Bei offiziellen Präsentationen pflegen sich Sportstars zu geben, wie ihr Arbeitgeber es am liebsten sieht. Da legen sich auch erbitterte Konkurrenten schon mal gegenseitig den Arm um die Schulter, als wären sie Freunde. Bei Mercedes stellten sich die Hoffnungsträger für die neue Formel-1-Saison mühelos kühl nebeneinander.
Spätestens seit der Präsentation am Montag in Stuttgart dürfte daher klar sein: Viel mehr als die Bezugsquelle für ihr üppiges siebenstelliges Jahressalär haben Michael Schumacher (41) und Nico Rosberg (24) nicht gemein.
Der erfahrene Schumacher trägt seinen Teil dazu bei, weil er – anders als viele Sportroutiniers – nicht den Eindruck hinterlässt, sich altersweise zumindest auch der Entwicklungshilfe an der Jugend zu verschreiben. Als erstes Signal hat er sich vom jungen Kollegen die dem bereits zugesicherte Nummer drei übertragen lassen – angeblich aus Aberglaube und seinem Hang zu ungeraden Zahlen.
Dann hat er kurz das Erfolgskonzept von Mercedes zusammengefasst: Mit der Erfahrung vom Teamchef Ross Brawn, dem Knowhow der Stern-Marke und ihm oben drauf „kann es nur ein Ziel geben“. Von Rosberg war nicht die Rede, so dass Schumachers Prinzip so ziemlich klang wie früher: ich. Seither weiß Rosberg nur zu genau: „Es ist eine große Herausforderung, ihn als Kollegen zu haben.“
Den Renstallbossen dämmert natürlich, welche Probleme da mit einer teaminternen Rivalität auf sie zuzukommen drohen: Zwei ehrgeizige Piloten, die vor lauter Egoismus den Erfolg des Teams gefährden. „Die Nummer eins im Team ist der schnellste Fahrer, wer immer Rennen gewinnt“, sagte Teamchef Ross Brawn am Montag, „wir gewähren beiden Fahrern die gleiche maximale Unterstützung.“ Allein: „Natürlich könnten sich neue Prioritäten ergeben, falls einer von beiden eine bessere Chance auf den WM-Titel hat.“
Die Lage erinnert noch vor den ersten Testfahrten an eine bittere Lehrstunde, die im Radsport das Team Astana in der vorigen Saison machen musste: Wie der siebenmalige Weltmeister Schumacher kehrte der amerikanische Radprofi Lance Armstrong, siebenmaliger Tour-de-France-Sieger nach drei Jahren voreiligem Ruhestand zurück, um an der Seite des Spaniers Alberto Contador anzutreten, des wohl größten Talents der Branche. Anschließend verbrauchten beide ihre meiste Kraft, sich gegenseitig zu demoralisieren. Nach einem Jahr war das Experiment gescheitert.
Vorsichtig hatte Mercedes zunächst versucht, der Öffentlichkeit weis zu machen, dass die Konstellation den Interessen der Fahrer entspricht. „Nico wollte immer in den Formel-1-Silberpfeil und wünschte sich Michael als Teamkollegen“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, obwohl er weiß: „Das hört sich vielleicht an wie eine märchenhafte PR-Aussage.“
Der junge Rosberg hingegen müht sich umgehend, seine Lernfähigkeit unter Beweis zu stellen: So hilflos wie Schumachers langjährige Teamkollegen bei Ferrari, der Nordire Eddie Irvine und der Brasilianer Rubens Barrichello, mag er sich nicht demütig als Nummer zwei abspeisen lassen. Schon sein Papa, der frühere Formel-1-Fahrer Keke Rosberg, sichert als Manager aus dem Hintergrund, dass Nico Mittel und Wege findet, seine Interessen auszufechten. „Ich möchte Rennen gewinnen“, sagt Rosberg, der nach den Jahren bei Williams, wo ihm das nicht gelingen wollte, in seine fünften Formel-1-Saison geht: „Jetzt kommt ein wichtiger Schritt in meiner Karriere: Ich bin selbstbewusst, dass ein richtig starkes Jahr vor mir liegt.“
Also gestattet Rosberg sich gleich soviel Insubordination, seine Wahrheiten vorzutragen: „Als ich unterschrieben habe, war ich sicher, mein Teamkollege wäre Jenson Button.“ Wirkliche Freude glitt Rosberg seit Schumachers Comeback-Bestätigung zumindest öffentlich kaum noch freiwillig in den Gesichtsdruck. Das ging soweit, dass ihn bei einer Show seines Arbeitgebers Mercedes in Abu Dhabi die Fotografen zum Lächeln animieren mussten: „Nico, könntest Du vortäuschen, Spaß zu haben?“
Natürlich habe er „Zweifel wegen Michaels gutem Verhältnis“ zu Ross Brawn gehabt. Doch, fügt Rosberg junior diplomatisch an, nach intensiven Gesprächen mit dem britischen Teamchef sei er „sehr zuversichtlich, dass wir beide das gleiche Auto und die gleichen Chancen bekommen werden“.
Möglicherweise dient ihm die Karriere eines Kollegen als mahnendes Beispiel, der einst als Riesentalent hochgehandelt und als „Quick Nick“ frühzeitig bejubelt wurde: Doch in Zukunft darf Heidfeld bei Mercedes höchstens noch den Testfahrer geben. Der Konzern will sich in der kommenden Woche dazu äußern.
Mit Spannung erwartet der Rennstall nun den kommenden Montag: Das Recht der Jungfernfahrt im brandneuen Boliden in Valencia hat sich Rosberg zumindest nicht wieder entreißen lassen. Und anschließend geben Schumachers Vorführungen erste Aufschlüsse über die Hierarchie.













