Morgenpost Online : Herr Buchwald, wie haben Sie von der Entlassung Klinsmanns erfahren?
Guido Buchwald : Ich bin von einem Freund angerufen worden. Die Entlassung fünf Spieltage vor dem Saisonende hat mich sehr überrascht. Zumal sich nach der Niederlage des Tabellenführers VfL Wolfsburg in Cottbus ja an der Tabellensituation nichts geändert hat. Ich war und bin weiter der Überzeugung, dass die Bayern es noch packen können, Meister zu werden.
Morgenpost Online : Woran ist Klinsmann gescheitert?
Buchwald : Beim FC Bayern zählen nur Titel, und diese Maßgabe war in Gefahr. Die Erwartungen waren sehr hoch, obwohl die Mannschaft nach dem Karriereende von Oliver Kahn in dieser Saison personell schlechter aufgestellt war. Problematisch war auch der Druck von außen. Der entsteht bei den Bayern schnell, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Die beiden deftigen Niederlagen gegen Wolfsburg und Barcelona waren da natürlich nicht hilfreich.
Morgenpost Online : War Klinsmanns Konzept zu extrem für den FC Bayern?
Buchwald : Wenn man zum erfolgreichsten Klub Deutschlands kommt und dort alles umkrempeln will, müssen die Ergebnisse schnell stimmen. Der FC Bayern ist schließlich der vielleicht bestgeführte Verein Europas.
Morgenpost Online : Die deutsche Nationalmannschaft führte Klinsmann 2006 bei der Weltmeisterschaft zum „Sommermärchen“. Was ist der Unterschied zum Verein?
Buchwald : Der gravierende Unterschied war, dass die Nationalmannschaft am Boden lag, als Jürgen kam. Die Erwartungshaltung dort war nicht besonders hoch. Klinsmann hat sie wieder erfolgreich gemacht. Bayern München war bereits oben, als er dort angefangen hat.
Morgenpost Online : War das „Experiment Klinsmann“ zu gewagt für einen renommierten Klub wie Bayern München?
Buchwald : Nein, ich denke, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß genau wussten, was sie taten. Die Münchner mussten neue Wege gehen, um im internationalen Bereich ganz nach oben zu kommen. Da mussten andere Wege beschritten werden, weil der FC Bayern einfach nicht über so viel Geld verfügte wie zum Beispiel der FC Chelsea oder der FC Barcelona. Deshalb wollten die Verantwortlichen versuchen, die Distanz zur Spitze mit moderneren Ansätzen wettzumachen.
Morgenpost Online : Der Ansatz ist gescheitert.
Buchwald : Das würde ich so nicht sagen. Natürlich ist es für einen Trainer erst mal eine Niederlage, wenn er beurlaubt wird. Aber er hat Dinge auf den Weg gebracht, die nun weitergeführt werden. Sein Nachfolger wird davon profitieren. Es waren ja alle begeistert von den Neuerungen, die er beispielsweise auf dem Trainingsgelände eingeführt hat. Da findet der neue Trainer nun Arbeitsbedingungen vor, die einmalig in Europa sind. Deshalb ist Klinsmann für mich nicht gescheitert.
Morgenpost Online : Sie kennen Ihn auch persönlich. Wie wird er mit der Entlassung umgehen?
Buchwald : Ich weiß, er wird erst mal sehr enttäuscht sein und ein paar Tage seine Ruhe brauchen. Aber danach wird er analysieren, woran es gelegen hat, dass er nicht so erfolgreich war, wie er es sich vorgenommen hatte. Er wird überlegen, was er nicht bedacht hat und woran es lag. Wie nach der Weltmeisterschaft 2006 wird er alles genau aufarbeiten.
Morgenpost Online : Werden Sie Kontakt zu ihm aufnehmen?
Buchwald : Ich habe bereits versucht, ihn anzurufen, aber sein Telefon ist aus. Ich werde es weiter probieren.
Morgenpost Online : Werden wir Klinsmann noch einmal als Trainer in der Bundesliga sehen?
Buchwald : Davon gehe ich aus.
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