Der HSV ist so etwas wie Eintracht Frankfurts Angstgegner. Am 23. Spieltag konnten die Hamburger den Hessen keine Furcht einjagen. Zu schlapp waren sie, und so blieb es am Ende bei einem torlosen Unentschieden.
Was seinen Grund hatte. Zwischen dem Abpfiff des HSV in der Europa League gegen den PSV Eindhoven (1:0) am Donnerstag und dem Anpfiff gegen Frankfurt gestern lagen nur 40 Stunden und 40 Minuten. „Das ist der Fluch der guten Tat. Wir vertreten Deutschland und werden dann mit so einer Ansetzung bestraft“, sagte Hamburgs Trainer Bruno Labbadia. Er plädierte dafür, dass alle am Donnerstag international im Einsatz stehenden Mannschaften erst wieder am Sonntag spielen müssen. „Ansonsten sieht man, was dabei raus kommt. Für uns war es klarer Nachteil“, sagte er.
Denn beim HSV machte sich schon im ersten Spielabschnitt der Kräfteverschleiß bemerkbar. Die Hamburger versuchten zwar im Rahmen ihrer körperlichen Möglichkeiten nach vorn zu spielen. Richtig fruchten aber konnten die Bemühungen nicht. Zudem blieb Frankfurt weitestgehend passiv. Es schien, als lauere das Team darauf, dass beim Gegner die Kräfte nachlassen würden.
Dessen Trainer hatte versucht, den die kürzeste Regenerationsphase in der Geschichte des Klubs mit vitalisierenden Maßnahmen zu füllen. Alle Spieler waren gleich nach der Partie gegen Eindhoven im Hamburger Hotel „Grand Elysee“ zusammengezogen worden. Der Wellnessbereich wurde zur HSV-Zone erklärt. Vier Physiotherapeuten kneteten bis tief in die Nacht hinein die müden Beine, und am Freitag wurde das Team im Kino bei der Vorführung von „Sherlock Holmes“ gesehen.
Für Ruud van Nistelrooy aber war selbst das seichte Programm zu viel. Am Freitagabend klagte der 33 Jahre alte Stürmer über ein Ziehen im Oberschenkel, ein Belastungstest am Samstagmittag brachte dann Gewissheit: Aus Angst vor einer Verletzung wurde der Superstar aus dem Kader gestrichen.
Mit Sicherheit hätte die angedachte Einwechslung van Nistelrooys dem Spiel wenigstens einen Höhepunkt beschert, so aber blieb die Partie auch in der zweiten Hälfte auf niedrigem Niveau. Der HSV konnte nicht recht, Frankfurt wollte nicht. Das einzig Erstaunliche an diesem Tag war deshalb schon die Aussage des Hamburger Klubchefs Bernd Hoffmann. Der stellte dem zukünftigen Sportchef Urs Siegenthaler frei, weiter für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu arbeiten. Siegenthaler ist bis zum Sommer noch Chefscout des Verbandes. „In erster Linie wird er für den HSV arbeiten, aber wenn er möchte und es auch der DFB möchte, dann können wir uns vorstellen, dass er zu Länderspielen, zur WM oder EM auch für den DFB arbeitet“, sagte Hoffmann.




