Der Mann ist Held und Anti-Held in einer Person. Gerade hatte Marko Pantelic das vorentscheidende 1:0 beim 3:0 (0:0)-Sieg gegen Hannover geschossen, die Fans riefen wunschgemäß „Marko Pantelic, oho!“ – doch an der Seitenlinie tobte Trainer Lucien Favre wie nach einem Eigentor und Arne Friedrich schnauzte den Torjäger an.

Nichts beschreibt die Personalie Pantelic besser als die 180 Sekunden zwischen der 63. und 65. Minute. Zuerst erzielte der Torjäger, der nach einem kritischen Interview einmal mehr auf Gegenwind im Verein stößt, das erlösende 1:0. Maximilian Nicu hatte glänzend vorgelegt, Pantelic musste nur noch einschieben und feierte vor nur 31.329 Zuschauern (Saisonminusrekord) gewohnt spektakulär. Er zog das Trikot über den Kopf und die Zuschauer sahen, dass er mit nichts anderem gerechnet hatte: „Alles Gute Ingrid“ stand auf serbisch auf dem T-Shirt darunter anlässlich des vierten Geburtstages seiner Tochter. Die Gelbe Karte für den Jubel – geschenkt.

Ebenso geschenkt war, dass Michael Preetz, Leiter der Lizenzspielerabteilung, exakt vor einem Jahr eine Kabinen-Ansprache gehalten hatte. Botschaften auf den Leibchen unter dem Trikot seien verboten. Anlass der Standpauke am 28. Oktober 2007: Marko Pantelic hatte bei einem Tor gegen Bochum unter dem Trikot Tochter Ingrid zum dritten Geburtstag gratuliert.

Zwei Minuten später zeigte sich das andere Gesicht von Pantelic. Allein war er auf Hannovers Torwart Florian Fromlowitz zugelaufen, links warteten Friedrich und Andrey Woronin auf den Pass zum 2:0. Doch Pantelic schoss eigensinnig selbst den Torwart an – der Sieg wackelte.

Als uneingeschränkter Held taugt Marko Pantelic eben nicht, dabei hatte er ein schwaches Spiel belebt. Die Berliner taten sich lange schwer, ihre glänzende Bilanz gegen Hannover auf neun Siege, fünf Unentschieden und nur eine Niederlage gegen die schlechteste Auswärtself der Liga auszubauen zu wollen. Einzig Pantelic, der sprintete von Beginn an über den Platz, als spiele da Lucien Favre in der gegnerischen Verteidigung. Nach sechs Minuten legte er nach einem Solo den Ball in den Strafraum, Gojko Kacar verpasste knapp.

Erst nach 21 Minuten kam Hertha durch Cicero zum ersten Torschuss, doch Torwart Florian Fromlowitz hielt sicher. Es folgte eine starke Berliner Phase: Pal Dardai schoss nach Vorlage von Kacar an den Pfosten (24.), nur zwei Minuten später köpfte Raffael eine Flanke von Marc Stein am linken Pfosten knapp vorbei.

Danach hatte Hannovers einzige Spitze Mikael Forssell gleich zweimal (34. und 36.) die Chance zum Ausgleich, verfehlte aber das Hertha-Tor. Nach der Pause wechselte Favre Woronin ein, und das Spiel wurde besser. Nach Chancen von Forssell (50.), und Sergio Pinto (51.) – Jaroslav Drobny hielt glänzend – rissen die Hausherren die Partie an sich. Nachdem zunächst Kacar große Möglichkeiten vergeben hatte, brach Pantelic endlich den Bann.

Plötzlich hatte Berlin Chancen im Minutentakt. Doch fast hätte Szabolcs Huszti den Ausgleich geschafft – der Pfosten rettete (78.). Danach aber war der Widerstand gebrochen. Schließlich war es Woronin der die Partie entschied. Alleine tauchte er vor Fromlowitz auf und köpfte zur Entscheidung ein, nachdem der Torwart den ersten Versuch noch gehalten hatte – das 2:0 (84.). „Ich hatte zwar Schmerzen, aber es war kein Problem“, sagte Woronin.

Als der eingewechselte Valerij Domovchiyski nach einem Konter das 3:0 (90.) erzielte, jubelte Favre über Tabellenplatz fünf, als gebe es das Theater um Pantelic nicht. Wenigstens für diesen Moment nicht. Hertha marschiert als Tabellenfünfter Hand in Hand mit dem punktgleichen Titelfavoriten FC Bayern (beide 18 Zähler), wer hätte das gedacht?

Manager Dieter Hoeneß sagte: „Die letzten Spiele zeigen, dass die Mannschaft in einem intakten Zustand ist. Die Moral stimmt. Es war ein Spiel, in dem wir Geduld haben müssen. Zum Schluss haben wir feinsten Konterfußball gezeigt.“

Christian Putsch und Daniel Stolpe