Beachvolleyball-EM

Berlinerinnen sind heißt auf Heimspiel im Sand

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Theo Breiding

Foto: dpa

Sara Goller und Laura Ludwig aus Berlin wollen die Heim-EM zu goldenen Beachvolleyball-Festspielen werden lassen. Im "Sandkasten" an der O2 World schlagen ab heute zehn deutsche Duos im Kampf um den Titel auf, die Top-Favoriten haben dabei ein echtes Heimspiel.

Der Sand aus dem sächsischen Hartmannsdorf bei Chemnitz ist herbei geschafft, die Tribüne mit ihren 4100 Sitzplätzen neben der O2 World und direkt gegenüber der East Side Gallery errichtet. Die große Bühne für die Europameisterschaften in Berlin, die an diesem Mittwoch beginnen und bis zu den Finals am Sonntag dauern, ist bereit. Vor allem bereit für Berlins Sara Goller (26) und Laura Ludwig (24), die schon 2008 in Hamburg den Titel gewannen und in den Jahren zuvor und danach jeweils im Finale standen – und dieses Mal spielen sie ja zu Hause.

„Es gibt in unserem Sport schon einen Heimvorteil“, sagt Sara Goller, die mit ihrer Partnerin seit Anfang Januar schon in Neuseeland, Brasilien, China, Korea und in fünf europäischen Ländern startete. „Vor zwei Wochen haben wir in Klagenfurt gespielt, und da haben die Österreicher mächtig aufgedreht. So wird es jetzt auch in Berlin sein. Jedes Mal, wenn wir hier spielen, spüren wir schon den Rückenwind.“

An Nummer eins gesetzt

Die beiden Blondinen, die für Hertha BSC starten und sich den Markennamen GollerPlusLudwig gegeben haben, sind derzeit auf Platz fünf der Weltrangliste und in diesem Turnier an Nummer eins gesetzt. „Wir wollen uns hier in Berlin den Titel wieder zurückholen“, sagt Laura Ludwig. „Wir sind fit, hatten in letzter Zeit keine größeren Verletzungen und gehen heiß in dieses Turnier.“ Trotzdem sei es natürlich eine lange Saison gewesen, ergänzt Goller. „Und wenn man in all den Ländern spielt, freut man sich natürlich schon, nach Hause zu kommen.“

Aus GollerPlusLudwig ist seit 2004, als sich beide entschlossen, gemeinsam ihr Glück als Profis zu versuchen, ein mittelständischer Betrieb geworden. Die Mannschaft im Hintergrund ist weit größer als das auf den sandigen Feldern dieser Welt. Der Neuseeländer Craig Seuseu führt ein dreiköpfiges Trainer-Team an, der legendäre deutsche Coach Olaf Kortmann, der einstmals den Berliner SCC zu Meisterschaft (1993) und Pokalsieg (1994) führte, ist sportlicher Berater. Roland Weissbarth ist Manager, Wolfgang Feil Nährstoffberater. „Unser Coach Craig Seuseu reist die ganze Zeit mit uns, ihn sehen wir täglich, er hält auch zumeist den Kontakt zu unserem Athletiktrainer in Hamburg“, erklärt Sara Goller. „Mit unserem Ernährungsberater und mit dem Management sind wir immer telefonisch und per E-Mail in Verbindung.“ Kortmann sei ja bereits sieben Jahre an der Seite der Sportlerinnen: „Er ist mittlerweile unser Mentalcoach und wir vertrauen ihm voll. Er war bislang vielleicht bei drei, vier Turnieren in dieser Saison dabei, ansonsten telefonieren wir mit ihm sehr oft.“

Den Vorgaben des Ernährungsberaters in Ländern zu folgen, in denen man weder Etiketten noch Speisekarten lesen kann, ist allerdings nicht immer ganz einfach. „Na, in China gibt es doch immer Bildchen, auf die man dann zeigen kann, was aber noch lange nicht heißt, dass das, was man dann bekommt, auch so aussieht wie auf dem Bild“, erzählt Sara Goller. Es ginge ohnehin eher darum, zu wissen, wie es grundsätzlich sein soll, erklärt Laura Ludwig weiter: „Das heißt nicht, dass wir nicht mal ein Stück Schokolade oder ein Eis essen. Wir geißeln uns nicht, müssen uns nur ausgewogen ernähren. In China ist das manchmal ein wenig schwierig, und in vielen Ländern gibt es nur Weißbrot. Aber wir haben ja auch immer Nahrungsergänzungsmittel dabei, die unser Ernährungsberater herstellt und die wir zu uns nehmen, um die Speicher immer voll zu haben.“

Jonathan Erdmann fällt aus

Mit vollen Speichern und gut in Form in der eigenen Stadt auf Titeljagd zu gehen – genau das hatten sich auch Jonathan Erdmann und Kay Matysik vom VC Olympia vorgenommen. Daraus wird jetzt allerdings nichts. Erdmann musste Anfang dieser Woche wegen Bandscheibenproblemen die Saison beenden. Matysik wird jetzt mit Alexander Walkenhorst aus Wuppertal antreten. „Schade, Jonathan und ich hatten uns hier in Berlin etwas ausgerechnet“, sagt Matysik. „Jetzt hoffe ich, dass Alexander und ich uns schnell finden.“ Gerade noch rechtzeitig fit wurden die Weltmeister Julius Brink und Jonas Reckermann. Wegen ihrer im Juni erlittenen Knieverletzungen mussten sie sieben Wochen pausieren, meldeten sich aber am zuletzt beim Welttour-Turnier in Polen mit Platz zwei eindrucksvoll zurück.