Am Ende eines schlagzeilenträchtigen Kräftemessens ist klar, wer in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Stärkere ist. Zum Schluss war es Ballack, der nach Frankfurt fliegen musste, um sich artig und glaubwürdig für seine Kritik am Bundestrainer zu entschuldigen. Und es war Löw, der vergeben und dem Kapitän das Amt gelassen hat.

Der Bundestrainer hatte ein hartes Vorgehen angedroht, aber er tut gut daran, nicht zum härtesten Mittel zu greifen. Ein Rauswurf des prominentesten deutschen Fußballspielers wäre eine spektakuläre Reaktion auf die Kritik an seinem Führungsstil gewesen. Sie hätte im ersten Moment bei vielen Stärke suggeriert, aber die Mannschaft letztlich nur geschwächt.

Löw hat durch seine Kooperationsbereitschaft Autorität gewonnen, weil er die persönlichen Angriffe vergisst, die anmaßenden Kompetenzüberschreitungen verzeiht und in aller Konsequenz auch für diese schwierige Personalentscheidung das sportliche Leistungsprinzip über gekränkte Eitelkeiten und die hochgespielten Emotionen stellt.

Ballack bleibt am Ende seines dummen Machtspielchens dagegen der Verlierer. Er hat sich und seinen Einfluss überschätzt. Er musste erkennen, wo seine Grenzen liegen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass ein Star des FC Chelsea in der aktuellen deutschen Nationalmannschaft auch nur Teil der Gruppe ist, dass für ihn mittlerweile dieselben Regeln wie für alle anderen gelten.

Ballack bleibt trotz des Streits auch künftig der Mannschaftskapitän, aber er hat im Gegensatz zu seinem Trainer Autorität verloren. Er wird auf und neben dem Platz viel gut machen müssen, um sie zurückzugewinnen. Denn in Zukunft wird noch genauer hingeschaut, ob dieser Ballack das Vertrauen und das Amt verdient hat.