Konfuzius sagt: „Nicht müde werden". Das ist eine große Weisheit für die Olympischen Spiele. Wir wollen das gleich erklären. Im 13. Buch der „Gespräche" berichtet der Philosoph, wie ein gewisser Dsi Lu nach dem Wesen der Regierung fragt. Der Meister antwortet, man müsse dem Volk vorangehen und es ermutigen. Basketball-Star-Dirk Nowitzki als deutscher Fahnenträger ist also ein Konfuzianist. Dsi Lu reicht die Antwort aber nicht aus, er bittet um weitere Worte. Konfuzius sagt: „Nicht müde werden."
Bei diesen Spielen wird das Hohe und das Profane immer gleichermaßen mitschwingen. Jedes Wort kann so viel bedeuten, die Regierung legt alles auf die Waage, Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Deshalb gestehen viele Menschen, sie seien wegen China verwirrt. Und ein wenig überfordert. Sogar verärgert. Also: Nicht müde werden.
Nur bei der Massage hat Konfuzius nichts zu suchen
Beharrlichkeit ist aber auch ein echtes Sportler-Ding. Wie sonst kommen gute Ergebnisse zustande, werden Weiten und Zeiten erzielt? Die Athleten haben sich geschunden und gequält, Training ist stets ein Kampf mit dem inneren Schweinehund der ruft: Du bist müde. Konfuzius sitzt also am Schwimmbadrand und an der Aschenbahn und wispert seine Weisheiten. Nur am Entmüdungsbecken und bei der Massage hat der Chinese nichts zu suchen. Man darf auch als echt taffer Hochleistungsportler mal fauler Mensch sein.
Die heutige Eröffnungsfeier ist für alle westliche Zuschauer eine echte Probe aufs Exempel. Die Chinesen haben ein „mehrstündiges" Ereignis angekündigt. Puuh. Man wird ja doch mal gähnen dürfen! Vorbild ist die gefürchtete Peking-Oper, die über eine große Zeitdauer immer wieder Unverständliches ausbreitet. Es wird gesungen, getanzt, gekämpft und gespielt. Jede Hand- oder Fußhaltung kann eine echte Sensation sein, sagen Eingeweihte. Manche Peking-Opern dauern mehrere Tage lang. Eröffnungsfeiern bei Olympia haben sowieso einen bizarren Charme. Ich sage voraus: Hier wird Konfuzius vonnöten sein.
Wartende Athleten brauchen Klappstühle
Das bestätigen übrigens auch die Sportler. Badminton-Europameisterin Huaiwen Xu aus Bischmisheim ist eine gebürtige Chinesin, sie kennt sich aus. Für die Teilnahme an der Eröffnungsfeier hat sie eine Sitzgelegenheit geordert. Man müsse vor dem Einmarsch ins Stadion stundenlang warten das gehe nur mit Stuhl. Der Trainerstab will die zweifellos vorhandene Fitness von Huaiwen Xu nicht auf die Probe stellen. Sie soll – genau! – keinesfalls müde werden. Wir sehen die Athleten praktisch in trostlosen Gängen herumstehen, dabei unruhig von einem Bein aufs andere treten. Wir wichtig wäre da ein Sofa oder ein Klappstuhl.
Zuschauer in Deutschland können sich also vor dem Fernseher in die Athleten hineinversetzen. Olympia wird, besonders zu nachtschlafender Zeit, eine anstrengende Sache. Ganz ohne Philosophie rufen wir: „Bitte einen starken Kaffee!"




