Und jetzt also doch wieder Taufkirchen, wie zu jenen Zeiten, als noch Ottmar Hitzfeld die Bayern befehligte, als ein 4-4-2 in Stein gemeißelt und die Doppelsechs über jeden Zweifel erhaben war. Taufkirchen ist eines jener Dörfer, die mittlerweile zu Münchner Vorstädten angewachsen sind, mit allen Auswüchsen, die so eine Expansion mit sich bringt. Ein alter, schöner Kern und recht unförmige aber lukrative Gewerbegebiete in der Peripherie mit praktischer Autobahnanbindung. Und in eben jenem Taufkirchen wird am heutigen Freitag der Bus des FC Bayern vorrollen. Nach Monaten der Enthaltsamkeit beziehen die Münchner wieder Quartier im Hotel „Limmerhof“, einer Vier-Sterne-Herberge mit rustikalerer Einrichtung, mit holzvertäfelter Bar, 80 Zimmern, vier Tagungsräumen und einem Fitnessbereich, der es nicht ganz auf Augenhöhe mit dem Leistungszentrum an der Säbener Straße schafft. Aber dafür sind sie ja auch nicht gekommen. Sie wollen nur schlafen und ihre Ruhe.
In seinen vier Monaten Dienst beim Rekordmeister hat Jürgen Klinsmann schon die eine oder andere Rolle rückwärts bemüht. Die Buddhas auf dem Dach: weg sind sie, die Rotationen auf dem Feld: vorerst beendet. Und aus den Heimschläfern („Im eigenen Bett nächtigt man bekanntlich am besten“- Klinsmann) sind seit Wochen wieder Hotelschläfer geworden. Schon vor dem Champions-League-Spiel gegen Lyon Ende September rekrutierte Klinsmann die Seinen in fremden Gefilden. Damals ließ er sie noch mitten in München antanzen, im recht feinen aber auch ziemlich anonymen „Arabella Sheraton“. Zu laut, zu groß, befanden die Profis und wünschten sich zurück nach Taufkirchen, in die Vorstadtidylle. Dort hatten sie jahrelang genächtigt vor den Heimspielen in der Arena im Münchner Norden.
Vom Comeback der illustren Kundschaft habe sie vor einer Woche erfahren, steckte Hotelchefin Balbina Kaffler der „Abendzeitung“. Und dass man sich sehr freue ob der prominenten Gesellschaft. Flugs wurden noch ein paar gebuchte Gäste ausgeladen, denn „die Bayern haben Vorrang“. Man werde aber kein großes Aufheben drum machen, das würden jene auch gar nicht wollen. „Hier hatten die Spieler schon früher ihre Ruhe, und die werden sie auch weiterhin haben“, sagte Kaffler noch. Und: „Es wird so sein wie immer.“ Nur aus Hitzfeld ist jetzt eben Klinsmann geworden.
Die Kolumne "Sterne des Südens" von Bayern-Reporterin Anja Schramm erscheint vor den Bundesliga-Wochenenden am Freitag auf Morgenpost Online.




