Morgenpost Online: Ihr Trainer wünscht sich Claudio Pizarro. Werden Sie ihm den Wunsch erfüllen?

Klaus Allofs: Den wünsche ich mir auch. Einen erfahrenen Stürmer, der eine Garantie für eine gewisse Anzahl von Toren bieten kann. Das hat Claudio in der vergangenen Saison gezeigt. Der Trainer und ich sind da voll auf einer Linie. Wir bemühen uns, aber wir werden nur Dinge machen, die zu verantworten sind. Wenn sich heraus stellt, dass es nicht geht, werden wir auch ohne Claudio in die Saison gehen müssen. Das wird uns dann nicht umwerfen. Wir haben eine Mannschaft, die genügend Stürmer hat.

Morgenpost Online: Heißt das entweder Pizarro oder keiner?

Allofs: Wir müssen uns über eins im Klaren sein: Diesen Stürmer, den wir uns vorstellen, gibt es sonst nicht auf dem Markt. Oder er ist für uns nicht zu finanzieren. Von Außenstehenden wird immer die Rechnung aufgemacht, dass wir durch den Diego-Transfer viel Geld eingenommen, bis jetzt nur Betrag x ausgegeben haben und noch eine hübsche Summe übrig sein müsste. Das ist eine Rechnung, die nicht aufgeht. Mit der Ablösesumme ist es nicht getan. Dem Spieler muss auch ein Gehalt gezahlt werden. Und wenn man, wie wir, in einer Saison Gewinn macht, müssen wir auch Steuern zahlen.

Morgenpost Online: Das hört sich doch gar nicht nach so schlechten finanziellen Rahmenbedingungen an.

Allofs: Uns fehlen durch die Champions League rund 20 Millionen Euro Garantieeinnahme. Dass kann sich im Laufe der Saison durch die Europa League ein wenig verringern. Aber das ist ungewiss. Von daher müssen wir vorsichtig mit den Geldern umgehen. Das ist die Vorgabe.

Morgenpost Online: Wessen Vorgabe?

Allofs: So ist unsere Geschäftspolitik. Grundsätzlich folgen wir der Prämisse, so zu wirtschaften, dass wir am Ende in der Gewinnzone sind.

Morgenpost Online: Sind die Positionen im Fall Pizarro denn überhaupt vereinbar. Sie wollen ihn nur ausleihen, Chelsea ihn aber nur verkaufen?

Allofs: Da wird eine Menge Unsinn erzählt. Keiner ist in der Sache so drin, dass er behaupten könnte, er wüsste, was wir machen wollen.

Morgenpost Online: Sie sagten nach der Niederlage in Frankfurt: ,Wir glauben, dass wir offensiv gute Lösungen haben. Dahinter müssen wir stabil werden.’ Wäre dann nicht ein Transfer für einen anderen Mannschaftsteil als dem Sturm dringlicher?

Allofs: Wir sind überzeugt, dass unsere Mannschaft in dieser Zusammenstellung funktioniert. Gegen Frankfurt nur nicht im Defensivverhalten. Aber deswegen brauchen wir nicht gleich neue Spieler.

Morgenpost Online: Auffällig ist, dass Sie in allen offensiven Mannschaftsteilen etwas getan haben, aber nicht für die defensiven Positionen. Dabei ist die Abwehr seit langem das Bremer Sorgenkind. Warum wurde dieser Mannschaftsteil ausgespart?

Allofs: Ich sehe das nicht als unser Sorgenkind. Ich sehe uns nicht so schwach besetzt, wie es bewertet wird.

Morgenpost Online: Die Erfahrungen mit dieser Abwehr haben Sie doch in der vergangenen Saison wiederholt gerügt. Von Naivität war die Rede. Jetzt gehen Sie mit derselben Formation in die Saison.

Allofs: Schlichtweg deswegen, weil die vorhandenen Spieler uns gut genug erscheinen. Wir fühlen uns gut aufgestellt.

Morgenpost Online: Das ist mutig.

Allofs: Was wir seit zehn Jahren machen ist mutig.

Morgenpost Online: Was meinen Sie damit?

Allofs: Dinge zu tun, die andere vielleicht nicht so gemacht hätten. Wir lassen uns nicht so schnell entmutigen. Dafür müsste endgültig der Gegenbeweis angetreten werden, dass unser Handeln falsch ist.

Morgenpost Online: Worauf bauen Sie? Wann wäre der Gegenbeweis erbracht?

Allofs: Wenn wir unsere Ziele nicht erreichen.

Morgenpost Online: Die da sind?

Allofs: Wir wollen in der Bundesliga wieder oben mitspielen und in den Cupwettbewerben erneut nach Titeln streben. Wir müssen im Rahmen der starken Konkurrenz ganz einfach unseren Platz finden.

Morgenpost Online: Nach den Ernüchterungen der vergangenen Saison haben Sie aber mehrfach gesagt, der Kader werde genau unter die Lupe genommen und es werde möglicherweise Einschnitte geben. Spieler aus der zweiten Reihe, die den Klub nicht weiterbringen würden, sollten aussortiert werden. Einen Einschnitt oder gar Umbruch hat es nicht gegeben. Worauf deutet das hin?

Allofs: Ich weiß nicht, ob es das Lechzen nach Sensationen ist. Aber eine Mannschaft muss man nicht durcheinander würfeln, sondern sich anhand des Machbaren orientieren. Richtig ist, dass wir gern den ein oder anderen abgegeben hätten. Aber bei der bisherigen Marktlage war das bisher noch nicht möglich.

Morgenpost Online: Es gibt also Ladenhüter im Kader?

Allofs: Wir haben Verträge zu respektieren. Dennoch kann es noch passieren, dass wir den ein oder anderen abgeben können. Das heißt aber nicht, dass einer außen vor ist, jeder hat weiter seine Chance. Es wird intensiv mit allen Spielern gearbeitet.

Morgenpost Online: Müssen Sie Spieler verkaufen, um neue bekommen zu können?

Allofs: Wir dürfen insgesamt den Kader nicht aufblähen und dadurch zu hohe Kosten haben.

Morgenpost Online: War die Niederlage gegen Frankfurt mit Blick auf den Auftritt bei Bayern München ein Warnschuss oder sehen Sie es als Malheur, das mal passieren kann?

Allofs: Weder noch. Wir sind enttäuscht, aber bewerten es nicht über. Wir müssen uns verbessern, und würden uns wie gesagt gern noch verstärken. Aber für Schwarzmalerei sind wir nicht zu haben. So funktionieren wir nicht.

Morgenpost Online: Ist Gleiches wie gegen Frankfurt in München ausgeschlossen?

Allofs: Wie soll man ausschließen, dass man dort auch verlieren kann? Aber die Mannschaft wird ein gutes Spiel abliefern und sehr gute Spiele in dieser Saison machen. Das kann ich garantieren.

Morgenpost Online: Wie schätzen Sie die Bayern ein. Ist es auch Ihr Titelfavorit?

Allofs: Wenn man nicht weiß, wen man benennen soll, dann sagt man, die Bayern machen es. Wir haben sieben bis acht Mannschaften, die das Zeug zum Titel haben. Normalerweise müssten die Bayern oben mitspielen, weil sie wieder sehr viel investiert haben. Sie haben mit Mario Gomez Deutschlands erfolgreichsten Stürmer verpflichtet, dazu noch Ivica Olic. Auch für das Mittelfeld und die Abwehr haben sie einiges Geld in die Hand genommen. Die Bayern konnten machen, was bei uns nicht möglich ist: Sie haben keine Investition gescheut und das Beste vom Besten geholt. Deswegen müssten sie gute Karten haben.

Morgenpost Online: Kann sich Werder in den Kreis der Titelanwärter einreihen?

Allofs: Erst einmal nicht. Wir wollen aber schon da hinkommen, dass wir um den Titel mitspielen. Allerdings müssen wir abwarten, wie unsere Mannschaft letzten Endes aussieht und wie das zusammen passt. Dann kann man realistische Saisonziele formulieren.

Morgenpost Online: Tim Borowski will nach seiner Rückkehr ausgemacht haben, dass ein anderes Klima in Bremen herrscht. Alles wird schlecht geredet. Empfinden Sie das auch so?

Allofs: Ich glaube nicht, dass sich nach einem Jahr alles verändert hat. Es ist aber richtig, dass sich über die Jahre eine andere öffentliche Erwartungshaltung entwickelt hat. Von uns wird Großes erwartet. Aber das ist nichts Neues.

Morgenpost Online: Von Ihrem Kapitän Torsten Frings erwartet Bundestrainer Joachim Löw auch Großes. Er hat deutlich gemacht, dass Frings nur eine Chance auf Rückkehr in die Nationalmannschaft habe, wenn er wieder so in Form komme, wie er bei der WM 2006 gespielt hat. Ist das realistisch bei einem bald 33-Jährigen?

Allofs: So eine Aussage verstehe ich nicht ganz. Um das mal klar zu stellen: Sicher ist das, was Torsten Frings zu seiner Situation gesagt hat, nicht immer ganz glücklich gewesen. Er weiß natürlich, dass man sich gerade als 32-Jähriger immer wieder beweisen muss. Und die Knochen hinzuhalten ist der Preis dafür, dass man viele andere Annehmlichkeiten und diesen Bekanntheitsgrad hat.

Morgenpost Online: Löw hat das auch nicht sonderlich beeindruckt.

Allofs: Auf der anderen Seite kann ich als Bundestrainer aber nicht einem Spieler sagen, der durchaus mit dem Rücktritt geliebäugelt hat: Bitte mach das nicht, ich brauche dich unbedingt, du bist ein wichtiger Spieler. Dann muss ich ihm auch ein gewisses Vertrauen entgegen bringen und vielleicht sogar eine andere Behandlung zukommen lassen. Dass er im letzten Jahr nicht gespielt hat, ist legitim. Damit muss Torsten auch leben. Aber die Ausladung zum Aserbaidschan-Spiel kann ich nicht nachvollziehen.

Morgenpost Online: Warum nicht?

Allofs: Keiner konnte zu dem Zeitpunkt sagen, wer in Form oder nicht in Form ist. Unser Trainer wird Joachim Löw vorher im Gespräch gesagt haben, dass mit Torsten alles in Ordnung ist, er das komplette Vorbereitungsprogramm absolviert hat und in einer sehr guten Verfassung ist. Das sind die Fakten. Von daher sollte Joachim Löw klar äußern, wenn es andere Gedankenspiele gibt und er nicht mehr mit Torsten plant. Das ist das mindeste, was er für Torsten tun kann. Auf der anderen Seite ist natürlich auch klar, dass Torsten den Konkurrenzkampf bestehen muss. Einen Bonus aus der Vergangenheit hat er offensichtlich nicht.

Morgenpost Online: Ihr Trainer dagegen schon. Wann werden Sie mit ihm verlängern?

Allofs: Wir gehen das Thema an, wenn wir die Ungewissheiten bei den Spielertransfers abgehakt haben.