Der SC Freiburg durfte sich ein bisschen als Gewinner des 28. Spieltages fühlen. Zwar reichte es für die bis dato schlechteste Mannschaft der Rückrunde in Hoffenheim nicht zum Sieg. Doch durch das 1:1 (0:0) am Sonntagnachmittag verließ der Aufsteiger die Abstiegsplätze und nimmt nun als Tabellen-16. den Rang ein, der zur Teilnahme an den Relegationsspielen gegen den Dritten der Zweiten Liga berechtigt.
Relegationsspiele können die dramatische Rettung in höchster Not sein. 1986 zum Beispiel stand Borussia Dortmund mit dem Rücken zur Wand. 0:2 hatte der BVB das Hinspiel bei Fortuna Köln verloren. Im Rückspiel führte der Zweitliga-Klub aus der Kölner Südstadt zur Halbzeit 1:0, ehe Michael Zorc per Strafstoß, Marcel Raducanu per Kopf und Jürgen "Kobra" Wegmann in der 90. Minute per Abstauber die Dortmunder noch zum 3:1-Sieg führten.
Da Auswärtstore nur im Europapokal doppelt zählen, kam es zum Entscheidungsspiel auf neutralem Boden. In Düsseldorf siegten Immel, Pagelsdorf und Co. gegen geschwächte Fortunen 8:0, die den Spieltermin wegen akuter Verletzungssorgen nur einmal verschieben konnten. Der BVB blieb also erstklassig, obwohl er eine desolate Saison gespielt hatte, mit 1:6-Klatschen in den Revierderbys gegen Schalke und Bochum, und den Abstieg verdient hätte.
Immerhin jedoch sammelten die Dortmunder vor 24 Jahren - nach heutiger Rechnung - 38 Punkte. In dieser Spielzeit dürfte der Relegationsplatz für weniger Zähler weggehen. Erst 24 haben die Freiburger, und am Tabellenende findet ein wahres Schneckenrennen statt. Selbst die mehrfach schon totgesagte Hertha aus Berlin kann mit ihren kümmerlichen 19 Punkten immer noch auf den rettenden Strohhalm hoffen, den es von 1982 bis 1991 gab und den die Deutsche Fußball-Liga vor der Saison 2008/2009 zu Gunsten der Erstliga-Vereine wiedereinführte. Zwar gelang dem Tabellenletzten mit dem 0:0 gegen Borussia Dortmund im 13. Heimspiel in Folge kein Sieg, doch auch die Konkurrenten betteln um den Abstieg.
Hannover 96 versucht es in dieser Saison bereits mit dem dritten Trainer. Doch nach dem 1:4 im eigenen Stadion gegen den 1. FC Köln, der bislang mit seinem Königstransfers Lukas Podolski häufig selbst wie ein Abstiegskandidat aufgetreten war, fiel auch Mirko Slomka nichts mehr ein, von Sportdirektor Jörg Schmadke und Klubchef Martin Kind ganz zu schweigen. Eigentlich haben auch die miserablen Niedersachsen den Abstieg verdient, aber vom Relegationsplatz trennt sie nur ein einziger Punkt.
Genau den holten sich die Freiburger in einem sehr unansehnlichen Spiel in Hoffenheim. Die Gastgeber, die in der Hinrunde der Vorsaison in jeder Hinsicht als Nonplusultra des deutschen Fußballs gefeiert wurden, begingen ebenfalls Fehler wie ein künftiger Absteiger.
Der einst treffsichere Stürmer Vedad Ibisevic vergab in der 17. Minute nach einem kapitalen Schnitzer von Freiburgs Kapitän Heiko Butscher die sichere Führung, weil er den Pass zu seinem völlig freistehenden Mitspieler Carlos Eduardo verweigerte.
Je länger das Spiel dauerte, desto besser konnte man Trainer Ralf Rangnicks Warnung nachvollziehen, Hoffenheim, drittschlechteste Rückrunden-Elf, müsse in der Tabelle - trotz zehn Punkten Vorsprung auf Freiburg - nach unten schauen. In der 64. Minute beendete Mohammadou Idrissou dank tatkräftiger Unterstützung der Hoffenheimer Luiz Gustavo, Timo Hildebrand und Marvin Compper seine Torflaute und erzielte das 0:1.
Dass es nicht zu drei Punkten reichte, hatten sich die Freiburger selbst zuzuschreiben, die sich zehn Minuten vor dem Schlusspfiff in Führung liegend von der Heimmannschaft auskontern ließen. Hoffenheims Innenverteidiger Josip Simunic schloss den Angriff mit dem rechten Fuß zum 1:1-Endstand ab. Wer solche Spiele doch nicht gewinnt, steigt normalerweise ab.
Dass die Freiburger vier der letzten sechs Saisonspiele vor eigener Kulisse absolvieren, darunter gegen die ebenfalls im Abstiegskampf taumelnden Bochumer (zuletzt vier Niederlagen in Serie) und Nürnberger (nur einen Punkt besser als Freiburg), macht ihre Lage nicht besser. Die Elf von Trainer Robin Dutt ist die schlechteste Heimmannschaft der Liga. Die Wunder der Pleiten gegen Berlin und Hannover sind noch frisch.
Dass der Drittletzte der Bundesliga die Möglichkeit erhält, die verkorkste Saison in zwei Relegationsspielen auf Kosten eines erfolgreichen Zweitligaklubs zu retten, ist per se eine fragwürdige Regelung. In Anbetracht der Leistungen der diesjährigen Abstiegskandidaten aber ganz besonders.
Dass es allerdings für den Erstligisten nicht immer so gut ausgeht wie einst für Borussia Dortmund, musste vergangene Saison Energie Cottbus erfahren. Die Lausitzer verloren gegen den 1. FC Nürnberg beide Partien (0:3, 0:2) und stiegen hochverdient ab.





