„Das war nur peinlich, ein Riesenfauxpas!“ Und: „Wie kann man nur mit so einem Berater so einen Mist machen?“ Die Experten prügeln ein auf unseren „Schumi“. Den siebenmaligen Champion. Den erfolgreichsten Rennfahrer der Formel 1.

Vorausgegangen war der in der Tat peinliche Patzer bei der Qualifikation in Sepang, der Felipe Massa schon an der Hürde zum zweiten Qualifikationsabschnitt hatte scheitern lassen – aus schlichtem Unvermögen. Welche Rolle spielt dabei Michael Schumacher, den wir in allen beschriebenen Situationen stark gestikulierend am Kommandostand beobachten konnten?

Wer ihn kennt, weiß, dass ihn vermutlich nichts mehr ärgert als Fehler. Umso erstaunlicher, wie locker er nach dem Patzer in der Qualifikation die kritischen Fragen der Kollegen zur Startaufstellung beantwortete. Und wie er sogar eine Mitschuld für den Fehler eingestand, was sofort die Frage aufwarf: Ist er einfach nur ein Teamplayer, oder hat er tatsächlich Einfluss auf die Entscheidungen der Scuderia Ferrari während Qualifikation und Rennen? Wovon wir bislang nicht ausgegangen waren.

Und überhaupt: In seiner aktiven Zeit gehörte das Eingestehen von Fehlern nicht gerade zum Stärkenprofil der motorsportlichen Ausnahmeerscheinung Schumacher.

Jedenfalls scheint das viel zitierte „Grande Casino“, das Chaos, wieder ausgebrochen zu sein, bei den Roten. Und das, obwohl sie doch extra das Aushängeschild Michael Schumacher in seiner nie genau öffentlich definierten Funktion als Berater nach Australien und Malaysia eingeflogen hatten.

Die Null steht, sowohl in der Fahrer- als auch in der Konstrukteurswertung. Nach zwei Rennen findet sich der Mythos Ferrari, der als Mitfavorit und immer noch mit einem beeindruckenden Budget ausgestattete Rennstall im Niemandsland der Formel 1 wieder. Und Michael Schumacher steht in der Kritik – ob berechtigt oder nicht.

Das Image des Mannes, der seinen Sport in Deutschland und der ganzen Welt zu dem Stellenwert geführt hat, den er heute besitzt, hat nicht unbedeutende Kratzer davon getragen nach dem vergangenen Wochenende. Die italienische Presse prügelt mächtig auf ihn ein. „In Maranello gibt es einen Geist. Und der spricht Deutsch. Hat Schumi die Strategie entschieden?“ wetterte die „Gazzetta dello Sport“. Riecht irgendwie nach einer Kampagne.

Dennoch wird Michael Schumacher wohl kaum dem Ruf von Chefpromoter Bernie Ecclestone folgen und wieder ins Auto steigen – obwohl er dort, in seinem Element, Ferrari am ehesten aus der Krise helfen könnte.

Peter Lauterbach (32) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Premiere. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.