Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Doch wenn Ralf Rangnick in den vergangenen Tagen auf Schalke 04 angesprochen wurde, waren die Emotionen spürbar, die der Verein aus dem Ruhrpott beim amtierenden Trainer von 1899 Hoffenheim noch immer weckt. Ausgerechnet gegen den Verein, der ihn fast auf den Tag genau vor drei Jahren, am 12. Dezember 2005, entlassen hatte, kann Rangnick am Sonntag die erfolgreiche Hinrunde des Aufsteigers krönen. Auch wenn er den Umstand herunter spielt, als Tabellenerster in die Winterpause gehen zu können: „Wir können es aus eigener Kraft schaffen, auch wenn der Titel Herbstmeister nichts wert ist“, sagte der Trainer, dessen Team gegenüber Verfolger FC Bayern das um drei Treffer bessere Torverhältnis hat.
Gerade im Duell mit den namhaftesten Klubs der Bundesliga hat es für den Aufsteiger der Saison bisher nicht zu Siegen gereicht. Gegen Bayern (1:2), Bayer Leverkusen (2:5) oder Werder Bremen (4:5) verloren die Hoffenheimer. „Wir müssen gegen Schalke alle Patronen mobilisieren und alle Trümpfe in die Waagschale werfen, um die fehlende Erfahrung auszugleichen“, forderte Rangnick nun.
Gegen Schalke soll das gelingen – ausgerechnet gegen Schalke. Mit neuen Spielern wie Kevin Kuranyi oder Rafinha war Rangnick beim nächsten Gegner vor drei Jahren in die Saison gestartet. Doch neben sportlichen Problemen – Schalke stand einen Spieltag vor der Winterpause zehn Punkte hinter Spitzenreiter FC Bayern auf Platz vier – gab es auch zwischenmenschliche Differenzen. Auf seinen vorangegangenen Stationen in Ulm, Stuttgart und Hannover hatte Rangnick größtenteils die alleinige Entscheidungsgewalt. In Gelsenkirchen aber funktionierte das nicht. Viele Entscheidungsträger mischten sich ein. Vor allem mit dem damaligen Manager Rudi Assauer, der ihn als „Rolf“ Rangnick bei Schalke vorgestellt hatte, fand er nie eine gemeinsame Basis. Und so war das Ende nur eine Frage der Zeit.
Es kam, als Rangnick vor dem Spiel gegen Mainz (1:0) eine Ehrenrunde im Stadion drehte. Als Abschiedsrunde wollte er, der zuvor eine Vertragsverlängerung abgelehnt hatte, diese zwar nicht verstanden wissen. Und auch nicht als Provokation. Sie wurde ihm aber von den Verantwortlichen, die ihn zwei Tage danach entließen, so ausgelegt.
Inzwischen hat Rangnick eingesehen, dass die „sogenannte Ehrenrunde sicherlich falsch“ war: „Ich würde sie heute – wenn ich könnte – rückgängig machen. Das war unprofessionell.“ Dennoch, das Unheil hatte er quasi seit seinem Dienstbeginn bei Schalke auf sich zukommen sehen. „Es war von Anfang an schwierig, nach außen glaubhaft zu machen, dass wir gut zusammenarbeiten können – der Professor Rangnick und der volksnahe Rudi Assauer, der Junge aus dem Ruhrgebiet.“
Doch so wie der Fußballlehrer zur Einsicht gekommen ist, hat man auch bei Schalke erkannt, nicht alles richtig gemacht zu haben. Manager Andreas Müller, einst rechte Hand von Assauer, fragte erst in dieser Woche wieder: „Warum hat man damals nicht erkannt, welch’ ein großartiger Trainer er ist? Er hat die Mannschaft sehr schnell spielerisch in die richtige Richtung gebracht.“ Mit einem Schnitt von 2,04 im ersten und 1,94 Punkten pro Spiel im zweiten Jahr ist Rangnick bis heute der erfolgreichste Trainer von Schalke.
Nur wenn Rangnick bislang gegen die Königsblauen gespielt hat, ist es nicht so gut gelaufen: fünf von sechs Partien hat er bislang verloren. Eigentlich kein gutes Omen für Hoffenheim.





