In seiner Zeit bei Borussia Dortmund verriet Bert van Marwijk einmal, sehr akribisch zu sein und großen Wert auf einen geregelten Ablauf zu legen. Dementsprechend wütend war der Trainer der niederländischen Nationalmannschaft vor dem WM-Auftakt am Montag gegen Dänemark (2:0). Denn auf dem Weg ist Stadion Soccer City in Johannesburg hatte sich der Busfahrer von seinem Navigationsgerät verleiten lassen, die falsche Abfahrt zu nehmen. „Wir waren fast da, als der Fahrer plötzlich links abgebogen ist“, sagte van Marwijk: „Solche Dinge ärgern mich.“

Nach dem Auftaktduell war die Laune des 59-jährigen Fußballlehrers nur unwesentlich besser. Zwar startete sein Team mit einem Erfolg in das Turnier, der Mitfavorit auf den Titelgewinn blieb gegen biedere Dänen jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Am Ende waren es ein Eigentor von Daniel Agger in der 46. Minute und ein Abstauber von Dirk Kuyt (85.), die „Oranje“ den Sieg bescherten. „Unter dem Strich zählt das Ergebnis. Aber es gibt sicher einiges zu verbessern“, gab van Marwijk zu.

In der Woche vor dem Auftakt drehte es sich in beiden Lagern vor allem um Spieler, deren Einsätze fraglich waren. Der niederländische Superstar Arjen Robben vom Deutschen Meister FC Bayern hatte sich im letzten Test einen Muskelfaserriss zugezogen und den Trip nach Südafrika nicht mit seinen Kollegen angetreten. Stattdessen ließ er sich in Rotterdam bei Physiotherapeut Dick van Toorn (77) behandeln – mit Erfolg.

Samstagmorgen kam Robben in Johannesburg an, er trainierte jedoch nur individuell und setzte sich gegen Dänemark lediglich als moralische Stütze auf die Ersatzbank. Am kommenden Samstag gegen Japan soll der 26-Jährige auf dem Platz zur Verfügung stehen.

Während van Marwijk darum bemüht war, das Thema klein zu halten („Wir haben Spieler, die in der Lage sind, das zu kompensieren“), rief die Leistenverletzung von Angreifer Nicklas Bendtner bei den Dänen Untergangsstimmung hervor. „Er ist der Spieler mit dem besonderen Etwas. Fällt Nicklas aus, ist das ein herber Rückschlag“, sagte Trainer Morten Olsen und beklagte sich darüber, dass der 22-Jährige zuletzt beim FC Arsenal unter dem Einfluss von Schmerzmitteln eingesetzt worden war.

Harmlose Teams

Gleichfalls nutzte Olsen jedoch die günstige Gelegenheit, die sportliche Führung der Niederländer zu verunsichern. Dabei unterstützte ihn sogar Thomas Bendtner, Vater des Mittelstürmers, der mit finsterer Miene feststellte, sich „ernsthaft Sorgen“ zu machen, ob sein Sohn bei diesem Turnier überhaupt eingesetzt werden könne.

Erst eine Stunde vor dem Anpfiff flog der Bluff auf. Denn Bendtners Name stand nicht nur auf dem offiziellen Meldebogen der Fifa, sondern er auch in der Startelf. Van Marwijk nahm Olsen später mit einem Lächeln auf die Schippe. „Ein bisschen Show“ gehöre immer dazu: „Aber ich bin davon ausgegangen, dass Bendtner dabei ist.“

Bei einem Blick auf die Aufstellung der Niederländer wurde deutlich, warum van Marwijk den Ausfall Robbens so gelassen hinnahm: Das Offensivquartett bildeten Wesley Sneijder vom Champions-League-Sieger Inter Mailand, Rafael van der Vaart von Real Madrid, Dirk Kuyt vom FC Liverpool und Robin van Persie vom FC Arsenal.

An der Qualität der Protagonisten lag es also nicht, dass sich die beiden Kontrahenten über weite Strecken der Partie an Harmlosigkeit überboten. Der Außenseiter begnügte sich, kompakt in der Defensive zu stehen, den Niederländern fehlte es an Tempo, an Ideen, um das Bollwerk zu knacken. Dies besorgte unmittelbar nach der Pause ein Däne selbst.

Nach einer Flanke von van Persie wollte Simon Poulsen vor dem heranstürmenden Kuyt klären, der Ball tropfte jedoch von seiner Stirn an den Rücken von Daniel Agger und von da an Torwart Thomas Sörensen vorbei ins Netz. Trotz der Führung blieben die Niederländer gehemmt. Lediglich der eingewechselte Eljero Elia sorgte für Angriffswirbel. Der Hamburger war es auch, der Kuyts Treffer vorbereitete.

Im Gegensatz zu ihrem Team zeigten sich die Fans der „Elftal“ einfallsreich. Ihnen gelang es, Mitte der ersten Hälfte den Großteil der 83.465 Stadionbesucher – unter ihnen die Fußballidole Johan Cruyff, Zinedine Zidane und Michel Platini – zu einer „La Ola“ zu animieren und die Vuvuzelas zur Seite zu legen.

sid/jr