Morgenpost Online: Herr van Nistelrooy, Schalke 04 steht vor der Verpflichtung Ihres Freundes Raul von Real Madrid. Haben Sie ihm schon zum Wechsel gratuliert?
Ruud van Nistelrooy (34): Wir haben Kontakt und ich freue mich, dass Raul in die Bundesliga kommt. Er ist eine Attraktion, ein Topspieler und eine großartige Persönlichkeit.
Morgenpost Online: Was haben Sie ihm über Deutschland erzählt?
Van Nistelrooy: Die Bundesliga ist eine der stärksten Ligen der Welt. Das muss ich ihm nicht erzählen, das ist bekannt. Dennoch wird er sich umstellen müssen, in Deutschland ist es nämlich anders als in Spanien oder in England. Die Fans können überall hin, mal abgesehen von der Kabine. Sie dürfen meistens beim Training zuschauen, sich danach Autogramme holen. Bei Manchester United oder Real Madrid bist du als Spieler abgeschirmt.
Morgenpost Online: Was bedeutet Raul für die Liga?
Van Nistelrooy: Es ist eine sportliche Bereicherung, ganz klar. Raul ist ein Kämpfer, er verlässt Madrid, weil er noch nicht fertig ist, weil er noch zwei, drei Jahre auf höchstem Niveau spielen will. Früher sind die Weltstars vielleicht zum FC Bayern gegangen. Jetzt holt Schalke 04 Raul, Bayer Leverkusen Michael Ballack. Es zeigt, dass die Bundesliga immer attraktiver wird. Ich habe also alles richtig gemacht.
Morgenpost Online: Sie stehen bei den Hamburger Fans hoch im Kurs. Junge Frauen kreischen, wenn Sie sich zeigen. Fühlen Sie sich wie ein Popstar?
Van Nistelrooy: Zu Beginn meiner Karriere habe ich das genossen. Ich fand es wunderbar, durch die Stadt zu gehen und zu spüren, dass mich die Leute erkennen und anstarren. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Ich genieße es nicht, aber es stört mich auch nicht.
Morgenpost Online: Wie gehen Sie damit um?
Van Nistelrooy: Wenn es passt, dann nehme ich mir die Zeit, um Autogramme zu schreiben und mich mit den Fans fotografieren zu lassen. Klar, manchmal würde ich am liebsten durch das Kabinenfenster klettern und zum Auto schleichen. In Manchester oder Madrid waren die Leute nicht so dicht dran an der Mannschaft. Daher drehen sie durch, wenn sie mal einen Spieler im Restaurant treffen. In Hamburg ist das anders, da kannst du dich frei bewegen. Meistens nehme ich das Fahrrad, dann erwartet niemand, dass ich ständig anhalte.
Morgenpost Online: Dann haben Sie sicher gespürt, wie groß die Enttäuschung der Fans ist, dass der HSV als Siebter die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasst hat.
Van Nistelrooy: Ja, die Enttäuschung ist riesig, auch innerhalb der Mannschaft und im ganzen Verein.
Morgenpost Online: Woran hat es gelegen?
Van Nistelrooy: Ich bin im Januar nach Hamburg gekommen und habe sofort gespürt, dass irgendetwas nicht stimmt. Es war Unruhe in der Truppe, im Umfeld, bei den Fans auf der Tribüne – und das ist sicher kein Brennstoff für Erfolg.
Morgenpost Online: Dabei begann Ihre Zeit beim HSV wie im Märchen, mit zwei Treffern innerhalb von 120 Sekunden beim VfB Stuttgart…
Van Nistelrooy: …was die Probleme und Schwierigkeiten zu diesem Zeitpunkt überdeckt hat. Wir haben versucht, uns zusammenzuraufen, aber es war nicht mehr aufzuhalten.
Morgenpost Online: Haben Sie darüber nachgedacht, den HSV wieder zu verlassen?
Van Nistelrooy: Es gab schon einige Momente, da habe ich mich gefragt: Wo bist du hier hineingeraten? Aber ich habe den Schritt zum HSV nie bereut, in keiner Sekunde. Mein Berater hat mir gesagt, welche Möglichkeiten bestehen. Es war kein Thema, Hamburg zu verlassen.
Morgenpost Online: Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Welche Pläne haben Sie?
Van Nistelrooy: Ich befinde mich in einer Karrierephase, in der du nur noch von einem Jahr zum anderen planst. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wie geht es körperlich? Wie geht es mental? Irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem ich sage: Es ist genug. Noch ist es nicht soweit.
Morgenpost Online: Der HSV hat Armin Veh als neuen Trainer für die kommende Saison verpflichtet. Welchen Eindruck haben Sie von ihm?
Van Nistelrooy: Der Trainer ist klar in seinen Ideen, sowohl auf als auch abseits des Platzes. Das gibt der Mannschaft Sicherheit und Ruhe. Armin Veh erinnert mich an Alex Ferguson von Manchester United. Er vermittelt den Spielern das Gefühl, alles zu überblicken, alles zu sehen – und er ist direkt in seiner Ansprache.
Morgenpost Online: Sie können Ihren Trainer also auch nach vier Wochen harter Vorbereitung noch sehen?
Van Nistelrooy: Ich bin schon jeden Abend froh, ins Bett zu kommen. So eine Vorbereitung ist neu für mich, das stimmt. Mit Klubs wie Manchester United oder Real Madrid fliegst du durch die ganze Welt, auf Werbetournee nach Asien oder in die USA. Da ist es Luxus, am Tag einmal trainieren zu können.
Morgenpost Online: Dann also lieber ein Ausdauertrainingslager auf Sylt absolvieren?
Van Nistelrooy: Da musste ich mich so richtig quälen und war immer der Letzte. Auf der anderen Seite spüre ich jetzt, dass es mir gut getan hat. Ich bin jeden Tag dabei, kann darauf aufbauen. Das ist ein fantastisches Gefühl.
Morgenpost Online: Apropos Gefühl. Mit welchem blicken Sie der neuen Saison entgegen? Was wird der HSV erreichen?
Van Nistelrooy: Es macht mich müde, die Klappe aufzureißen, das ist doch alles nur bla, bla, bla. Ich sage: Lasst uns die Fußballschuhe anziehen und es auf dem Platz zeigen.





