Nach 31 von 58 Runden führte das Safetycar in der dichten Gischt von Sepang die Wagenkolonne nur im Schneckentempo auf die Start- und Zielgerade und brachte sie endgültig zum Stehen. Heftige Niederschlag hatte das Asphaltband in eine Rutschbahn verwandelt und eine Weiterfahrt unter regulären Bedingungen unmöglich gemacht. Weil es auch eine halbe Stunde später kräftig schüttete und die Dämmerung einsetzte, wurde der beim Abbruch führende Jenson Button als Sieger gewertet. Der deutsche BMW-Pilot Nick Heidfeld und Landsmann Timo Glock im Toyota folgen auf den Rängen zwei und drei. Für etwas mehr als die Hälfte ihrer Arbeit ernteten die Piloten auch nur die Hälfte der Punkte. Weltmeister Lewis Hamilton im Silberpfeil erhielt einen Zähler zugesprochen.
McLaren-Mercedes kämpft derzeit an mehreren Fronten. Teamchef Martin Whitmarsh bietet wegen Hamiltons Falschaussage vor der dem Automobilsport-Weltverband Fia seinen Rücktritt an. „Das habe ich nicht nur selbst in der Hand. Es liegt an den Teilhabern des Teams, sich eine Meinung zu bilden und zu entscheiden, was das Beste ist“, sagte der Brite, der erst vor wenigen Wochen das Erbe von Ron Dennis angetreten hatte. Auch der der Lüge überführte Hamilton erwog laut „Sunday Times“, das Team zu verlassen. Sein Vater und Manager Anthony soll sich mit Präsidenten der Fia, Max Mosley, über solche Konsequenzen unterhalten haben.
Hamilton fühlte sich von seinem Team fehlgeleitet, nachdem er vom inzwischen suspendierten Sportdirektor Dave Ryan zu einer falschen Aussage bei den Rennkommissaren angestiftet worden war. Whitmarsh zweifelt den Bericht der „Times“ allerdings an: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Bericht wahr ist. Ich glaube es nicht.“
Der oberste Regelwächter Mosley forderte in der Affäre einen Bericht der Sportkommissare an. Sollte der Weltverband dann feststellen, dass McLaren-Mercedes dem Ansehen des Sports geschadet hat, sind weitere Sanktionen möglich: Geldstrafe, Punktabzug, schlimmstenfalls droht dem Team sogar der WM-Ausschluss. „Wenn dem Weltrat Bericht erstattet wird, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit eine der Personen sein, die darüber entscheidet, was passiert“, sagte der britische Jurist.
Dass sich der Fia-Präsident nun selbst einschaltet, ist für die Silberpfeile ein böses Omen. Bekanntlich steuern Mosley und McLaren seit Jahren auf Konfrontationskurs. Der Höhepunkt war die Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar gegen den Rennstall in der Spionage-Affäre. Mosley betont jedoch, dass es keine persönliche Fehde gebe. Ihm gehe es nur um die Regeln. „Wir versuchen, sicherzustellen, dass sich jeder so benimmt, wie er es tun sollte“, sagte Mosley.
McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh beteuert, dass er nicht darüber informiert gewesen sei, was Hamilton und Sportdirektor Ryan den Sportkommissaren bei der Anhörung erzählt hätten. Insider vermuten allerdings, dass Whitmarsh als Boss über alles Bescheid gewusst haben muss.
Bitter ist die Situation für Mercedes. Die Stuttgarter waren wie bei der Spionage-Affäre von den Vorgängen überrascht worden. Jetzt ist der Imageschaden für den Konzern nur schwer abzuschätzen. „Es stehen erneut Fragezeichen hinter dem Team und seinen leitenden Mitarbeitern. Dieser neue Lügenskandal wird Auswirkungen auf die Atmosphäre innerhalb der McLaren-Gruppe, den Sponsoren und Mercedes-Benz haben“, glaubt der ehemalige McLaren-Mercedes-Pilot David Coulthard. Sportdirektor Mario Theissen von Konkurrent BMW bekrittelte: „Die ganze Sache ist nicht gut für die Glaubwürdigkeit der Formel 1.“
In dieser verfahrenen Situation passte es ins Bild, dass die Formel 1 beim um drei Stunden auf 17.00 Uhr Ortszeit verlegten Rennen in Malaysia baden ging. Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone hatte wegen der besseren Fernsehzeiten in Europa alle Warnungen in den Wind geschlagen. Jetzt bekam er die Quittung: Durch den Monsun in Malaysia war es zu dunkel, um über die Runden zu kommen. „Es wusste jeder im Fahrerlager, dass es in den Abendstunden regelmäßig regnet“, sagte der finnische Ex-Weltmeister Keke Rosberg. „Wäre früher gestartet worden, wäre das Rennen ohne Regen beendet worden. So hatten wir vielleicht ein paar Zuschauer mehr, aber die dürften ziemlich verärgert gewesen sein.“




