Jurica Vranjes verlässt Werder Bremen und hat vor dem Spiel des Klubs am Samstag bei Borussia Mönchengladbach scharfe Kritik an Trainer Thomas Schaaf geübt. Schaaf sei „vielleicht der beste Trainer gewesen“, den er je gehabt habe. „Als Psychologe aber ist er eine Katastrophe und menschlich für mich die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagte der 29 Jahre alte Kroate.
Der Bundesligist wollte die Aussage auf Nachfrage nicht kommentieren. „Das ist nicht der Stil von Werder Bremen“, sagte Mediendirektor Tino Polster. Vranjes, der noch bis 2011 bei Werder unter Vertrag steht, wird bis zum Saisonende an den türkischen Erstligisten Genclerbirgli Ankara ausgeliehen, wo der Deutsche Thomas Doll Trainer ist.
Vranjes ist nicht der erste frustrierte Reservist, der seinem Ärger mit Schaaf in dieser Saison Luft macht. Der bei Werder ausgemusterte Verteidiger Dusko Tosic bezeichnete den Trainer in der kroatischen Sporttageszeitung „Sportske novosti“ als „hinterlistig, dickköpfig und hartnäckig“. Dem Bericht zufolge habe ihm Schaaf im Sommer Hoffnungen auf mehr Einsätze gemacht. „Falsche Hoffnungen“, haderte Tosic, der nur 15 Minuten gespielt hat und zumeist auf der Tribüne Platz nehmen musste. Das sei „die Spitze der Frechheit“ gewesen, sagte Tosic.
Er fühle sich gemobbt, weil er nicht mal bei größter Personalnot Teil des Kaders bei den Spielen gewesen sei: „Egal wie stark Thomas Schaaf sich bemüht hat, mich zu brechen, damit er mich nur stärker gemacht.“ Als Ursache für die Unstimmigkeiten zwischen dem Trainer und ihm sah Tosic seine Teilnahme mit der serbischen Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 2008 in Peking. „Er sagte, ich solle nicht nach Peking fahren, ansonsten würde ich meinen Platz verlieren. Er hat sein Versprechen gehalten“, sagte Tosic.
Schaaf selbst kommentierte das damals nicht. Manager Klaus Allofs aber sagte der "Syker Kreiszeitung“, was Tosic von sich gebe „ist Blödsinn. Was er in den letzten Monaten abgeliefert hat, spricht für sich. Seine Ansprüche, wie er denkt, behandelt werden zu müssen, und was er leistet, passt nicht zusammen“.
Doch Tosic' Schlag gegen Schaaf war nur der Anfang, kurz darauf lederte das Lager des von Schachtjor Donezk ausgeliehenen Marcelo Moreno gegen den Trainer. Mauro Martins, der Vater des Stürmers, hatte offenbar genug vom Reservistendasein seines Sohnes und griff in einem brasilianischen Radio-Interview beim Sender ‚Radio Bandeirantes‘ Schaaf scharf an: „Marcelo wird nicht mehr bei Werder spielen. Der Trainer mag keine Bolivianer. Er setzt meinen Sohn für fünf oder zehn Minuten ein, nur um ihn hereinzulegen.“ Tosic wie Moreno sollen an andere Vereine abgegeben werden. Bei Moreno zeichnet sich eine Rückkehr nach Donezk ab, auf Tosic scheinen die Bremer sitzen zu bleiben.
Bei Vranjes dagegen, der am Freitag den Medizin-Check in der Türkei absolvieren sollte, ist der Wechsel perfekt. Werder rechnet dagegen erst in Kürze mit einer Bestätigung. Vranjes selbst sagte, er habe den Wechsel forciert, weil er „keinen Bock mehr“ gehabt habe, in Bremen zu bleiben „und nur zu trainieren“. Der ehemalige Stuttgarter, der 2005 nach Bremen wechselte, kam in dieser Saison bislang gar nicht zum Einsatz. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Das ist total enttäuschend.“
Nach eigenen Angaben sei Vranjes ohne Begründung plötzlich nicht mehr im Kader gewesen. „Dreieinhalb Jahre lang sagt man mir, ich bin ein Musterprofi, und dann werde ich plötzlich, einfach so, ausgebootet.“ Schaaf warf er vor, „nur sein Ding“zu machen. „Er ist nie bereit, einen Fehler einzugestehen.“ Der Kroate deutete zudem an, dass derzeit einiges im Training nicht stimme. „Wenn es nach den Trainingsleistungen geht, dürften 70 bis 80 Prozent nicht spielen“, sagte Vranjes.
Werder steckt sportlich in der Krise und hat zuletzt vier Spiele in Serie verloren.
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