In bayerischer Tracht marschierte der FC Bayern München in dieser Woche zum jährlichen Fotoshooting bei seinem Biersponsor. In drei Wochen beginnt das Oktoberfest, da sollen die Profis in zünftiger Kleidung für ihren Partner werben. Es war ein launiger Termin, und die meisten Spieler hatten ihren Spaß beim Posieren in Lederhosen, Haferlschuhen und mit einem Weißbier in der Hand, dem zu Fotozwecken immer neue Schaumkronen aufgesetzt wurden. Nur Miroslav Klose (30) fand so gar kein Gefallen an dem lustigen Treiben. In der untersten Reihe hatte er ganz außen Platz genommen, und auch bei den Kommandos „Und jetzt lächeln“ hoben sich seine Mundwinkel nur leicht.

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme war, dieser PR-Termin war sinnbildlich für Kloses momentane sportliche Situation. Auf dem Platz steht er außen vor, das Spiel läuft an ihm vorbei. Bemühungen sind ihm nicht abzusprechen, aber alles, was er versucht, versandet in erfolglosen Aktionen. Gegen das Wort Krise wehren sie sich dennoch mit Leibeskräften beim FC Bayern.


Seit dem 1. März hat Klose in der Bundesliga nicht mehr getroffen, seine torlosen Minuten summieren sich Woche für Woche. Aber eine Krise, sagte Trainer Jürgen Klinsmann, sei das nicht. „Wenn ein Stürmer über längere Zeit nicht die Tore macht wie erhofft, dann durchläuft er immer eine schwierige Phase. Die Art und Weise, wie man aus dieser Phase herauskommt, ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und dann kommt der Moment, in dem man wieder zur richtigen Zeit am richtigen Fleck ist.“


"Auch Gerd Müller hatte solche Phasen"

Manager Uli Hoeneß echauffierte sich gar ob der harten Kritik, die zuletzt auf seinen sensiblen Schützling eingeprasselt war. „Das war unter der Gürtellinie“, sagte Hoeneß. Und überhaupt, in Deutschland gebe es immer nur schwarz oder weiß. „Das ist doch normal für einen Stürmer, dass er auch mal nicht trifft“, sagt er. „Auch Gerd Müller hatte solche Phasen.“

Müller, Münchner Vereinsidol und Co-Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern, hatte sich in dieser Woche im DSF zu Wort gemeldet und verwundert über Kloses Form gezeigt. „Der trifft momentan ja gar nichts“, hatte Müller gesagt. „Da muss was anderes sein. Das gibt es nicht, dass ein Mann wie er, der nur Torjäger war, der kopfballstark ist und links wie rechts schießt, keinen mehr rein bringt. An etwas muss es ja liegen.“

Klose selbst äußert sich nicht

Klose schweigt dazu, zumindest in der Öffentlichkeit. Und die Sprechenden aus seinem sportlichen Umfeld stellen sich demonstrativ hinter ihn. Auch Tim Borowski, mit dem Klose noch bei Werder Bremen zusammenspielte, sagte, er müsse ihn nicht aufbauen, nur weil er jetzt noch kein Tor gemacht habe. Stattdessen lobte er seine mannschaftsdienliche Spielweise und die vielen Laufwege. Und wenn Klose am Sonntag gegen Hertha spielt, „dann macht er eben dann einen rein. Ich traue ihm das zu“.

Ob er spielt, die Frage wird Klinsmann kurzfristig beantworten. Bislang hat er an ihm festgehalten. Selbst nach dem schwachen Auftritt beim Bundesliga-Auftakt gegen den Hamburger SV bekam Klose auch am vergangenen Wochenende in Dortmund den Vorzug vor Lukas Podolski. Doch auch dort lief nicht viel zusammen, in der Pause blieb er in der Kabine. Noch vor dem Saisonstart hatte Klose um Milde gebeten, „ich bin erst bei 80 Prozent, aber das kommt schon wieder“, sagte er. Und dass das alles ganz normal sei. Mittlerweile hat sich auch Bundestrainer Joachim Löw in die Diskussion eingeschaltet. „Ich sehe, dass ihm einige Prozent fehlen. Aber wenn er wieder die weiten Wege gehen kann, wird er treffen und als Vorbereiter glänzen“, sagte der Bundestrainer der „Bild“-Zeitung. Allerdings müsse Klose das „bald schaffen und nicht erst in weiter Ferne“. Nun wird viel spekuliert in München, ob zu den physischen Defiziten vielleicht auch noch psychische Probleme kommen, all das macht die Runde.

Hoeneß schließt nichts mehr aus

Der interne Konkurrenzdruck könnte schon bald noch größer werden. Nach der Ausleihe Massimo Oddos vom AC Mailand schließt Manager Uli Hoeneß einen weiteren Zugang nicht aus: „Beim FC Bayern ist nichts sicher.“

Ganz oben auf der Liste soll nach Angaben der Bild-Zeitung der bulgarische Nationalspieler Dimitar Berbatow stehen. Der 28 Jahre alte Angreifer, der in der Bundesliga schon für Bayer Leverkusen am Ball war, will Tottenham Hotspur verlassen. Berbatow wird aber auch von Manchester United umworben. Zuletzt hatte Tottenham eine 30-Millionen-Euro-Offerte von ManU jedoch abgelehnt. Zweiter Kandidat des FC Bayern soll der ukrainische Nationalspieler Anatoli Timostschuk von Zenit St. Petersburg sein. Der 29-Jährige, der mit Zenit den Uefa-Cup gewann, ist zentraler defensiver Mittelfeldspieler.