Theo Zwanziger geht es derzeit nicht gut. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat sich einen grippalen Infekt aus Südafrika mitgebracht, der ihn zwang, bis zum Wochenende alle Termine abzusagen. Die wichtigste Entscheidung des deutschen Fußballs wird also noch etwas aufgeschoben werden müssen. Seit dem Ende der Weltmeisterschaft warten die Fans hierzulande, ob von der Frankfurter DFB-Zentrale weißer Rauch aufsteigt; sprich: ob der Vertrag des Bundestrainers Joachim Löw verlängert wurde. Doch bislang raucht nichts. Was nicht bedeutet, dass sich in dieser Angelegenheit nichts tut.
Nach Morgenpost Online-Informationen kommt es am Freitag zum ersten Treffen der Führungsspitze der Nationalmannschaft nach der WM. Teammanager Oliver Bierhoff, Löws Assistent Hans-Dieter Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke kamen zu Löw nach Freiburg, um in dessen Wohnung ein erstes Sondierungsgespräch zu führen. Das Quartett wird sich auf eine gemeinsame Linie einigen müssen, bevor es bei DFB-Präsidenten Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach vorstellig wird, um über die neuen Arbeitspapiere zu verhandeln.
Sie werden nicht noch einmal denselben Fehler machen wie zu Jahresbeginn. Damals wurde Bierhoff beauftragt, die gemeinsamen Interessen zu vertreten. Statt der angestrebten Vertragsverlängerung kam es allerdings anschließend zum öffentlichen Zerwürfnis. Bierhoff soll damals mit anmaßenden Forderungen in Frankfurt vorstellig geworden sein, unter anderem wollte er ein Vetorecht bei der Neubesetzung des Bundestrainerpostens. Andererseits hatte DFB-Präsident Zwanziger zuvor den Bundestrainer verärgert, als er im Dezember vorschnell eine Vertragsverlängerung bekannt gab, die bereits per Handschlag besiegelt worden sein sollte.
Beide Seiten haben aus ihren Fehlern gelernt. Die Leitung der Nationalmannschaft wird behutsamer agieren und den DFB nicht noch einmal mit weitgehend ausgearbeiteten Vertragsentwürfen brüskieren, wenn es in der kommenden Woche wohl zum ersten bilateralen Gespräch kommt. Andererseits werden die Verbandsfunktionäre der starken Weltmeisterschaft Rechnung tragen und auf weitere Machtspielchen verzichten.
So wissen Zwanziger & Co. auch, dass das Duo Löw/Bierhoff kaum zu trennen sein wird. Der Teammanager war durch sein forsches Auftreten in Misskredit geraten, hat allerdings in der Folge durch diplomatisches Geschick Vertrauen zurück gewonnen. „Bierhoff ist und bleibt für mich ein wichtiger Ansprechpartner“, hatte Zwanziger betont. Am 30. Juli tritt das DFB-Präsidium zur Sitzung zusammen. Bis dahin wollen sich beide Seiten auf die Modalitäten zur weiteren Zusammenarbeit geeinigt haben. Besser wäre es: Am 11. August steht schon das nächste Länderspiel gegen Dänemark auf dem Terminplan.





