Fussball-Bundesliga

Metzelder kommt – Magath baut das neue Schalke

Mit der Verpflichtung von Christoph Metzelder kam Schalke einigen Konkurrenten zuvor. Für Magath ist der Transfer erst der Auftakt.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Der Triumph war gerade einmal zwei Tage her und bei manchem Fan der Alkoholkater nach der Siegesfeier noch nicht ganz verarbeitet, da steigert ein Transfer die Euphorie beim FC Schalke 04 erneut. 48 Stunden, nachdem Trainer Felix Magath mit seiner Mannschaft im Berliner Olympiastadion durch einen späten Treffer 1:0 bei Hertha BSC gewonnen und damit den Einzug in die Champions League gesichert hatte, kehrte er am Montag in die Hauptstadt zurück – allerdings diesmal inkognito.

Im Büro eines Anwalts am Kurfürstendamm traf er sich mit Christoph Metzelder (29) und unterzeichnete mit ihm einen Vertrag, der den Abwehrspieler für die nächsten drei Jahre an Schalke bindet. Bis mindestens 2013 soll der ehemalige deutsche Nationalspieler helfen, den Aufschwung beim Gelsenkirchener Traditionsverein zu manifestieren.

Obwohl er zuletzt sportlich in der Versenkung verschwunden war, hat sein Namen nicht nur dank 47 absolvierter Länderspiele einen guten Klang. Immerhin kommt Metzelder von Real Madrid zurück in die Bundesliga. Und da sein Vertrag beim spanischen Rekordmeister ausläuft, musste Magath nicht einmal die anstehenden Champions-League-Einnahmen anrühren, um den Wechsel zu realisieren.

Wer allerdings vermutet, Magath sei aufgrund der Qualifikation für die Königsklasse in Aktionismus verfallen, wird vom Schalker Trainer umgehend eines Besseren belehrt. Bereits im Winter 2008/09 hatte sich der 56-Jährige in einen Zug gesetzt und war von Jerez de la Frontera, wo er mit dem VfL Wolfsburg ein Trainingslager abhielt, ins 600 Kilometer entfernte Madrid gefahren, um sich mit Metzelder zu treffen. Dasselbe geschah vor einem halben Jahr, als Schalke sich in Chiclana auf die Rückrunde vorbereitete.

„Christoph und ich hatten immer einen guten Draht zueinander, darum freue ich mich sehr, dass der Wechsel nun klappt“, sagte Magath Morgenpost Online. Für ihn sei der 29-Jährige nicht nur ein guter Verteidiger, sondern jemand, der „auch mal über den Tellerrand hinausschaut. Er hat mich als Typ überzeugt“.

Doch macht es Sinn, einen Spieler zu holen, der in den vergangenen Jahren mehr durch Verletzungen als durch Leistung auffiel? Die Zeit bei Real Madrid wird Metzelder jedenfalls als verlorene Jahre abhaken müssen. Auf 23 Einsätze in der Primera Division kam er, dazu absolvierte er vier Spiele in der Champions League. Vor allem eine hartnäckige Fußsohlenentzündung hinderte ihn immer wieder an der Berufsausübung. Entsprechend gelassen wurde der Wechsel am Dienstag in der spanischen Presse verkündet, mehr als eine Meldung war er den Zeitungen dort nicht wert.

Magath lässt sich von der Vergangenheit seines Neuen nicht verunsichern: „Ein gewisses Risiko ist immer dabei, aber bei Metzelder bin ich gern bereit, es einzugehen. Ich habe mit meinem Trainerstab gesprochen, und wir sind uns einig, dass wir ihn fit bekommen werden“, sagt Magath schmunzelnd. Mit seiner Blitzaktion kam er einer Reihe von Konkurrenten zuvor. So wurde in der vergangenen Woche über Metzelders Wechsel zum VfL Wolfsburg spekuliert, was Manager Dieter Hoeneß allerdings energisch dementierte. „Er hatte eine Reihe von Angeboten“, sagt Magath nur.

Für ihn ist der Transfer der Auftakt zu umfangreichen Umbaumaßnahmen im Schalker Kader. Wie bereits zuvor in Wolfsburg wird es sich Magath nicht nehmen lassen, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Er musste sich in seiner ersten Saison beim finanziell klammen Klub noch beschränken und konnte nur sieben Zugänge holen; zu Wolfsburger Zeiten kam er im ersten Jahr auf 18 Neue.

Vor allem soll Metzelder perspektivisch Abwehrchef Marcelo Bordon ersetzen. Der 34-Jährige wird den Verein nach Ablauf seines Vertrages 2011 wohl verlassen. „Er hat ja schon angedeutet, dass seine Frau zurück nach Brasilien möchte“, sagt Magath.

Kommt Misimovic aus Wolfsburg?

Weitere Spieler werden kommen und gehen. So soll Wolfsburgs Spielgestalter Zvjezdan Misimovic ein Angebot der Schalker vorliegen. Ursprünglich war der Bosnier wegen seines Vertrages bis 2013 unbezahlbar, doch nun kann Magath mit rund 20 Millionen Euro Einnahmen aus der Champions League planen. Davon sollen erst einmal die Finanzlöcher gestopft werden, doch Magath kündigt bereits an, anschließend „mal nachzusehen, wie viel noch in der Kasse verblieben ist“. Schließlich seien für die Konkurrenzfähigkeit seiner Mannschaft in der Champions League weitere Verstärkungen nötig. Es werde allerdings „nicht wahllos“ eingekauft werden. Bei Spielern wie Gerald Asamoah, Ze Roberto II und Vicente Sanchez hingegen wird Magath die Kosten-Nutzen-Relation errechnen und vermutlich die Trennung veranlassen.

Bleibt nur ein Problem: Wie vermittelt er den Fans Metzelders Verpflichtung? Schließlich spielte der bis 2007 beim Erzrivalen Borussia Dortmund und vertrieb 2007, nachdem der BVB den Schalkern am vorletzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg die Meisterschaft vermasselt hatte, über seine Homepage T-Shirts mit dem Aufdruck „Meister der Herzensbrecher“, eine Anspielung auf den Titel „Meister der Herzen“. Schalkes pfiffige Medienabteilung wies gestern vorsorglich in einer Pressemitteilung darauf hin, dass Metzelder 1995/1996 der Schalker B-Jugend angehörte. Ob sein Kommen deshalb als Heimkehr eines verlorenen Sohnes durchgeht, muss sich zeigen.