Jaroslav Drobny hatte nicht vor, den Ball noch einmal abzuschlagen. Als der Torhüter von Hertha BSC es schließlich doch wagte, tat Schiedsrichter Florian Meyer ihm den größten Gefallen: Er pfiff ab. Zwar reichte es für den Berliner Bundesligisten nicht zum vierten Auswärtssieg der Saison, trotzdem verbuchten die Blau-Weißen das 1:1 (0:1) gegen Borussia Dortmund als Erfolg. „Wir sind müde, das ist zu sehen. Wir spielen mit einem kleinen Kader pausenlos englische Wochen. Aber dafür, dass die Mannschaft Donnerstag ein schweres Spiel gegen Lissabon hatte, hat sie hier sehr gut gekämpft“, lobte Trainer Lucien Favre.

Eine einzige Unaufmerksamkeit des ansonsten ein weiteres Mal famosen Drobny verhinderte den Sprung auf Tabellenplatz drei. Nach einer Ecke von Alexander Frei kam Sebastian Kehl vor dem Berliner Torhüter an den Ball und traf in Minute 71 einer von beiden Seiten engagiert geführten Partie zum Endstand.

Verdienter Punkt für BVB

Kein Zweifel, wenigstens dieser eine Punkt war verdient für den BVB. Die Gastgeber waren über weite Strecken der Partie das überlegene Team, doch eigene Umständlichkeit und – wenn nötig – ein reaktionsschneller Drobny ließen nicht mehr als ein Tor der Borussia zu.

Verwundern konnte die Dortmunder Überlegenheit nicht. Jürgen Klopps Mannschaft war unter der Woche spielfrei, dagegen steckte Hertha das 1:1 im Uefa-Cup gegen Benfica Lissabon in den Knochen; das Spiel gestern war bereits das 18. Pflichtspiel der Berliner in dieser Saison. Diese Strapazen fordern ihren Tribut. Besonders auffällig wurde die unterschiedlich große Belastung beider Mannschaften beim Blick auf die Reservebänke: Frei, Mohamed Zidan und weitere prominente Namen auf der einen, drei Talente aus der Amateurmannschaft und erstmals auch der Brasilianer Rodnei auf der anderen Seite.

Von den 17 verfügbaren Spielern hatten Arne Friedrich und Marc Stein erst nach dem Warmmachen grünes Licht für ihren Einsatz gegeben. Teamarzt Ulrich Schleicher hatte Kapitän Friedrich nach seiner gegen Lissabon erlittenen Blockade im Lendenwirbelbereich noch am Samstag mit Spritzen therapiert. Die muskulär angeschlagenen Stein (Bauch), Dardai und Simunic (beide Oberschenkel) wurden physiotherapeutisch und mit schmerzstillenden und muskelentspannenden Medikamenten behandelt.

Letztlich reichte es für Simunic nicht. Dem kroatischen Innenverteidiger hatte Schleicher im Vorfeld auch das größte Fragezeichen verpasst. Für ihn spielte Kaka – ausgerechnet jener Brasilianer, dessen zwei Fehler vor vier Wochen an selber Stelle gegen denselben Gegner zum Ausscheiden aus dem DFB-Pokal (1:2 n.V.) geführt hatten. Diesmal spielte Kaka fehlerfrei.

Wie die Berliner insgesamt um höchste Disziplin bemüht waren. Auch Friedrich war äußerlich nicht anzumerken, dass er in den Tagen vor dem Spiel kaum hatte beschwerdefrei gehen können. Als die Dortmunder Anfangsoffensive überstanden war, kam Hertha durch Raffael zur ersten guten Szene, seinen Schuss blockte Neven Subotic zur Ecke. Im Anschluss an diese Standardsituation parierte BVB-Torhüter Roman Weidenfeller gegen Marco Pantelic, Ciceros Nachschuss wurde auf der Linie weggeschlagen (14.).

Die Berliner Führung besorgte Cicero per Elfmeter. Weidenfeller hatte Raffael mit der Hand am Fuß berührt, Cicero vollstreckte vom Punkt (31.). Wie schon gegen den VfL Wolfsburg (2:2), als Pantelic sich gegen jede Absprache den Ball geschnappt und verschossen hatte, gab es auch diesmal Diskussionen um die Ausführung. Resolut schickte Friedrich den wütenden Sofian Chahed fort, damit der vorgesehene Cicero ausführen konnte. Statt über das 1:0 zu jubeln, verpasste auch Favre Chahed eine klare Ansage. In der Pressekonferenz wehrte der Schweizer Fragen zu den Nebengeräuschen des Elfmeters rigoros ab.

Chahed, der sich nach Spielende ebenfalls nicht zu der fraglichen Szene äußern mochte, half aber auch mit, Herthas Vorsprung in die Pause zu retten. Mit der Schulter verhinderte er ein Eigentor von Kaka, anschließend musste Drobny zwei Mal phänomenal gegen Tamas Hajnal parieren. Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Dortmunder sukzessive den Druck, Kehls Ausgleich war die fast logische Folge (71.).