Hans-Jörg Butt (34) hätte das gar nicht betonen müssen, es hätte ihm sowieso keiner unterstellt. „Ich will mich nicht in den Vordergrund drängeln“, sagt er. Und dass er lieber über den FC Bayern redet und nicht so gern über sich, weil er sich „als Teamplayer“ sieht. Also sagt er „wir“ und doziert über die Meisterschaftschancen seiner Münchner. Dass er überzeugt sei vom Titelgewinn – trotz der drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Wolfsburg. „Wir haben die beste Mannschaft mit der größten Erfahrung“, befindet Butt und wähnt die Seinen auch psychologisch im Vorteil.
Butt sagt das in ruhigen, klaren Sätzen, mit fast schon monotoner Klangfärbung. Die einen nennen seine Art norddeutsch reserviert mit einem Hauch Langeweile, die anderen attestieren ihm ein angenehm unaufgeregtes Wesen im mitunter recht hektischen Profigeschäft. Das alles ist ein Stück vom Torhüter Hans-Jörg Butt, dem Oldenburger, der seit Juli im Dienst des FC Bayern steht.
Am Samstag gegen Schalke 04 absolviert er sein sechstes Pflichtspiel für die Münchner. Der Mann mit der 22 auf dem Trikot ist die neue Nummer eins im Tor des Rekordmeisters. Und er ist Bestandteil der spannendsten Personalrochade in der Trainerära Jürgen Klinsmann. Vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Barcelona degradierte Klinsmann die Nummer eins, Michael Rensing, und berief Butt zum neuen Stammtorhüter. Beim 0:4 habe jener als einziger Gegenwehr geleistet, befand er im Anschluss. Und dass sich bis zum Saisonende an der Torhüterkonstellation nichts ändern werde. In Butt hatte Klinsmann ein Mehr an Erfahrung, Ausstrahlung und Gelassenheit ausgemacht. „Jörg ist Michael qualitativ einen Tick voraus.“ Butt sagt: „Es geht nicht um mich oder um Michael, nur um den Verein.“ Und dass sein Verhältnis zu Rensing auch nach dem Rollentausch „sehr gut ist“.
Wer über Butt spricht, muss auch über Rensing reden. Über den 24-Jährigen, den sie in München zu Oliver Kahns Nachfolger aufbauen wollten und dem sie Butt als Mentor zur Seite stellten.
Von Rensings Status als „ganz klare Nummer eins“ hatte Klinsmann bei seinem Dienstantritt im vergangenen Juli gesprochen: „Wir werden ihm Zeit und alle Rückendeckung geben, auch international ein herausragender Torhüter zu werden.“ Was folgte, war eine Saison mit bereits 36 Bundesliga-Gegentoren, auch wenn Rensings Fehlerquote in der Rückrunde sichtlich abnahm. Die Rhetorik des Trainers jedenfalls hat sich geändert. Rensings Entwicklung müsse in der entscheidenden Phase der Saison zurückstecken, sagt Klinsmann jetzt. Wohl auch, weil es um seinen Verbleib in München geht, der nur über den Meistertitel führt. Und jenes Unterfangen traut Klinsmann eher Butt zu, dem Routinier.
Die letzten beiden Bundesligaspiele gegen Frankfurt und in Bielefeld haben die Bayern zu Null gespielt. „Bayerns neuer Ruhepool: Butt-Butt-Buddha“, schlagzeilte der Münchner Boulevard über die neue Nummer eins, deren spektakulärste Aktionen in der Vergangenheit seine Elfmeterkünste waren. Er hat einige gehalten und noch mehr erzielt, 26 Bundesligatore stehen bei ihm zu Buche. Großes Aufheben will er darum nicht machen. „Mir ist es wichtig, dass meine Torwartleistung anerkannt wird“, sagt er.
Butt gewann noch keinen Titel
„Jörg führt die Jungs da hinten, er ist ein Leader“, sagt Klinsmann. Führungsqualitäten hatte er ihm schon vorher bescheinigt. „Man muss nicht spielen, um Verantwortung zu übernehmen“, sagt auch Butt und spricht von seinen Erfahrungen der vergangenen Jahre, von den 326 Bundesligaspielen, von seinen Partien für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Ein Titel blieb ihm bislang verwehrt. Vor seinen größten Erfolgen steht ein „Vize“. Es war das Jahr 2002, mit Leverkusen scheiterte er im Champions-League-Finale an Real Madrid (1:2) und im DFB-Pokalendspiel an Schalke 04 (2:4), Leverkusen wurde Zweiter in der Meisterschaft und Deutschland mit Ersatzmann Butt Zweiter bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Als Butt im vergangenen Sommer nach einer Saison bei Benfica Lissabon für zwei Jahre in München unterschrieb, sagte er: „Letztlich bin ich auch zum FC Bayern gekommen, um Titel zu gewinnen.“
Ende Mai wird Butt 35. Über die kommende Saison spricht er nur vage, und mit all den Spekulationen über mögliche Zugänge auch auf seiner Position beschäftigt er sich nicht. „Aber natürlich kann ich mir vorstellen, weiterhin die Nummer eins zu sein“, sagt er.
Butt kennt jene Fußballweisheit von Linksaußen und Torhütern, die ein wenig anders sein sollen als ihre Teamkollegen. Butt sagt, „Ich habe keine Macken.“





