Tennis

Keine Hoffnung mehr für Frauen-Turnier in Berlin

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Jörg Winterfeldt

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Ein letzter verzweifelter Versuch des Ausrichters der German Open war erfolglos: In Berlin wird es Zukunft definitiv kein hochklassiges Tennis mehr geben. Da Ende April in Stuttgart ohnehin noch ein Frauen-Turnier stattfindet, wähnt die WTA-Tour Deutschland auch in Zukunft ausreichend versorgt.

Die Manager der Women’s Tennis Association (WTA) mit Sitz in St. Petersburg, Florida, kaschieren ihre Betrachtung der German Open nicht lange: Das Berliner Turnier mit seiner Tradition und seinem Steffi-Graf-Centrecourt gilt als unrentable Franchise und abgewickelt. „Die WTA-Tour wird die Mitgliedschaft aus dem Verkehr ziehen und die Veranstaltung in seinem Kalender ersetzen“, teilte Andrew Walker, Vizepräsident der WTA und rechte Hand ihres Präsidenten Larry Scott mit: „Wir haben mit dem Deutschen Tennis Bund gesprochen, und wir wissen, dass er nicht in der Position ist, das Turnier in Berlin als Eigentümer durchzuführen. Wir sind in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Veranstaltern aus anderen Städten.“

Auch der letzten verzweifelten Initiative des Berliner Klubs LTTC Rot-Weiß, auf dessen Anlage das Turnier stattfand, erteilt die WTA Tour eine Absage. LTTC-Präsident Josef Minderjahn hatte die Tour in einem Brief gebeten, „dass die WTA die German Open in Berlin in diesem Jahr selbst ausrichtet“. Doch WTA-Mann Walker macht klar, dass „die Tour sich nicht im Geschäftsfeld der Turnierdurchführung bewegt: Das wird individuellen Veranstaltern überlassen.“

Da in Stuttgart Ende April ohnehin noch das Frauenturnier der Firma Porsche stattfindet, wähnt die WTA die Republik ausreichend versorgt. „Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für Frauentennis, und die Tour wird weiterhin eine erstklassige Veranstaltung in Stuttgart haben“, lässt Walker wissen, „wir würden begrüßen, sollten in Zukunft Interesse und die Möglichkeit bestehen, ein weiteres Turnier in Deutschland durchzuführen.“

Keine Sanktionen gegenüber Katar

Obwohl Walker einräumt, dass der Tennisverband von Katar erst „vor sehr kurzer Zeit“ sein Desinteresse an einer weiteren Durchführung der German Open signalisiert habe („die Tour ist grundsätzlich bereit, Mitgliedschaften zu einem Fixpreis zurückzuerwerben“), erwägen die Frauentennisbosse offensichtlich keine Sanktionen gegenüber den Katarern: „Ihnen gehörte das Turnier, und sie hatten das Recht, es zu verkaufen, was sie an die WTA getan haben.“

Schließlich werben die WTA-Manager mit den Rekordinvestitionen von 84 Millionen Dollar, die ihre Jahresend-Meisterschaften in Doha (2008-2010) und Istanbul (2011-2013) der WTA bescheren. Bei den gut 50 Turnieren, die sie weltumspannend in ein Jahr pressen, konnten sie mit kühlem Management die Preisgelder in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent auf derzeit über 86 Millionen Dollar hochjagen. Zum Preis, den seine Organisation für die Beerdigung der German Open gezahlt hat, macht der Amerikaner Walker keine Angaben: „Es zählt zu unseren Geschäftspraktiken, den Wert von Mitgliedschaften nicht zu kommentieren.“