Rafinha hatte es eilig, nach Hause zu kommen. „Ich bin zu spät, ich muss nach Brasilien“, sagte der Rechtsverteidiger, als er im Laufschritt die Arena verließ. Nur knapp eine Woche, nachdem Rafinha von seinem gegen den Willen des Vereins angetretenen Abstecher zum olympischen Fußballturnier zurückgekehrt war, reist er wieder zur brasilianischen Auswahl. Am 7. und am 10. September stehen Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele an.

Daneben dürfte Rafinha aber hauptsächlich damit beschäftigt sein, den brasilianischen Verband CBF davon zu überzeugen, für ihn eine sechsstellige Summe an den FC Schalke 04 zu überweisen. Denn Schalkes Manager Andreas Müller, der auch noch eine Schadensersatzklage vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas gegen den CBF führt, hat Rafinha zu der höchsten internen Vertragsstrafe in der Vereinsgeschichte verdonnert. Dieses Geld, so ließ Rafinha verlauten, wolle er sich nun vom Verband wiederholen. „Wir haben ihm zwei Schreiben mitgegeben, eines auf Deutsch und eines auf Portugiesisch. Dann kann er sich mit den Auswahlverantwortlichen mal über den Sachverhalt unterhalten“, sagte Müller, der die Auffassung vertritt, der Verband habe den Spieler „in den Vertragsbruch“ getrieben. Doch die für Bundesligaverhältnisse drakonische Strafe müsse trotzdem sein. „Mit der Strafe wollte ich ein Zeichen für die Mannschaft setzen, dass wir so ein Verhalten nicht akzeptieren können.“

Es lief zuletzt nicht nur im Fall Rafinha längst nicht alles nach Plan bei Schalke 04. Erst die Deklassierung beim blamablen 0:4 im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation bei Atletico Madrid, dann der Besuch der Staatsanwaltschaft, die sowohl Räume der Geschäftsstelle als auch die privaten Büroräume des früheren Managers Rudi Assauer durchsuchte. Beim Wechsel von Victor Agali 2001 von Rostock nach Schalke sollen rund zwei Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust worden sein. Letzteres dürfte das geringste Problem sein. „Die waren ja nicht wegen uns hier“, sagte Müller, sondern wegen demjenigen, der die Verträge abgeschlossen habe. Und das sei sein Vorgänger Assauer gewesen.

Immerhin konnten sich Verantwortliche und Fans mit drei Punkten in der Liga trösten. Beim 1:0 (1:0) gegen den VfL Bochum zeigte sich die Mannschaft zumindest nicht nachhaltig durch den „Betriebsunfall Madrid“ geschädigt, so Müller, „wir haben sehr gut reagiert“. Und Trainer Fred Rutten, an dessen System bereits erste Kritik laut geworden war, konstatierte erleichtert, dass „Psyche“ und „Körper“ der Spieler in Takt seien.

In der Tat war Schalke bei dem durch Heiko Westermanns Kopfball (36. Minute) zustande gekommenen zweiten Sieg im dritten Bundesligaspiel nie gefährdet. Eine Leistung, die international nicht gereicht hatte, war national ausreichend. Dennoch wehrte sich Müller dagegen, der Mannschaft internationales Format abzusprechen. Die Spiele gegen Atletico seien zu früh gekommen, das neue Spielsystem von Rutten müsse noch verinnerlicht werden. „Gewisse Dinge werden sicher noch ihre Zeit brauchen“, so Müller: „Wichtig ist, dass wir unseren Weg weitergehen.“