Tennis

Am Pokertisch mit Boris Becker

Das Pokern erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Am Dienstag spielt ein Student im Finale der Turnierserie „Boris is back" in Dortmund gegen den früheren Tennisstar. "Seine Chancen stehen eins zu neun – mehr nicht", sagt Philipp Luhmann aus Dresden.

Foto: AP

Er rechnet sich gute Chancen gegen Boris Becker aus. „Seine Chancen stehen eins zu neun – mehr nicht“, sagt Philipp Luhmann, ein Dresdner Student, der am Dienstag gegen den ehemaligen Tennisprofi aus Leimen spielt. Und dabei werden dem dreimaligen Wimbledongewinner und früheren Weltranglistenersten sein brachialer Aufschlag, die fulminante Vorhand und der so genannte Becker-Hecht von einst nicht helfen. Denn der ehemalige Sportstar hat sein Tagewerk sitzend zu verrichten: Beim Finale der Poker-Turnierserie „Boris is back“ muss der 40-Jährige sein Können am Kartentisch beweisen.

Becker ist das neue Gesicht, die Attraktion von PokerStars.com, einem virtuellem Pokerraum, der mit der „World Championship of Online Poker“ die weltweit größte Internetpoker-Turnierserie organisiert. Bisher lud Boris Beckers Gesicht nur auf Pokerstars.com zum Spiel, nun muss er bei der European Poker Tour in Dortmund zum ersten Mal live gegen Profis sein Können beweisen. Bange ist ihm davor nicht, schließlich hat er als Tennisprofi gern auch mal in den Spielpausen eine Partie Poker gewagt: „Das Pokern hat mir geholfen, meine Konzentration zu verbessern“, sagt der gebürtige Leimener Becker. „Nun will ich meine Fähigkeiten weiter ausbauen, um mich auch hier wieder mit den Besten zu messen.“

Studium hat Vorrang

Bevor er aber den Wettstreit mit Daniel Negreanu und Katja Thater beginnt, zwei internationalen Stars der Szene, darf er in Dortmund zum Aufwärmen gegen acht Gewinner von weniger bedeutenden Onlineturnieren antreten. Darunter auch Philipp Luhmann. Rund 1600 Gegner schaltete der in mehreren Vorrunden aus, bevor er als Belohnung die Startberechtigung für das Liveturnier in Dortmund erhielt.

Er pokere nur nebenbei, erzählt Luhmanns angesichts der Tatsache, dass er ansonsten gerade fleißig für sein Studium des Verkehrsingenieurwesens lernt. Aus gutem Grund. „Meine Eltern haben mich ermahnt, dass das Studium – trotz meiner Pokererfolge – immer Vorrang haben muss“, erklärt der 20-Jährige.

Allerdings habe dem gebürtigen Berliner, je weiter er sich dem Finalturnier nähern konnte, schon reichlich der Kopf geschwirrt. Immerhin sei er bisher nichts weiter als ein „besserer Hobbyspieler“, seine Bilanz sei gerade mal „plus-minus-null“ gewesen. 200 Euro habe er für das Pokern im World Wide Web bisher investiert, mal gewonnen, mal verloren, aber außer der Teilnahme am Finale der Serie „Boris is back“ sei ihm noch kein überragender Coup geglückt.

Pokern ist in

Das Spiel ist inzwischen durchaus zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. 300.000 Zuschauer verfolgen die Sendungen im DSF im Durchschnitt, mehrere hundert Stunden Poker hat der Sender im Programm. Online-Anbieter wie Full Tilt erfreuen sich stetig wachsender Spielergemeinden.

Auch Martin Kläser fand über Fernsehen und Internet zum Poker. Als er jedoch kürzlich live am Tisch saß, ging es schon um eine Million Euro. Dem 20-Jährigen gegenüber hatte in Howard Lederer einer der weltbesten Pokerspieler Platz genommen, und der kam ziemlich ins Schwitzen gegen den Studenten aus Rheinbach bei Köln. Letztlich fehlte Kläser eine Karte zur Million. „Ich bin aber nicht traurig darüber“, sagt er, „mit 350.000 Euro kommt man ja auch schon ein ganzes Stück.“

Das Geld musste sich der angehende Biologe hart erarbeiten, vielmehr: erspielen. Im September fand die erste Runde des vom Internetanbieter Fulltiltpoker.net und vom DSF organisierten Turnieres statt. Online waren über 40.000 Spieler aktiv. In der zweiten Runde trafen jeweils 2100 Spieler in sechs deutschen Städten aufeinander.

Sieg in Köln

Martin Kläser gewann das Turnier in Köln. „An diesem Tag wollte ich gar nicht aufstehen. Das waren einfach so viele Leute, da gab es nicht viel Hoffnung“, sagt der Student. Er setze sich trotzdem durch und gewann auch die dritte Runde gegen die fünf anderen Turniersieger.

Gerade mal zwei Jahre beschäftigt sich Kläser, der auch in Dortmund antritt, jetzt mit dem Spiel. Mit seinem aggressiven Stil und seinen „bösen Bluffs“ hat er es bei Full Tilt sogar bis zum Profi gebracht. Becker-Gegner Luhmann ist davon noch weit entfernt. „Pokerprofi wäre schon ein fernes Ziel, allerdings genau so fern, als wenn ich sagen würde, dass ich Sänger werden will.“

Bis dahin soll es bestenfalls für Nebenverdienste reichen. Auf die Frage, ob Luhmann Becker lieber dessen Geld, die Pokale oder die Affären beim Pokern abnehmen wolle, entscheidet sich der Student ganz prosaisch für das Monetäre: Mit Pokalen habe er nicht viel am Hut und von den Affären wolle er auch lieber die Finger lassen: „Wir haben ein zu unterschiedliches Beuteschema.“