Der Kampf begann schon nach Plan für den 37-jährigen Ukrainer. Fast vier Jahre nach seinem letzten Kampf am 11. Dezember 2004 in Las Vegas gegen den Engländer Danny Williams dominierte Klitschko mit seinen Reichweitenvorteilen, ließ den permanent nach vorn marschierenden Peter immer wieder an seiner linken Führhand scheitern. Der Nigerianer wirkte ideenlos, sein 20 cm größerer Kontrahent ließ seine Hände provokant tief hängen, doch Peter kam nicht entscheidend an ihn heran. Die Frage schien nur zu sein: Wie lange würden Konzentration und Kraft des Wahl-Hamburgers nach 1400 Tagen Kampfpause reichen?

Über die gesamten acht Runden war es eine Demonstration des großen Boxstrategen. Und Peter merkte dies, die drei Kampfrichter ebenso. Immer häufiger kam Klitschko nun auch mit seiner Rechten zum Ziel. Der Nigerianer boxte ungestümer, doch sein Kontrahent blieb kühl, während Peter immer frustrierter wirkte. Warum, erklärte Ex-Weltmeister Henry Maske, der als Zuschauer dabei war: "Eine derart dominante Führhand, wie Klitschko sie schlägt, zerstört jeden Plan, den du als Gegner im Kopf hast."

Samuel Peter blutete ab der vierten Runde an der Lippe, sein linkes Auge schwoll allmählich an - der Weltmeister erlebte eine Lehrstunde. Seine Reaktionen wurden langsamer, und er begann unter den harten Einschlägen Klitschkos zu wanken. Schließlich gab er frustriert auf - ein blamabler Abgang für einen amtierenden Champion. Wladimir Klitschko aber sprang in den Ring und umarmte seinen Bruder, dem ein sensationelles Comeback geglückt war.

Mit dem Erfolg gegen Samuel Peter öffnen sich für Witali Klitschko alle Türen. Zunächst gilt es für ihn abzuwarten, wie sich sein fünf Jahre jüngerer Bruder im Dezember gegen den 28-jährigen Alexander Powetkin aus der Affäre zieht. Siegt Wladimir, bleibt er Champion der WBO und IBF (siehe Kasten).

Dann kann das Ziel von Witali Klitschko eigentlich nur lauten: Möglichst schnell eine Titelvereinigung gegen den amtierenden WBA-Weltmeister, dem dann einzigen Championat das nicht im Klitschko-Besitz ist, zu realisieren. Witali Klitschko hatte im Vorfeld des Berliner WM-Duells zwar alle Prognosen vermieden und stets betont: "Ich konzentriere mich ausschließlich auf den Kampf gegen Samuel Peter." Doch er stimmte zu, dass ein Aufeinandertreffen mit WBA-Titelinhaber Nikolai Walujew für ihn eine "sehr schwere aber sehr reizvolle" Aufgabe sei.

Allein schon deswegen, weil im Falle einer totalen Herrschaft der Klitschkos im Schwergewicht ihr "Lieblingsfeind" Don King in der Königsklasse zumindest zeitweilig an Einfluss verlieren würde.