Nach all den Misstönen und Verstimmungen der vergangenen Woche bekam der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Sonntagabend bei einem klassischen Konzert zur Abwechslung mal wieder etwas Nettes, Harmonisches zu hören. Ganz abschalten konnte Theo Zwanziger trotzdem nicht. Via Blackberry informierte er sich über die Bundesligaresultate und die Zwischenstände im Kräftemessen seines Bundestrainers Joachim Löw mit Kapitän Michael Ballack.
Dass sich der Nationalspieler mittlerweile per Presseerklärung für seine Kritik an Löws Personalentscheidungen und Führungsstil entschuldigt hat, ist für Zwanziger nicht das Ende des Zwistes, sondern lediglich der Anfang einer Aufarbeitung.
„Die Entschuldigung hat die Schärfe des Konfliktes etwas zurückgenommen. Und zumindest wurde jetzt auch von der Seite klargestellt, dass das Fehlverhalten eindeutig bei unserem Kapitän liegt“, sagte Zwanziger zu WELT ONLINE. „Jetzt ist allerdings die Frage: Wie einsichtig ist Michael Ballack? Ist die Entschuldigung nur Taktik oder ist sie wirklich ehrlich gemeint?“
Frage nach der Absicht
Der DFB-Präsident hat in den vergangenen Tagen etliche Telefonate mit dem Bundestrainer und ein längeres Gespräch mit Teammanager Oliver Bierhoff geführt, der Samstag von einer Dienstreise aus dem WM-Gastgeberland Südafrika zurückgekehrt war. „Wir haben uns ausgetauscht, was die Erklärung zu bedeuten hat und gefragt, ob damit jetzt alles klar ist? Das sieht Joachim Löw nicht so, und ich sehe es auch nicht so“, sagt Zwanziger. „Wir müssen jetzt genau hinterfragen, welche Absicht hinter den Äußerungen steckt, und am Ende des Gesprächs muss gewährleistet sein, dass so etwas nicht wieder passiert.“
Angestrebt wird das persönliche Treffen zwischen Trainer und Kapitän nach Möglichkeit noch in dieser Woche. In den kommenden Tagen werden bei Ballack nach den kleinen Eingriffen an beiden Füßen die Fäden gezogen, danach fehlt nur noch die Reiseerlaubnis des FC Chelsea. Dass sich Ballack auch geografisch auf den Bundestrainer zubewegen muss, stand für Löw („Ich wäre niemals nach London geflogen“) zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion.
Ballack muss sehr überzeugend Reue zeigen und Buße tun, wenn er weiter eine führende Rolle in der Nationalmannschaft spielen will. Bis dahin behält sich Löw wie auch im Fall von Torsten Frings, der seine Rolle als Ersatzspieler beklagt hatte, sämtliche Sanktionen vor. „Ich wage keine Prognose, wie sich der Trainer entscheidet. Aber ich werde jede Entscheidung mittragen“, sagt Zwanziger.





