Wenn er gut drauf ist, kann der als Phlegmatiker verrufene Miroslav Klose durchaus lustig sein. Am Mittwochabend in Frankfurt hatte er vor laufenden Kameras wieder so einen Moment und beliebte zu scherzen – auf Kosten eines Mitspielers. Auf die Frage, ob sein Sturmpartner Lukas Podolski beim FC Bayern größere Fürsorge des Klubs benötige, sagte Klose: „Für Streicheleinheiten müssen wir uns eine Katze kaufen.“
Da war es wieder, das Dauerthema Podolski, das auch nach gewonnenen Spielen wie dem 2:1 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt seinen Reiz hat für Außenstehende. Dass es nun ausgerechnet sein Partner Klose befeuerte, macht es nicht unbedeutender. Und so gab es am Mittwochabend selbst beim Sieger einen Verlierer: Lukas Podolski. Der 23 Jahre alte Nationalspieler, der zum zweiten Mal in Folge den verletzten Italiener Luca Toni vertreten hatte, war blass geblieben, nach 80 Minuten ausgewechselt worden – und wurde danach eben nicht mit Streicheleinheiten bedacht.
„Es wäre einfacher für ihn, Argumente für sich vorzubringen, wenn er mal einen reinmachen würde“, kommentierte Trainer Jürgen Klinsmann die Leistung des Angreifers, der mit den beiden Bayern-Toren durch Klose (65. Minute) und Franck Ribery (70.) rein gar nichts zu tun hatte und nur zweimal gefährlich in Erscheinung getreten war.
Lange Banklehre?
In der Presse gab es einhellig schlechte Noten für den Mann, der im Verein nur noch als Aushilfe agiert. Am Donnerstag wurde es dann noch deftiger für den Nationalspieler, der an der Isar sein Glück auch im dritten Jahr nicht gefunden hat.
Manager Uli Hoeneß holte verbal die ganz große Keule heraus, als er über das unbestrittene große Talent sagte: „Er hat zwei Chancen bekommen und sie bisher nicht genutzt. Es gibt drei Bayern-Spieler, die im Nationalteam und auch bei uns gut spielen und einer nicht.“
Der eine, der sich Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Klose zum Vorbild nehmen möge, war unschwer zu identifizieren, zumal Hoeneß noch präziser wurde. Das Problem sei, dass 80 Prozent der Spiele des Nationalteams gegen Liechtenstein, San Marino, Moldawien oder Estland absolviert würden. „Wer gegen Liechtenstein zwei Tore macht, wird hochgejubelt“, sagte Hoeneß über Podolski, der schon 31 Länderspieltore erzielt hat und bei den Bayern noch einen Vertrag bis 2010 besitzt. Erfüllt er den, steht zu befürchten, dass er dann die mit vier Jahren längste Banklehre aller Zeiten gemacht haben wird.
Borowski erstmals in der Startelf
Er war zu keinem Zeitpunkt der vergangenen und auch dieser Saison etwas anderes als Stürmer Nummer drei beim FC Bayern, wogegen er sich wortreich und – nur für Deutschland – auch torreich wehrte. An der Hierarchie hat sich aber auch unter Klinsmann nichts geändert: Podolski steht hinter Luca Toni und Klose. Was nicht nur an Podolski liegt, sondern auch an Klose.
Der hat einen Lauf und seine Krise hinter sich. Auf seiner Homepage überschlagen sich die Fans vor Freude und verlieren schon mal die Realität aus den Augen: „Servus Miro, super Spiel gegen Frankfurt. Jetzt bist du Topscorer des FCB“, jubilierte ein Schreiber leider nicht ganz korrekt. Denn sein Drehschuss zum 1:1 war erst der dritte Saisontreffer in der Liga, ein von den Kollegen geschenkter Elfmeter inklusive. Tim Borowski, in Frankfurt erstmals in der Startelf, steht bereits bei vier Toren.
Und doch kommt allmählich der Eindruck auf, dass Klose wieder der Alte ist. Wichtige Tore in den nationalen und internationalen Pokalwettbewerben gegen Nürnberg und Lyon, sowie ein Dreierpack für Deutschland in Finnland sprechen dafür. In Frankfurt zeichnete er sich auch wieder durch seine Mannschaftsdienlichkeit aus: Sehenswert war seine Vorlage zu Riberys Siegtor, womit der Meister eindrucksvoll bewies, dass ihn Rückstände nicht mehr schocken können.
Fehlstart scheint vergessen
Wie gegen Wolfsburg drehten die Bayern das Spiel binnen weniger Minuten nach dem Eigentor von Martin Demichelis (55.). „Da steht ein richtiges Team auf dem Platz“, sagte Borowski nicht ohne Pathos – jetzt, wo er endlich dazu gehört. Und was muss Podolski machen, um endlich dazuzugehören? Trainer Klinsmann sprach wie ein Klassenlehrer über einen Nachhilfeschüler: „Arbeiten, arbeiten, arbeiten.“
In der Zwischenzeit lösen sie ihre Probleme beim FC Bayern trotz des Sorgenkindes, das gegen Arminia Bielefeld vermutlich wieder die Bank drücken muss. Vergessen scheint der Fehlstart zu sein mit dem vorübergehenden Abdriften auf Platz elf. Nach dem vierten Pflichtspielsieg in Folge, gegen einen Abstiegskandidaten am Ende erzittert, haben sie den Blick für das Wesentliche im Leben eines Bayern-Spielers geschärft: Platz eins. „Wir wollen an die Tabellenspitze. Das ist ganz normal, das wird vom FC Bayern verlangt“ sagte Jürgen Klinsmann, dessen Mannschaft auf dem vierten Tabellenplatz nur noch vier Punkte hinter Primus 1899 Hoffenheim liegt: „Ich hätte nichts gegen Platz eins nach der Hinrunde. Dafür bedarf es aber noch einiger Siege. Es wird nicht einfach, aber wir wollen das auch so.“
Einen Titel haben sie schon: Donnerstag wurde bekannt, dass Franck Ribery von der Spielervereinigung VdV zum „Spieler der Saison 2007/08“ gewählt wurde.
sid/fb


