Der Tag nach der Niederlage war der Tag der ernüchternden Erkenntnisse. „Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, genau das macht es ja so bitter“, sagte Schalkes Torhüter Manuel Neuer die Stimmung nach dem 1:2 gegen die Bayern: „Alle statistischen Werte des Spiels sprechen für uns. Aber dafür können wir uns nichts kaufen.“

Die Schalker hatten am Sonntag die Erfahrung gemacht, dass fußballerische Sekundärtugenden wie Kampfgeist, taktische Disziplin und Laufbereitschaft gegen die individuelle Klasse der Bayern-Stars Franck Ribery, Luca Toni oder Ze Roberto nicht helfen. Und sie mussten lernen, dass der kompakten, fast schon minimalistisch anmutenden Spielweise der Münchener mit normalen Mitteln kaum beizukommen ist. „Es hat nicht unbedingt die bessere, aber auf jeden Fall die effizientere Mannschaft gewonnen“, sagte S04-Trainer Fred Rutten: „Es ist sehr schwer, einen Franck Ribery auszuschalten.“

Ruttens Team waren am Sonntagabend die Grenzen aufgezeigt worden. Trotz drückender Überlegenheit, die sich in den statistischen Werten widerspiegelte: 18:1 Ecken für Schalke, 66 Prozent Ballbesitz, 47:7 Flanken. Doch lediglich in der Anfangsphase gelang es, die Bayern richtig unter Druck zu setzen. „In der ersten Halbzeit haben wir taktisch sehr gut Fußball gespielt, aber wir konnten uns nicht belohnen“, analysierte der niederländische Trainer. Umso bitterer, dass ausgerechnet in diese Phase der Geniestreich von Ribery fiel, der die Partie entschied.

„Es ist sehr schwer, gegen Ribery zu verteidigen, da man nie genau weiß, was er nächstes tut“, sagte Kapitän Marcelo Bordon. Die schnellen Tempowechsel des Franzosen können eine Abwehr verwirren, so der Brasilianer: „Innerhalb kürzester Zeit können Spieler wie Franck Ribery und auch Ze Roberto das Mittelfeld überbrücken. Das lässt sich, wenn sie gut drauf sind, kaum verhindern.“

Genau über diese Ausnahmefähigkeiten verfüge aber eben kein Schalker, sagt Rudi Assauer. Der frühere Manager hatte vor wenigen Tagen erklärt, er traue dem Team nach dem jetzigen Stand „höchstens Platz fünf“ zu. Außerdem hatte Assauer bemängelt, dass es speziell im Mittelfeld an „Qualität“ fehle. In Fabian Ernst, Jermaine Jones und Orlando Engelaar gebe es „zu viele gleiche Typen“. Die könnten zwar kämpfen, aber ihnen fehle die Kreativität. Das sei eben der Unterschied zu den Bayern.

Solche Einschätzungen tun weh. Denn sie legen die Vermutung nahe, die Mannschaft sei auch in diesem Jahr nicht stark genug, Meister werden zu können. Die Spieler reagieren auf solche Prognosen gereizt. „Das interessiert mich nicht“, sagte Fabian Ernst: „Hier werden so viele Meinungen geäußert. Wir sollten nicht auf alles reagieren.“