Morgenpost Online: Die Goc-Brüder könnten sogar zu dritt hier sein, in Hannover spielt auch Sascha (31), der als bester deutscher Abwehrspieler der DEL gilt. Bedauern Sie, dass er aus dem Nationalteam zurückgetreten ist?
Marcel Goc (26): Sicher, aber seine Entscheidung liegt aber schon ein paar Jahre zurück. Wir sind ihm auf keinen Fall böse.
Nikolai Goc (23): Drei Brüder bei einer WM in einer Mannschaft hat es, glaube ich, noch nie gegeben. Mit seinen kaputten Knie ist er aber immer froh, wenn er sich schonen kann, während die Nationalmannschaft spielt.
Morgenpost Online: Staunen Sie, Marcel, dass Nikolai den Sprung in den WM-Kader geschafft hat?
Marcel Goc: Eher nicht, er war ja vergangenes Jahr schon dabei, wurde aber nur nach der Gruppenphase eingesetzt. Wie ich vom Sascha gehört habe, hatte Niki ein gutes Jahr.
Nikolai Goc: Der Meistertitel wäre schon ein schöner Saisonabschluss gewesen. So ist es nun doppelt gut.
Morgenpost Online: Dreifach sogar, wenn man die Familienzusammenführung als weiteren Aspekt nimmt.
Nikolai Goc: Einen Bruder dabei zu haben, macht schon etwas aus. Man spricht mehr mit ihm, als mit anderen. Über Fehler zu reden etwa ist mit dem Bruder leichter als mit normalen Kollegen.
Morgenpost Online: In diesem Fall ist sogar der Weg zum Kapitän deutlich kürzer.
Nikolai Goc: Ja, auch.
Marcel Goc: Es passiert einfach nicht so oft, dass man mit seinem Bruder zusammen eine WM spielt. Bei Sascha und mir war es nur auch einmal, in Finnland 2003.
Morgenpost Online: Waren Sie darauf vorbereitet, Marcel, zum Kapitän ernannt zu werden?
Marcel Goc: Erwartet hatte ich es nicht, weil ich so spät zur Mannschaft gekommen bin. Es macht mich natürlich stolz.
Morgenpost Online: In der NHL haben Sie endlich den richtigen Durchbruch geschafft.
Marcel Goc: Ich bin in Nashville ein wichtiger Spieler geworden. Dort konnte ich zeigen, dass mehr in mir steckt, als man vorher in San Jose gedacht hat. Es war da teilweise frustrierend, weil ich nicht die Chance hatte, über die vierte Reihe hinauszukommen.
Morgenpost Online: Wie haben Sie das in Hannover verfolgt?
Nikolai Goc: Wir telefonieren regelmäßig, informieren uns im Internet über die Spiele. Der Wechsel war das Beste, was er machen konnte. Jetzt steht er in der ersten und zweite Reihe.
Morgenpost Online: Nikolai, Sie sind der einzige Bruder, der noch kein NHL-Spiel hat. Wie lässt sich das mit der Familienehre vereinbaren?
Nikolai: Das ist schon ein Thema bei uns. Ich würde mich freuen, wenn mich jetzt bei der WM irgendein Scout sehen würde. Ins Nationalteam habe ich es ja erst mal geschafft. Vor drei, vier Jahren hätte ich das nie gedacht.
Morgenpost Online: Wegen Ihres Mopedunfalls vor vielen Jahren?
Nikolai Goc: Richtig. Dabei habe ich mir mit 16 Jahren im rechten Knie das hintere Kreuzband gerissen, das Innen- und Außenband angerissen und das vordere Kreuzband gedehnt. Dadurch konnte ich ein Jahr gar nichts machen, ein Jahr dauerte es, bis ich wieder so gut war wie vorher.
Marcel Goc: Durch seine Verletzung hat er viel Zeit verloren. Dass er sich überhaupt zurückgekämpft hat, ist schon toll.
Morgenpost Online: Ist die NHL-Chance noch da, Marcel?
Marcel Goc: Nikolai war der talentierteste, kompletteste Spieler von uns. Er hat die Statur von Sascha, beide sind ein bisschen robuster, er läuft einwandfrei Schlittschuh, ist sehr beweglich auf dem Eis - trotzdem er etwas breiter ist. Er kann mit jedem in die Ecken fahren. Da macht ihm so schnell keiner war vor.
Morgenpost Online: Welchen Anteil haben die Brüder daran, dass Sie den Weg zurück zum Erfolg gefunden haben, Nikolai?
Nikolai Goc: Es war nicht klar, ob ich je wieder auf Schlittschuhen würde stehen können. Da haben mich beide immer wieder aufgebaut und mit viel geholfen. Als es wieder einigermaßen ging, haben wir gemeinsam trainiert. Sascha war vor allem da, als ich ab und zu nach Bremerhaven in die Zweite Liga geschickt worden bin und sagte mir immer, dass ich nicht aufgeben soll.
Morgenpost Online: Wie muss man sich das gemeinsame Training vorstellen?
Marcel Goc: Wir verbringen den Sommer zusammen und richten uns alle nach dem Plan, den ich von meiner Mannschaft in Amerika erhalte.
Morgenpost Online: Können die beiden DEL-Spieler da mithalten?
Nikolai Goc: Wir kommen alle gut mit. Aber beim Laufen ist Marcel etwas besser. Dafür fährt Sascha viel Fahrrad, der hat riesige Oberschenkel. Wenn der reintritt, ist er weg.
Marcel Goc: Und ich bin beim Krafttraining hinterher.
Morgenpost Online: Heute startet die WM mit dem Spiel auf Schalke, es wird kein alltägliches Erlebnis.
Marcel Goc: Wir müssen unsere Emotionen unter Kontrolle halten und dürfen uns durch die Kulisse nicht zu Übereifer verleiten lassen. Sonst arbeitet man zwar hart und viel, aber im falschen Moment.





