Die schiere Notlage hat die zwei Olympiasieger zusammengebracht, die früher am Rande des Eiskanals einen sehr frostigen Umgang pflegten. Bobpilot Andre Lange aus Oberhof vertraut in diesem Winter auf die Hilfe des einstigen Rivalen Christoph Langen aus Unterhaching bei der Entwicklung seines neuen Schlittens, weil er fürchten muss, auf dem Materialsektor den Anschluss zu verlieren. Beim Weltcupauftakt an diesem Wochenende in Winterberg wird das Duo zum ersten Mal in offizieller Mission an den Edelstahlkufen feilen.
Der begnadete Tüftler Langen, 2005 zurückgetreten und anschließend Chef der Sportförderkompanie, bezeichnet sich selbst als Bindeglied zwischen Lange und dessen Bobbauer, dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Dem Berliner Exklusivpartner des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) muss auf die Sprünge geholfen werden. Besonders die großen Bobs aus der Hauptstadt ratterten vergangenen Winter etwas holprig übers Eis, und Lange musste auf ein Fabrikat der Marke Singer umrüsten. Mit peinlichem Ergebnis für das FES. Lange wurde in einem Singer Weltmeister, und bis zum Ende des Winters hatten die Brüder aus Oberbayern die fünf besten deutschen Piloten ausgestattet. Da muss FES-Leiter Harald Schaale beschwichtigen: „Die Vorbereitung für Peking hatte Priorität.“
Durch den Engpass konnten Schaales Ingenieure bisher nur einen Vierbob bauen, den für Lange. Dessen Mannschaftskollegen Matthias Höpfner und Karl Angerer fahren weiterhin Singer. Auch Thomas Florschütz würde gern auf Singer umsteigen, stattdessen muss er ein FES-Auslaufmodell steuern.
Noch scheinen die Berliner den Entwicklungsrückstand nicht ganz aufgeholt zu haben. Lange gewann zwar die Deutsche Meisterschaft, aber Insider wussten die Zeiten zu interpretieren. Er startete gewohnt überragend und machte in zwei Läufen 18 Hundertstelsekunden auf den Zweiten Angerer gut. Wäre der Vorsprung bis ins Ziel auf das Doppelte angestiegen, hätte Lange am Schlitten nichts auszusetzen gehabt, so aber waren es am Ende nur 25 Hundertstelsekunden. „Wir haben zurzeit noch eine große Baustelle, aber alles unter Kontrolle“, sagt Langen. „Wichtig ist vor allem 2010. Spätestens bei den Olympischen Spielen muss Andre den besten Schlitten haben.“
Wie reagieren Höpfner und Angerer?
Auch die ausländische Konkurrenz wird immer schlagkräftiger. Die Schweizer sind eine Kooperation mit der Universität Zürich eingegangen und investierten knapp eine Millionen Euro in das Projekt.
Das Know-how zweier Olympiasieger und das staatlich geförderte FES-Institut sollen es für den BSD richten. Dabei war Langen noch bis vor einem Jahr in Ungnade gefallen bei Deutschlands oberstem Bobfunktionär Stefan Krauß. Erst dessen Nachfolger, der frühere Rodel-Bundestrainer Thomas Schwab, nahm wieder Kontakt zu Langen auf und rang ihm die vertraglich fixierte Zusage ab, exklusiv für den BSD zu arbeiten. „Das ist eine sehr elegante Lösung für mich“, sagt Lange. „Christoph ist ein absoluter Profi und will unbedingt den Erfolg.“ Gespannt verfolgen Branchenkenner, wie die Deutschen Höpfner und Angerer Langes Sonderbehandlung registrieren werden.
Die Skeletonfahrer, die mit den Bobfahrern in die Saison starten, haben Missstimmungen aufgrund einer Materialschlacht vorgebaut. Seit dieser Saison verwenden alle auf Geheiß von Bundestrainers Jens Müller die gleichen FES-Schlitten.




