Es ist das große Weihnachtsmärchen dieses Sportjahres und seine Fans wird es durch die besinnlichen Tage begleiten. Michael Schumacher (40) kehrt in die Formel 1 zurück, nicht nur für ein kurzes Gastspiel. Er will die nächsten drei Jahren im Silberpfeil Platz nehmen, danach Botschafter für die Marke mit dem Stern werden. „Ich fühle mich wie ein 12-Jähriger, der vor Freude durch die Gegend hüpft. Meine Batterien sind aufgeladen. Mein alter Rennfahrer-Hunger ist wieder erwacht“, sagte er gestern bei seiner Vorstellung während einer Telefonkonferenz.

Nichts von seinem Selbstbewusstsein scheint der mit sieben WM-Titeln erfolgreichste Formel-1-Rennfahrer der Geschichte seit seinem letzten Rennen vor 1239 Tagen eingebüßt zu haben: „Mein Ziel ist es selbstverständlich, in der kommenden Saison Rennen zu gewinnen. Am Ende will ich ganz oben auf dem Treppchen stehen.“

Für das Mercedes-Team wird es silberne Sterne regnen, denn schon vor der Vollzugsmeldung sorgten die Spekulationen um die berühmte Personalie für die größte anzunehmende Aufmerksamkeit. Dabei hat der von Kurzarbeit und miesen Absatzzahlen gebeutelte Konzern bislang weder einen Cent für Werbung noch für Schumachers Gehalt – angeblich sieben Millionen Euro – ausgegeben. Allein die Chance einer deutsch-deutschen Allianz machte es möglich.

Auch das ist eine hübsche Ironie der emotionalen Verpflichtung. Mercedes kurvte jahrelang ohne einen Fahrer mit deutschem Pass herum, jetzt haben sie beim Saisonstart am 14. März in Bahrain gleich zwei von ihnen. Bei Mercedes wird die Rennlegende neuer Teamkollege des 24 Jahre alten Deutschen Nico Rosberg. „Ich möchte gar nicht leugnen, dass mich die Vorstellung eines deutschen Teams in der Formel 1 extrem reizt“, sagte Schumacher. Aber Rosbergs uneigennütziger Karrierehelfer wird Schumacher sicher nicht.

Erste Testfahrten sollen Aufschluss erbringen darüber, ob es der neue alte Heilsbringer noch draufhat. Der kanadische Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve musste bei seinem Comeback einsehen, dass derjenige schnell zum alten Eisen gehört, wer ein Jahr oder länger pausiert. Es geht nicht darum, im Kreisverkehr ständig seine Sinne zu schärfen. Die Formel 1 ist ein extremer Sport, psychisch und physisch. Die Fitness dürfte für dann 41-jährigen Schumacher das kleinste Problem sein. „Körperlich fühle ich mich absolut fit“, gibt er an. „Schon im Sommer habe ich gesehen, wie schnell ich mit gezieltem Training wieder meine alten Leistungswerte erreicht habe, und seither habe ich weiter hart trainiert.“

Den Kampf mit der komplizierten Technik aufzunehmen, ist der weitaus schwierigere Teil der Mission. Aber auch in diesem Bereich wird ihm einiges zugetraut. Ex-Weltmeister Niki Lauda vertraut auf Schumachers herausragende Fähigkeiten als Entwickler eines Autos. „Ich behaupte, wenn Michael nach den ersten Testfahrten einsteigt, fährt der mit seiner Konsequenz wieder vorne mit, hundertprozentig.“

Aber wird er auch mit der jüngeren Konkurrenz mithalten können? Er dankte als WM-Zweiter hinter Fernando Alonso ab, mittlerweile gibt es weitere hochbegabte Piloten in schnellen Autos. Jenson Button, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel. „Es gibt mehr Konkurrenten, härter ist die Konkurrenz aber nicht geworden“, behauptet Schumacher gewohnt spitzfindig. Er ist bereit für die Herausforderung. „Kartfahren und Motorradfahren waren eher Spielereien, es wird Zeit, dass ich wieder ein paar ernste Dinge unternehme.“

Michael Schumacher sehnte sich nicht nach einem Comeback, er hat es nicht verzweifelt angestrebt. „Noch in Abu Dhabi, als Ross Brawn mich fragte, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könne, fühlte ich mich nicht bereit dafür“, berichtet Schumacher. Zwei Wochen später ergab sich die Gelegenheit, weil sein alter Ferrari-Weggefährte Brawn in Diensten von Mercedes noch einmal anrief. „Da packte mich das Fieber wieder.“ Die Aussicht, an der Seite eines Freundes noch ein bisschen Spaß zu haben, hat ihn überzeugt.

Mit dem Wechsel zu Mercedes schließt sich ein Kreis. Bei den Stuttgartern war er einst Mitglied des Junior-Teams, mit finanzieller Hilfe der Schwaben schaffte er 1991 den Sprung in die Formel 1. Unter der Regie von Brawn hatte er bei Benetton und Ferrari seine sieben WM-Titel geholt.

„Ferrari zu verlassen, war nicht einfach. Ich war 14 Jahre dort und habe gute Erinnerungen. Der einzige ernsthafte Grund für die Rückkehr war, noch einmal mit Mercedes arbeiten zu können“, sagte Schumacher. „Ich will zurückgeben, was Mercedes am Karriereanfang für mich getan hat.“ Andere Angebote hätte er ausgeschlagen. „Ich wäre für kein anderes Team gefahren. Mercedes war die einzige Möglichkeit.“

Schon einmal ließ sich Schumacher von seinem Adrenalin leiten, was für einen Rennfahrer sehr gefährlich werden kann. Im Sommer wurde er aufgeputscht vom minutiös dokumentierten, spannendsten Comebackversuch der Formel 1. Auch da hatte er die Perspektive, wieder ins Cockpit zu klettern, als Ersatz für den verletzten Felipe Massa bei Ferrari. Eine wunderbare Nachricht in schlechten Zeiten. Bis ihn sein Leibarzt zurückpfiff. Ein Bruch des Nackenwirbels, den er sich bei einem Sturz vom Motorrad Anfang des Jahres zugezogen hatte, war noch nicht ausgeheilt. Ihn setzte diese Niederlage mehr zu als er die Öffentlichkeit glauben ließ. Er war nicht nur enttäuscht, verriet Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, er war „am Boden zerstört“.

Was den Nacken angeht, hat er jetzt „keine Befürchtungen“ mehr. Er habe an seiner Fitnessmaschine verschiedene Übungen absolvieren können, die noch vor einem halben Jahr nicht glückten. Aber ein Belastungstest im Auto steht noch aus. Er wird sicher zur Schmerzgrenze gehen, um eine weitere Absage zu verhindern.