gelungen, aber jetzt müssen wir ein Scheiberl drauflegen und nicht nur gut spielen, sondern mal eine Sensation schaffen.
Morgenpost Online: Wie bauen Sie das Team jetzt auf?
Andreas Herzog: Wir werden es an seine gute Leistung erinnern. Wir haben ja nicht 0:3 oder so verloren. Sonst wäre es wohl drunter und drüber gegangen.
Morgenpost Online: Selbst drei Punkte gegen Polen würden wohl nicht reichen, gegen Deutschland muss also auch gepunktet werden. Ist der Respekt da nicht zu groß?
Andreas Herzog: Der Respekt ist schon riesengroß. Bei uns in Österreich ist das leider immer so eine Sache mit dem Respekt, manchmal haben wir zu viel davon.
Morgenpost Online: Wäre für Sie als ehemaliger Bundesligaspieler ein Gruppenfinale gegen Deutschland nicht ein persönlicher Traum?
Andreas Herzog: Sicher, aber zunächst müssen wir Polen schlagen, damit es gegen Deutschland noch um etwas geht.
Morgenpost Online: Haben Sie keine Angst, dass sich nun Resignation breit macht angesichts der schweren Aufgaben?
Andreas Herzog: Auf keinen Fall, aufgegeben wird nicht. Zur Not müssen wir halt auch die Deutschen schlagen. Haben wir ja schon mal, oder? Nicht oft, aber es ist schon vorgekommen.
Morgenpost Online:
Das wäre dann ja quasi das österreichische Sommermärchen?
Andreas Herzog:
Warum nicht? Vielleicht fängt unser Sommermärchen ja jetzt erst an. Ich glaube daran und bin optimistisch.





