Sie waren gesetzt bei ihren früheren Arbeitgebern. Eine Diskussion darüber, ob sie zur Startelf gehören, war ihnen zuletzt eigentlich fremd. Es sei denn, Mesut Özil (21) war bei Werder Bremen mal verletzt oder Sami Khedira (23) beim VfB Stuttgart. Am späten Sonntagabend aber erlebten die beiden deutschen Nationalspieler mal wieder, wie es ist, nicht erste Wahl zu sein. Beim Saisonauftakt ihres neuen Vereins Real Madrid gegen Real Mallorca mussten Özil und Khedira erst einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen, ehe sie in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurden.
Die Königlichen, die Khedira Ende Juli für 12 Millionen Euro gekauft hatten und Özil Anfang August für 15 Millionen, spielten 0:0. Der 19 Jahre alte Sergio Canales erhielt in der Zentrale den Vorzug vor Özil, der dann allerdings in der 58. Minute sein Pflichtspieldebüt für Real feiern durfte. Er kam im Trikot mit der Nummer 19 auf den Platz – und zwar für Canales, an dem das Spiel bis dahin komplett vorbei gelaufen war. Khedira musste bis zur 70. Minute auf seinen Einstand im Mittelfeld warten. Er kam mit der Nummer 24 auf dem Rücken für Alvaro Arbeloa.
Durchwachsene Leistungen in Testspielen
Bereits am Abend vor dem Spiel hatte Reals neuer Trainer Jose Mourinho seine Spieler über die erste Elf für den Auftakt in der spanischen Primera Division informiert. Das deutsche Duo wusste also frühzeitig, woran es ist. Anpassungsprobleme hatte Mourinho bei ihnen in den vergangenen Tagen ausgemacht. „Beide spielen zum ersten Mal für einen Verein im Ausland“, sagte der Portugiese. Sie seien zwar Fußballer mit einem großen Potenzial. Aber man dürfe von ihnen nicht erwarten, dass sie innerhalb von zwei Tagen bei Real zu phänomenalen Stars werden. Özil und Khedira hatten in den Testspielen durchwachsene Leistungen gezeigt.
Andere waren besser, wie etwa Canales, den Real für fünf Millionen Euro von Racing Santander unter Vertrag genommen hatte. Mourinho ist angetan von dem Mittelfeldspieler. Kritiker ließ er im Vorfeld des Mallorcaspiels wissen, dass er Spieler nicht nach der Höhe ihrer Ablösesumme aufstellen würde. Doch der so hoch gelobte Canales konnte das in ihn gesetzte Vertrauen nicht rechtfertigen.
Insgesamt war der Fußball, den die Madrilenen vor allem in der ersten Halbzeit boten, nur wenig ansehnlich. Bis auf zwei Schüsse von Cristiano Ronaldo in der 14. und 16. Minute gab es keine gelungenen Aktionen. Das Team wirkte nicht eingespielt und hatte in der Offensive keine Ideen. Dagegen hatten die Gastgeber zwei sehr gute Chancen zur Führung, die Nunes (34.) und Castro (38.) aber vergaben.
Nach dem Seitenwechsel wurden die Königlichen etwas druckvoller. Und mit Özil und dem mit ihm eingewechselten Karim Benzema auch gefährlicher. Özil spielte eindeutig besser als Canales, in der 65. glänzte er mit einem guten Pass auf Gonzalo Higuain. In der 86. Minute hätten die beiden Deutschen das Spiel sogar entscheiden können. Khedira kam nach Flanke von Özil zum Kopfball, den Mallorcas Torwart Dudu Aouate war zur Stelle. Am Ende blieb es beim torlosen Unentschieden.
Es bedarf wohl noch etwas Zeit, bis sich die Madrider Mannschaft findet und ihr Niveau verbessert. Sie ist neu formiert worden in der Sommerpause. Es ist vieles neu bei den Königlichen. Der Trainer, aber auch die Tatsache, dass man sich in diesem Sommer auf dem Transfermarkt in Bescheidenheit übte. Zwar gab man 81 Millionen Euro für seine Zugänge aus, doch verglichen mit den 250 Millionen des vergangenen Jahres ist die Summe gering. Allein Cristiano Ronaldo hatte 94 Millionen Euro gekostet. Jose Mourinho, auch genannt „the special one“, soll einen Generationswechsel einleiten – in einem Klub, der jahrelang nur darauf aus war, Top-Stars zu holen. Koste es, was es wolle.
Es wird sich zeigen, ob die neue Philosophie aufgeht. Ob Özil und Khedira dabei helfen, Erfolge in Madrid zu feiern, bleibt abzuwarten. Sie brauchen, das ist klar, auf jeden Fall noch Zeit. Sie, die Nummer sieben und acht in der Liste deutscher Fußballer sind, die bei Real Madrid angeheuert haben. Günter Netzer war 1973 der erste Deutsche, es folgten Paul Breitner, Uli Stielike, Bernd Schuster, Bodo Illgner und Christoph Metzelder.
Morgen werden Mourinhos Deutschland-Importe von Madrid nach Frankfurt am Main fliegen. Dort trifft sich die deutsche Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die Qualifikationsspiele für die EM 2012 gegen Belgien am 3. September und Aserbaidschan (7.9.). Mit Sicherheit eine gute Abwechslung für das Duo von Real. Denn bei Bundestrainer Joachim Löw brauchen sie sich wohl vorerst keine Gedanken über ihre Rolle im Team machen. Bei ihm waren sie während der WM in Südafrika gesetzt – und werden es aller Voraussicht nach auch erst einmal bleiben. Es sei denn, sie schaffen es in Madrid nicht auf Dauer in die Stammelf. Denn dann würden Löw die Argumente ausgehen.




