Morgenpost Online: Herr Ebert, Mittwoch trainierten Sie erstmals wieder mit dem Team. Sind sämtliche Verletzungen und Blessuren auskuriert?

Patrick Ebert: Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber hoffe, dass ich mit jeder Einheit mehr Fitness erlange und spätestens am Ende des Trainingslagers bei 100 Prozent bin.

Morgenpost Online: Sie waren in den vergangenen eineinhalb Jahren häufiger verletzt als gesund. Einfach nur Pech?

Ebert: Chronisch ist die Schambeinentzündung; sie war auch der Grund für die Operation im Herbst. Die Leistenprobleme waren eine Folgeerscheinung.

Morgenpost Online: Im Sommer 2008 sagten Sie: Ich bin im Moment sehr glücklich mit meinem Leben. Wie ist es derzeit?

Ebert: Wegen der Verletzung war ich oft unglücklich und traurig, weil ich nur von der Tribüne aus zuschauen konnte. Als Fußballprofi hat man generell aber ein sehr gutes Leben und ist auch oft glücklich.

Morgenpost Online: Sie sagen, Sie bekommen vom Zuschauen regelrecht schlechte Laune.

Ebert: Es ist belastend, wenn du siehst, wie die da spielen und nur zuschauen kannst – vor allem, wenn du von klein auf an nichts anderes als Fußball gedacht hast. Und ich fühle mich nicht als Teil der Mannschaft, wenn ich nicht mitwirken kann.

Morgenpost Online: Nach der weitgehend verlorenen Hinrunde – welche Ziele haben Sie für die Rückrunde?

Ebert: Keine im Sinne von Einsätzen, Toren oder Vorlagen. Ich will effektiver werden, in den wenigen Spielen der Hinrunde war mir das gelungen. Nun will ich gesund bleiben. Dann kommt der Rest von allein.

Morgenpost Online: Sehen Sie sich als Stammspieler?

Ebert: Wenn ich gesund bin: ja. Ich denke, ohne die Verletzung hätte ich meinen Platz behalten. So muss ich mich jetzt wieder rankämpfen. Max (Maximilian Nicu – d.R.) hat gut gespielt, den Konkurrenzkampf muss ich annehmen.

Morgenpost Online: Hertha hatte einst große Pläne mit Ihnen, Sie sollten ein Gesicht des Vereins werden. Taugen Sie dazu, wollen Sie das überhaupt?

Ebert: Auf jeden Fall. Ich will ein Leader der Mannschaft werden. Ich denke, ich habe auch das Zeug dazu.

Morgenpost Online: Was fehlt noch? Sie sind jetzt 21, hoch veranlagt, im dritten Jahr Profi – wo sehen Sie sich selbst?

Ebert: Noch am Anfang der Karriere. Ich kann noch viel besser werden.

Morgenpost Online: Hat Trainer Lucien Favre Sie schon besser gemacht?

Ebert: Ganz sicher. Angefangen bei meinem Selbstvertrauen, bei Technik, Torschuss und Ausdauer. Er ist immer bereit, auch individuell zu arbeiten, mit mir beispielsweise an Flanken und Standards.

Morgenpost Online: Sie waren bei Hertha oft auf dem Sprung, konnten sich aber nie auf Dauer etablieren. Als Junioren-Nationalspieler bekommt man schnell das Label „ewiges Talent“ verpasst – macht Ihnen das Angst?

Ebert: Im deutschen Fußball und speziell in Berlin gerät man schnell in Vergessenheit. Das soll mir nicht passieren. Deswegen versuche ich auch immer, mich durchzubeißen – damit man mich sieht und nicht vergisst. Denn am Ende des Tages ist es das Ziel jedes Fußballers – auch meines –, in die Nationalmannschaft zu kommen.

Morgenpost Online: Abseits des Fußballs, der, wie Sie sagen, von klein auf Ihr Leben bestimmt: Worin finden Sie Erfüllung, was bereitet Ihnen Spaß?

Ebert: Meine Familie, Freunde, meine Freundin. Wir reden viel, auch nicht über Fußball. Ja, ich interessiere mich sehr für Fußball, für Spieler, für andere Ligen. Aber es ist auch wichtig, den Kopf mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Morgenpost Online: Eine Weile taten Sie das mit dem Islam. Wie kam es dazu?

Ebert: Ich habe die Einstellung, dass jeder Mensch einen Glauben haben sollte. Zumindest sollte er an irgendetwas glauben, und sei es nur an sich selbst. Es gab eine Phase in meinem Leben, da wusste ich nicht, was oder woran und an wen ich glauben soll. Da habe ich mich kurzzeitig mit dem Islam beschäftigt.

Morgenpost Online: Sie sind aber nicht konvertiert?

Ebert: Nein, ich fühle mich dem Christentum am meisten verbunden.

Morgenpost Online: Was für eine Phase war das, in der Sie nicht wussten, woran Sie glauben sollen?

Ebert: Es war eine Zeit, in der in meinem Leben viele Sachen schief gegangen sind. Ich war nicht glücklich mit meinen Leistungen, aber es passierten auch Dinge außerhalb des Fußballs.

Morgenpost Online: Sie sprechen über Ihren Führerscheinentzug?

Ebert: Das meine ich noch nicht einmal. Das war eine Dummheit, die ich begangen habe und nie wieder begehen werde. Nein, ich habe mich in dieser Phase oft hängen lassen, war nicht zufrieden.

Morgenpost Online: Dabei möchte man annehmen, dass Sie ein sorgenfreies Leben leben.

Ebert: Das ist auch so. Ich rede darüber oft mit Freunden. Sie erinnern mich daran, wie gut es mir als Fußballprofi geht und dass ich mehr verdiene als normale Arbeitnehmer. Aber es gibt auch eine zweite Seite: Du hast viel Stress, bist viel unterwegs, hast viele Termine – und du stehst im Fokus der Öffentlichkeit.

Morgenpost Online: War Ihnen das immer bewusst?

Ebert: Ich weiß jetzt, dass ich aufpassen muss, wie ich mich abseits des Fußballplatzes benehme und verhalte, weil ich eine Vorbildfunktion für andere Menschen – gerade für kleine Kinder – habe. Da kann ich nicht wilde Sau spielen.

Morgenpost Online: Kevin Boateng gab sich bei seiner Vorstellung bei Borussia Dortmund ähnlich geläutert. Ihm hat sein Berater Jörg Neubauer ins Gewissen geredet. Ihnen auch?

Ebert: Der Ruf eines Fußballers ist wichtig, kein Zweifel. Ich weiß, dass viel über uns geredet worden ist, über Kevin, mich, über Jerome Boateng und Ashkan Dejagah. Dass wir Draufgänger sind und dämlich noch dazu. Aber das ist nicht so.

Morgenpost Online: Wie ist es denn?

Ebert: Die Leute glauben zu häufig das, was in den Boulevardzeitungen geschrieben wird. Das wird dem Beschriebenen im seltensten Fall gerecht. Wir galten als Rowdies, Partygänger, Säufer. Wer sich mit uns aber beschäftigt, wird feststellen, dass wir alle was im Kopf haben.