Morgenpost Online: Herr Andrack, Bundestrainer Joachim Löw hat Lukas Podolski verboten, am Samstag im Heimspiel des FC Bayern gegen Köln mit den FC-Fans zu jubeln. Sind Sie traurig darüber?

Manuel Andrack: Ich weiß gar nicht, was der Jogi damit meint. Im Hinspiel ist Poldi doch nur mal kurz zum Kölner Fanblock gelaufen und hat sich feiern lassen. Das ist doch nicht schlimm. Und falls er drei Tore für die Bayern schießt, kann er sowieso machen, was er will.

Morgenpost Online: Podolski wird den FC abschießen?

Andrack: Naja, eigentlich glaube ich das ja nicht. Es ist für Köln eine Win-Win-Situation. Eine Möglichkeit ist: Bayern führt mit 2:0, und dann schießt Poldi drei Eigentore. Die andere ist: Er schießt fünf Tore für die Bayern, wird zum Stammspieler und gewinnt am Ende die Champions League. Dann kommt er in Top-Form und nicht als frustrierter Bankdrücker zu uns.

Morgenpost Online: Und was ist, wenn Podolski 90 Minuten spielt und total versagt?

Andrack: Das kann nicht sein.

Morgenpost Online: Nicht dass Köln durch Podolskis Tore am Samstag noch absteigt und aus der Rückkehr nach Köln nichts wird ?

Andrack: Das ist Quatsch. Die Abstiegskandidaten haben nach der Winterpause zwar zugelegt, aber 30 Punkte werden am Ende zum Klassenerhalt reichen. Und wir haben ja schon 25.

Morgenpost Online: FC-Sieg oder Poldi-Gala - worüber würden Sie sich mehr freuen?

Andrack: FC-Siege sind immer das Größte, vor allem in München.

Morgenpost Online: Wie sehr freut sich Köln auf die Rückkehr des Prinzen? Oder geht das Thema Podolski gerade im Karnevalstrubel unter?

Andrack: Die Fans sind schon ziemlich verrückt, beim Rosenmontagszug werden viele Kölner mit Podolski-Masken herumlaufen. Auch ich kann es kaum erwarten. Wenn ich daran denke, wie sein Name am ersten Spieltag der kommenden Saison vom Stadionsprecher vorgelesen wird – da bekomme ich eine Gänsehaut am ganzen Körper. Aber es war ja klar, dass es so kommt. Seine Rückkehr war längst überfällig.

Morgenpost Online: Wird er dem Druck standhalten?

Andrack: Natürlich. Weil er sich in Köln wohlfühlt. Und er ist eben kein gewöhnlicher Zehn-Millionen-Transfer, sondern kommt mit Vorschusslorbeeren. Die Fans werden ihm jeden Fehlpass verzeihen, weil sie wissen, wie sehr Poldi unter Druck steht.

Morgenpost Online: Wann schafft es Köln mit Podolski in die Champions League?

Andrack: Na klar: Die FC-Fans neigen zum Überschwang, aber nach den Auf- und Abstiegen der vergangenen Jahre haben sie einen Realitätssinn entdeckt. Wir wollen uns kontinuierlich verbessern. Man darf nicht vergessen, dass vor uns zehn andere Vereine stehen, die es ins internationale Geschäft schaffen wollen. Bremen und Schalke sind mit ihren Platzierungen sicher auch nicht zufrieden. Zu diesen Klubs aufzuschließen ist schwierig.

Morgenpost Online: Das klingt aber sehr zurückhaltend.

Andrack: Mit Podolski und ein paar Verstärkungen dürfen wir natürlich träumen, das liegt in der Natur des FC-Fans. Wir sind ja nicht Erzgebirge Aue oder der FC Meppen. Aber Arroganz können wir uns nicht mehr erlauben. Also bejubeln wir auch Siege gegen Hannover und Cottbus frenetisch.

Morgenpost Online: Warum hat es Podolski beim FC Bayern nicht geschafft?

Andrack: Er hängt offenbar viel mehr an seiner Heimat, als er es bei seinem Wechsel nach München gedacht hat. Aber nach dem Abstieg musste er ja weg, es gab keine Alternative. Und die Bayern sind eben ein anderes Kaliber. Da kann man es nicht schaffen, wenn man sich nicht wohlfühlt.

Morgenpost Online: Und die Bayern haben keine Schuld?

Andrack: Doch. Poldi hat schon nach drei Monaten in einem Interview gesagt, dass Felix Magath (damaliger Cheftrainer des FC Bayern, d. Red.) noch nie mit ihm geredet hat. Das darf ja nicht sein. Ottmar Hitzfeld (Magaths Nachfolger, d. Red.) hat danach lieber auf Sicherheit als auf junge Spieler gebaut. Ich dachte, dass es Poldi unter Jürgen Klinsmann schaffen würde. Aber dann begann dieses Geschwätz, dass er sich an die Mannschaft kämpfen müsse. Das kann doch nicht sein.

Morgenpost Online: Im Sommer ist seine Leidenszeit ja vorbei. Köln und Podolski – warum ist das eine so enge Verbindung?

Andrack: Er gehört hier einfach hin. Das ist eine einzigartige Geschichte. Der Karrierebeginn damals schon großartig. Wann bringt ein deutscher Verein schon mal einen so jungen Superstar heraus?

Morgenpost Online: Haben Sie sich selbst schon ein Podolski-Trikot gekauft?

Andrack: Nein, ich halte nicht wirklich viel von der Glorifizierung von Einzelpersonen. Aber zum Saisonstart bin ich beim Fan-Fest "Saufen für Poldi" dabei. Alle trinken sich ins Koma, aber es ist für einen guten Zweck: Der Erlös ist fester Bestandteil der Finanzierung von Poldi.