Interview

"Pokern hat sich radikal verändert"

Chris Ferguson ist in diesem Jahrzehnt der erfolgreichste Turnierspieler der Welt. Und er machte auf der Online-Pokerplattform "Full Tilt Poker" aus null Dollar innerhalb von 16 Monaten 10.000 Dollar. Im Interview mit Morgenpost Online verrät er, was man braucht, um ein Spitzenspieler zu sein.

Foto: braun / Icon_Smi_Shelly_Castellano

Morgenpost Online: Mister Ferguson, was fasziniert Sie am Pokern?

Chris Ferguson: Ich habe immer schon Statistiken geliebt und das Spiel geliebt. Poker ist für mich das mathematischste Spiel. Natürlich musst Du kein Mathe-Ass sein, um in dem Spiel zu bestehen. Aber Du musst sehr gut im logischen Denken sein. Was schon auffällig ist, dass alle Profispieler heute sehr intelligent sind.

Morgenpost Online: Wie würden sich die Leute, die vor 20 Jahre erfolgreich waren, sich heute schlagen?

Ferguson: Es ist auffällig, dass viele alte Spieler nicht mehr mit dem heutigen Spiel mithalten. Das Spiel hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. In den vergangenen drei, vier Jahren ist eine Flut neuer Spieler hinzugekommen. Diese Spieler mögen nicht so gut sein. Aber sie lernen im Internet sehr schnell.


Morgenpost Online ONLINE: Da Sie Interviews geben und Texte verfassen, ist Ihre Strategie bekannt. Ist das ein Nachteil?


Ferguson: Vielleicht, aber ich interessiere mich mehr den Menschen Pokern beizubringen.


Morgenpost Online ONLINE: Im Ernst?


Ferguson: Ja wirklich. Ich habe nie des Geldes wegen gepokert. Anfang der neunziger Jahre habe ich online Hunderte von Stunden um Spielgeld gespielt. Es ging mir immer darum mein Spiel zu verbessern.

Morgenpost Online: Was braucht man, um ein Spitzenspieler zu sein?

Ferguson: Ein professioneller Pokerspieler muss emotional intelligent sein. Er muss die Dinge vorausblickend sehen. Viele Spieler bleiben im Spiel und schätzen sich stärker ein, als sie in Wahrheit sind.

Morgenpost Online: Welche Fehler machen Anfänger?

Ferguson: Anfänger spielen zu häufig mit. Sie überbewerten ihre eigenen Karten und unterschätzen den Wert ihrer Position. Wer früh setzen muss, hat noch sehr viele Spieler hinter sich; der braucht wirklich ein sehr starkes Blatt. Im Großen und Ganzen wissen sie nicht, was sie tun müssen, sie haben kein Konzept.

Morgenpost Online: Wie gehen Sie mit Pechsträhnen um?

Ferguson: Es gibt sie, und es ist sehr schwierig damit umzugehen. Ich spiele nur mit einem geringen Teil meines Vermögens an Turnieren mit, so habe ich nicht so einen hohen Verlust. Aber wenn ich zwei Wochen verliere, habe ich zwei Wochen umsonst gearbeitet.

Morgenpost Online: Aber Sie ändern nicht Ihre Strategien?

Ferguson: Das erste, was Sie während Pechsträhne machen müssen, ist an Tische mit geringeren Einsätzen zu wechseln. Was die meisten Leute machen, ist die Einsätze zu erhöhen, um rasch ihre Verluste auszugleichen. Dass ist aber das Schlechteste, was man tun kann. Und man muss seine Form halten. Auch an Tischen mit niedrigen Einsätzen wird gut gespielt.

Morgenpost Online: Sind Sie abhängig vom Pokern?

Ferguson: Absolut nicht.

Morgenpost Online: Wirklich? Könnten Sie mit dem Spielen ein Jahr aufhören?

Ferguson: Ohne Probleme. Ich wüsste zwar nicht, warum ich das tun sollte, aber natürlich ginge das. Ich pokere vielleicht zehn Stunden in der Woche online und natürlich große Turniere. Während der letzten WSOP; der Pokerweltmeisterschaft, habe ich eineinhalb Monate jeden Tag gepokert, sonst bin ich zurückhaltend. Ich spiele vielleicht zehn größere Turniere im Jahr. Ich verbringe mehr Zeit Pokerspiele zu analysieren als zu tatsächlich spielen


Morgenpost Online ONLINE: Warum wird Pokern eigentlich so von Männern dominiert?


Ferguson: Männer spielen halt ohnehin lieber als Frauen; Frauen sind wahrscheinlich mit wichtigeren Dingen beschäftigt.

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