Vor ein paar Tagen war Union-Fan Felix Glaser im Haus der Kulturen der Welt, um sich die Ausstellung "Ostzeit" anzusehen. Dort gab es auch eine Bilderserie über Fans des 1. FC Union. Einige der Fotos zeigten die Anhänger vor dem Stadion der Weltjugend, bei einem Spiel gegen den Stasi-Klub BFC Dynamo, eingekesselt von Bereitschaftspolizei. "Da musste ich wieder daran denken, warum ich Union-Fan geworden bin", sagt der 45-Jährige. Weil man bei Union anders war, unangepasst, nicht auf Linie mit dem System.
Glaser war nicht sicher, was passieren würde, als die Stasi-Tätigkeit des ISP-Aufsichtsratschefs publik wurde: "Ich dachte erst: Der Typ wird zurücktreten." Aber das hätte nicht zu Union gepasst. "Ich bin regelrecht stolz auf den Verein, er hat vorbildlich reagiert, schnell und konsequent. Dass Union seine eigenen Prinzipien durchhält in diesen wirtschaftlichen Zeiten, ist nicht selbstverständlich", sagt Glaser, der seit 1985 zu den Köpenickern geht, und Vereinsmitglied ist.
Ein Festhalten am Hauptsponsor wäre in seinen Augen kaum möglich gewesen: "Das hätte zu ewigen Diskussionen geführt. Viele der engagierten Fans in der mittleren Altersklasse, die Union ausmachen, die viele Stadionbauer gestellt haben, wären sicher nicht begeistert gewesen." Zumal es kaum jemandem darum geht, mittels Sponsorengeldern sportlich so schnell wie möglich nach oben zu kommen. "Lieber noch zwei Jahre länger rumdümpeln und die Haupttribüne ein Jahr später bauen, als sich auf etwas einlassen, das nicht zum Verein passt", sagt Glaser. Vom Aufstieg in die Bundesliga würde ohnehin niemand auf den Rängen ernsthaft träumen.
Dass sich Union überhaupt mit dem Sponsor eingelassen hat, will er nicht zum Vorwurf machen. Angesichts der Undurchsichtigkeit der Geschäfte der ISP könnte man sich zwar fragen, ob es wirklich eine gute Idee war. "Aber nach der Stasi fragt man heute keinen potenziellen Partner mehr", sagt der Union-Anhänger.
Ein gutes Gefühl hatte er trotzdem nie bei der Sache. "Als der Sponsor vorgestellt wurde, dachte ich, das klingt zu schön, um wahr zu sein. Es waren auch die Sorgen da, ob alles seriös zugeht", erzählt der Union-Fan. Heute Abend ist Glaser im Stadion und sieht die Union-Trikots ohne ISP-Logo. Er glaubt, dass das, was gerade passiert ist, das Image des Vereins sogar fördern kann. Weil es das Selbstbild von Union widerspiegelt. Dieses Bild, glaubt er, wird dabei helfen, schnell einen seriösen Sponsor zu finden.
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