Das Titelblatt des aktuellen Klubmagazins von Werder Bremen bringt den Ernst der Lage auf den Punkt. Dort prangt Kapitän Torsten Frings in kämpferischer Pose. Der markige Slogan darunter lautet: „Zeichen setzen!“ Vor dem Duell am Samstag gegen Bayern München sind die Bremer zum Gewinnen verdammt, um sich die Chance zu erhalten, in der Spitzengruppe der Liga noch ein Wörtchen mitreden zu können. Insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht ist das dringend vonnöten.
Sogar der sonst so zurückhaltende Trainer Thomas Schaaf sagte vor dem Duell, „dass es für uns endlich Zeit wird, andere Ergebnisse zu liefern, weil wir im Moment unzufrieden mit dem sind, was wir zuletzt abgeliefert haben“. Der Pokalsieger erreichte in den letzten acht Ligapartien nur einen Sieg, verlor die vergangenen drei Begegnungen in Folge und wurden so bis auf Rang sechs durchgereicht. Acht Punkte beträgt der Rückstand schon zum Champions-League-Rang. Diesen Wettbewerb müssen die Norddeutschen erreichen, ansonsten drohen in der kommenden Saison enorme Einbußen und ungewollte Entlassungen. Auch deshalb betonte Manager Klaus Allofs unlängst, „dass wir für die wirtschaftliche Seite die Champions League brauchen“.
Die finanzielle Lage ist nach Informationen von Morgenpost Online bei weitem nicht so rosig, wie es gemeinhin angenommen wird. Kommen die Bremer in der nächsten Spielzeit nicht in die Champions League oder erreichen in dieser Saison weder die Finals der Europa League noch des DFB-Pokals, steuern die sparsamen Hanseaten im nächsten Geschäftsjahr offenbar auf ein Minus von geschätzten 25 bis 30 Millionen Euro zu – ein Horror-Szenario für den stets wirtschaftlich solide geführten Verein. Diese Summe setzt sich überwiegend aus den hohen Personalkosten der Mannschaft zusammen, die in den vergangenen Jahren stetig stiegen.
Werders Kader gehört mittlerweile mit jährlichen Aufwendungen von etwa 35 Millionen Euro zu einem der teuersten der Liga. Zwar weit hinter Bayern München, aber er soll auf einer Stufe mit dem Hamburger SV, VfL Wolfsburg sowie Schalke 04 sein. Die Erfolge der letzten Jahre dienten den Bremern aber nach Morgenpost-Online-Informationen nur dazu, den Kader zu erhalten und mit teuren Talenten wie Marko Marin, der in dieser Saison für eine Ablöse von über acht Millionen Euro an die Weser wechselte, aufzufüllen. So wurde trotz regelmäßiger Rekord-Umsätze in den letzten fünf Jahren ein finanzielles Polster nicht angehäuft, weil Spitzengehälter wie von Frings oder jetzt für Stürmer Claudio Pizarro die Ausgaben in die Höhe getrieben haben. Deshalb ist auch momentan, trotz eines erneuten Spitzenumsatzes im letzten Geschäftsjahr von 120,7 Millionen Euro sowie einem Gewinn von 6,2 Millionen Euro, zu wenig Geld vorhanden, um beispielsweise einen qualifizierten Stürmer zu verpflichten.
Um den eventuell immensen Verlust in der nächsten Spielzeit aufzufangen, würden die Norddeutschen dem Vernehmen nach gezwungen sein, sich von Leistungsträgern wie den Nationalspielern Mesut Özil oder Per Mertesacker zu trennen, damit ihre Transfererlöse das dann zu erwartende Minus ausgleichen. Intern gehen die Vereinsgremien sogar davon aus, dass sich Werder bei einem sportlichen Misserfolg drei bis vier Spitzenakteure nicht mehr leisten könnte, um nicht ins Minus zu wirtschaften. Nach Informationen aus dem Aufsichtsrat ist ausgeschlossen, dass sich der Klub verschuldet. Auch Allofs stellte klar: „Werder Bremen ist schuldenfrei und soll es auch bleiben. Unseren sportlichen Erfolg wollen wir auch in Zukunft durch hanseatisches Wirtschaften erreichen.“
Die wirtschaftlich wie sportlich angespannte Lage ist jedoch nicht der einzige Unruheherd. Der anhaltende Vertragspoker von Özil und Mittelfeldmann Aaron Hunt sowie die Ausmusterung von Werders Führungsspieler Frings durch Bundestrainer Joachim Löw bei der Nationalelf sorgten in dieser Woche für Gesprächsstoff. „Ich hoffe, das alles belastet uns nicht“, sagte Marin und verwies darauf, einige Probleme möglichst bald zu lösen: „Denn gerade am Ende der Saison können solche Dinge neben dem Platz stören.“





