Hans Meyer versucht in diesen Tagen, einen entschlossenen Eindruck zu vermitteln. Nach seinen flapsigen Äußerungen in den vergangenen Wochen reagiert der Trainer von Borussia Mönchengladbach gelegentlich sogar mit einer Ernsthaftigkeit auf Fragen, die der bedrohlichen Situation des Klubs im Abstiegskampf angemessen ist. „Es gibt Hoffnungszeichen, die mich ermutigen, dass wir im Frühjahr richtig angreifen können“, sagt der 66-Jährige.
Beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga, der diesen Rang bei einer Niederlage im Auswärtsspiel am Freitag gegen Borussia Dortmund in der Winterpause behalten würde, sind sie froh, wenn Meyer so etwas sagt. Zwar betont der Trainer, dass er nie versprochen habe, den Klassenverbleib gewährleisten zu können, aber trotzdem kam er Mitte Oktober als großer Hoffnungsträger. Mittlerweile scheint die Lage hoffnungslos. Und dazu hat auch Meyer beigetragen.
Statt kämpferisch nach vorn zu schauen, hatte er vor einer Woche seiner Mannschaft die Bundesligatauglichkeit quasi abgesprochen. Meyer schimpfte nach dem 1:3 gegen Energie Cottbus über die mangelhafte Balance zwischen Jung und Alt, Kämpfern und Technikern, Defensive und Offensive – und kritisierte die Zusammenstellung des Kaders.
Co-Trainer Christian Ziege und Sportdirektor Max Eberl, die im Sommer gemeinsam mit dem damaligen Trainer Jos Luhukay für die Einkäufe verantwortlich waren, nahmen es klaglos hin. „Wer Letzter ist und 33 Treffer bekommen hat, kann nichts mehr schön reden“, sagte Eberl. Anstatt sich zu rechtfertigen, scheint er eher froh zu sein, dass ihn Meyer, der in Gladbach immer noch Kultstatus besitzt, an die Hand nimmt und ihm die Defizite bei den Hausaufgaben aufzeigt.
Dass Meyer die Fehler noch korrigieren kann, ist zu bezweifeln. Zwar verbreitet er plötzlich wieder Optimismus, weil er beim 1:3 gegen Leverkusen einige positive Akzente gesehen habe. Es ist aber offensichtlich, dass sich der mutmaßliche Retter die Aufgabe leichter vorgestellt hat. Bei seinem ersten Engagement in Gladbach führte er 1999 den Zweitligaverein wieder auf Kurs und schaffte 2001 den Aufstieg. Später übernahm er erst Hertha BSC, dann den 1. FC Nürnberg in bedrohlichen Situationen und feierte Erfolge. Mit Nürnberg gelang ihm 2007 sogar der Pokalsieg.
In Gladbach droht er seinen Ruf als Retter aber nun vollends zu ruinieren. Meyer versucht deshalb vorzubauen. Schuld tragen die anderen, die im Vorfeld eklatante Fehler gemacht haben. Nur die anderen. „Leverkusen war mein achtes Spiel. Bevor ich kam, waren wir Letzter, jetzt sind wir es wieder“, stellt Meyer fest. Unter ihm sei die Situation nicht schlechter geworden – aber eben auch nicht besser. Zwei Pflichtsiege über Karlsruhe und Bielefeld konnte er in dieser Zeit verbuchen, daneben setzte es vier schlimme Heimniederlagen.
Wer kritisch nachfragt, wird von Meyer lächerlich gemacht. Wie ein Oberlehrer führt er jeden vor, der sich ein Urteil über die Mannschaft erlaubt. „Gehen Sie ruhig einmal davon aus“ lautet meistens der Beginn solcher Sätze, die mit einer Nachhilfe in Sachen Taktik enden. Und als „Krümelkacke“ bezeichnet Meyer die Spekulationen, dass seine Motivation bereits gelitten habe.
Abgesehen von der Tatsache, dass die Konkurrenz ebenfalls kaum punktet und momentan schon ein Sieg reichen könnte, um die Abstiegsplätze zu verlassen, verweist Meyer auf belebende Impulse wie den 18 Jahre alten Tony Jantschke, den er aus dem Nachwuchs ins Profiteam beförderte und der auch gegen den BVB in der Startelf stehen soll. Zudem hält es Meyer für unabdingbar, dass er im Winter „den Eberl losschickt, um zwei Verstärkungen zu verpflichten“.
Nachdem Meyer bisher erfolglos experimentiert hat, sollen also neue Spieler die Rettung bringen. Allerdings wünscht sich der Trainer dabei nur „Verstärkungen, keine Ergänzungen“. Die Namen von Verteidiger Oguchi Onyewu (Standard Lüttich), Torwart Logan Bailly (Genk) und Stürmer Ivan Klasnic (Nantes) sollen auf der Kandidatenliste stehen. Wenn Zugänge den Aufschwung bringen, kann Meyer sich wieder einmal feiern lassen. Und wenn nicht, bleibt ihm ja immer noch der Verweis auf die Sünden der Vergangenheit.




















