Das Schönste an den Auslosungen zu bedeutenden Fußballturnieren sind nur auf den ersten Blick die blonden Glücksfeen wie Heidi Klum oder, jetzt in Kapstadt, Charlize Theron. Das Schönste sind die so genannten Hammer- oder Todesgruppen, in die eine deutsche Elf auf wundersame Weise nie hineingerät.
Bei der WM 2010 in Südafrika wird in der Vorrundenstaffel G garantiert mindestens ein Favorit auf der Strecke bleiben: Rekordweltmeister Brasilien, Portugal mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo oder die Elfenbeinküste mit Superstar Didier Drogba.
Der Außenseiter Nordkorea dürfte, um im Bild der Todesgruppe zu bleiben, nur die Rolle des Schlachtopfers geben - wenn er nicht, wie bei seiner bisher einzigen WM-Teilnahme 1966, sensationell über sich hinauswächst. Damals in England überstanden die Nordkoreaner die Vorrunde durch ein 1:0 gegen Italien, das als peinlichste Niederlage der Squadra Azzurra in die Geschichte einging.
Obwohl der amtierende Weltmeister seither weiß, dass man mit dem Schlimmsten rechnen muss, kann er von allen 32 Mannschaften am entspanntesten zur WM fahren. Italien trifft in der Gruppe F auf Paraguay, Neuseeland und die Slowakei. Das ist das Losglück, das Deutschland stets hold war. Diesmal allerdings hat es die DFB-Auswahl mit Australien, Serbien und Ghana in der Gruppe D überraschend hart getroffen.
Erstens: Das Spiel gegen Australien am 13. Juni in Durban ist kein Selbstläufer für einen quasi garantierten Auftaktsieg wie zuletzt bei den erfolgreichen Weltmeisterschaften 2006 (Costa Rica, 4:2) und 2002 (Saudi-Arabien, 8:0).
Die Australier setzten sich in der Asien-Qualifikation als Erster durch. Ihr niederländischer Trainer Pim Verbeek, ehemaliger Assistent Dick Advocaats, hat an die erfolgreiche Arbeit seines Landsmann Gus Hiddink angeknüpft, unter dem die Socceroos bei der WM in Deutschland aufgrund eines unberechtigten Foulelfmeters in der fünften Minute der Nachspielzeit im Achtelfinale sehr unglücklich gegen den späteren Weltmeister Italien 0:1 ausschieden.
Gelingt der Elf von Bundestrainer Joachim Löw gegen die defensiv kompakten Australier, den vermeintlich schwächsten Gruppengegner, kein Sieg, wächst der Druck gewaltig.
Zweitens: Mit Serbien erwischte Deutschland den vielleicht stärksten möglichen europäischen Gegner. Die Serben gewannen ihre Qualifikationsgruppe souverän vor Frankreich und ähneln aufgrund ihrer technischen Versiertheit und heißblütigen Spielweise Deutschlands Angstgegner Kroatien, gegen den es zuletzt in der Vorrunde der EM 2008 eine 1:2-Niederlage setzte.
Mit Nemanja Vidic von Champions-League-Gewinner Manchester United organisiert einer der weltbesten Abwehrspieler die Defensive der Elf von Trainer Radomir Antic. Serbiens in der Bundesliga aktive Talente wie Neven Subotic (Dortmund), Gojko Kacar (Berlin) oder Zdravko Kuzmanovic (Stuttgart) werden am 18. Juni in Port Elisabeth gegen die deutsche Mannschaft besonders motiviert sein.
Drittens: Mit einem Serben bekommt es Deutschland auch im finalen Gruppenspiel am 23. Juni in Johannesburg zu tun, das zu einer Zitterpartie werden könnte. Milovan Rajevac ist Trainer der schwer berechenbaren Nationalelf Ghanas, die bei der WM in Deutschland die damals hoch eingeschätzten Tschechen hinter sich ließ und als einzige Mannschaft Afrikas die Vorrunde überstand.
Bei der ersten WM auf dem schwarzen Kontinent wollen die Ghanaer den Heimvorteil nutzen und mindestens das Viertelfinale erreichen, was bislang aus Afrika nur Kamerun (1990) und Senegal (2002) gelungen ist. Dominanter Spielführer ist Michael Essien, Michael Ballacks Klubkollege beim FC Chelsea. Auch an Talenten mangelt es Ghana nicht: Die U20 gewann dieses Jahr den WM-Titel.
Auf einer Skala von 1 (leicht) bis 5 (hammerhart) stuft DFB-Teammanager Oliver Bierhoff den Schwierigkeitsgrad der deutschen Gruppe sehr realistisch zwischen 3 und 4 ein. Sollte sich die deutsche Elf als Gruppenerster oder -zweiter für das Achtelfinale qualifizieren, kommt ihr Gegner aus der Gruppe C. Möglicherweise England. Das wäre ein echter Hammer, aber nicht unbedingt der Tod.
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