Das passt ja zur Frischzellenkur: Michael Schumacher (41) beginnt seine zweite Formel-1-Karriere in der Nachwuchsserie der GP2. Er bringt sich in einem für seine Verhältnisse untermotorisierten Fahrzeug in Schwung und wird von heute bis Donnerstag einen Einheitswagen der Serie in Jerez de la Frontera testen. „Der Test stellt ein gewisses Aufwärmen nach den paar Formel-1-Runden im Sommer in Mugello dar“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Der Automobil-Weltverband Fia erteilte eine Ausnahmegenehmigung; Piloten der höchsten Kategorie dürfen erst von Anfang Februar an testen.
Der Mercedes-Rennstall und die GP2-Veranstalter verwiesen in der Fußnote einer Presseklärung auf eine „private Veranstaltung“. Die Probefahrt im Achtzylinder findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Offiziell nimmt der 41 Jahre alte Schumacher an einem „Entwicklungstest“ der GP2 teil.
Wenn Schumacher das erste Mal an den Lenker greift, gibt es wieder dieselben Mechanismen. Es gilt höchste Geheimhaltungsstufe, und jeder hofft, dass etwa vom Glanz des siebenmaligen Weltmeisters abfällt. Serienpromoter Bruno Michel schwärmte von einem „Meilenstein“ und der „Ehre“ und dem „Privileg“, das der GP2 zuteil werde. Michael Schumachers Erfahrung und seine Ratschläge seien von unschätzbarem Wert.
Die GP2 ebnete schon Ex-Weltmeister Lewis Hamilton, Timo Glock und auch Schumachers neuem Teamkollegen Nico Rosberg den Weg in die Formel 1. Die Boliden sind ebenfalls mit Slicks ausgestattet, und elektronische Fahrhilfen gibt es auch nicht. Sie werden von 600 PS angetrieben, das sind etwa 150 PS weniger als im Heck von Schumachers künftigem Dienstfahrzeug, mit dem er am 14. März in Bahrain vor die Startampel rollt.
Trotzdem werden die Probefahrten in Andalusien für Schumacher richtungsweisend sein. Bei dem dreitägigen Test wird er auf jedes Zwicken in der Nackengegend achten. Seinen bisher letzten Comebackversuch musste er abbrechen, nachdem die Schmerzen bei einer Ausfahrt Ende Juli auf der Ferrari-Teststrecke in Mugello unerträglich geworden waren – Folge eines Motorradunfalls im Frühjahr 2009. Ein Physiotherapeut der Sportklinik in Bad Nauheim wird ihn auch jetzt in Jerez begleiten.
Die Bedenken, der damals angebrochene Nackenwirbel könne den Fliehkräften immer noch nicht standhalten, trat er bei der Präsentation vor Jahresfrist am Teamsitz in Brackley entschieden entgegen. Er fühle sich „körperlich absolut fit. Der Nacken ist absolut beschwerdefrei“. Seine Ärzte hätte ihm signalisiert, dass er nichts zu befürchten habe. Als Hinweis auf eine erfolgreiche Reha galt ihm das Training in seiner eigenen mobilen Fitnesshalle an der Nackenmaschine. „Da konnte ich in Bereiche hineintrainieren, in die ich vor einem halben Jahr noch nicht gekommen war.“
Während nur noch diese einzige Unwägbarkeit die Rückkehr Schumachers verhindern könnte, werden schon die ersten Geschäfte mit Schumacher getätigt. Bei den Londoner Buchmachern ist Schumacher laut „Times“ der dritte Favorit auf den Gewinn der Weltmeisterschaft hinter Lewis Hamilton (McLaren) und Fernando Alonso (Ferrari).
Schumacher stattete den Mercedes-Ingenieuren nach beendetem Winterurlaub einen zweiten Besuch ab. Er brachte sich in Brackley und in der Mercedes-Motorenschmiede in Brixworth auf den neusten Stand. Schumachers neuer Bolide wird Ende des Monats in Stuttgart vorgestellt.
Der Neuling pries die entspannte Atmosphäre und die Motivation der Belegschaft. „Dies ist ein Weltmeisterteam, aber es wirkt in keinem Fall erfolgsverwöhnt; es wirkt im Gegenteil hungrig nach mehr“, schrieb er auf seiner Homepage. Auch dass er Deutsch mit den Mitarbeitern reden könne, ist für den Ex-Ferrari-Piloten ein Gewinn. „Ich finde das sehr angenehm.“
sid/fb






















