Der bröckelige Teer ist hellem Beton gewichen, die morschen Holzbänke sind durch rote Schalensitze ersetzt worden. Der FC Ingolstadt hat sich herausgeputzt, zumindest sein Stadion. Die alte Spielstätte war nicht zweitligatauglich, nach dem überraschenden Aufstieg in der vergangenen Saison musste eilends Ersatz her. In der Nachbarschaft wurde die alte Bezirkssportanlage hergerichtet, in dem der Hamburger SV am Samstag gegen die Ingolstädter die erste Runde im DFB-Pokal austrägt. Rund zwei Millionen Euro sollen die Bauarbeiten gekostet haben, der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Jackwerth hat sie spendiert.
Aus dem engsten Zirkel des Vereins ist zu vernehmen, dass dem hemdsärmeligen Unternehmer gefühlt nahezu der gesamte Klub gehöre. Er ist Hauptgesellschafter der Fußball GmbH, hat den FC 2004 aus der Taufe gehoben und war erster Präsident. Als Dank an den Gönner ist das Stadion jetzt nach Jackwerths Zeitarbeitsfirma benannt worden, und nach dem Aufstieg sangen die Spieler: „Ohne Peter wär’ hier gar nichts los.“
Das hat zwar auch weiter Bestand, doch neben dem Mäzen hat sich ein finanziell weit potenterer Geldgeber im Klub breit gemacht. Audi, in Ingolstadt ansässig, gewinnt zusehends an Einfluss. Der Autobauer ist mittlerweile wohl der größte Finanzier des Zweitligaklubs. 2,6 Millionen Euro soll das Sponsorengagement betragen, was schon jetzt Bundesligavereine wie Bochum (1,5), Bielefeld (2,2) oder Karlsruhe (1,5) alt aussehen lässt. Drei der sechs Aufsichtsräte des Klubs stellt Audi mittlerweile, und der in eineinhalb Jahren avisierte Stadionneubau für rund 20 Millionen Euro soll Audi-Arena heißen.
Verquickungen wie in Wolfsburg?
Die kleine VW-Tochter macht es damit zusehends der Konzernmutter nach, die an ihrem Firmensitz den Bundesligaverein VfL Wolfsburg mit immensem Aufwand päppelt, ihm die Volkswagen-Arena hingesetzt hat und alle Geschicke des Klubs kontrolliert. Offiziell ist zwar kein Plan von Audi bekannt, wie er mit seinem Klub zu verfahren gedenkt.
Aus Vereinskreisen heißt es jedoch, dass sich Audi zukünftig noch mehr engagieren wolle – Verquickungen wie in Wolfsburg nicht ausgeschlossen. Die Einweihung des Stadionprovisoriums geriet jedenfalls schon zur Konzernshow. Ingolstadt spielte gegen Wolfsburg und lief nach dem Vorbild des VfL in Trikots für die Hilfsaktion „Ein Herz für Kinder“ auf. Gut möglich, dass weitere Anleihen nach dem Wolfsburger Modell folgen. Konzernchef und Fußballfan Martin Winterkorn war schließlich jahrelang Vorstandsvorsitzender der Audi AG.
Die Erfolgsgeschichte der Ingolstädter wäre jedenfalls imagekompatibel. Am 23. April 2004 wurde der Verein durch eine Fusion lokaler Klubs gegründet, im Sommer 2006 stieg er von der Bayernliga in die Regionalliga und in der vergangenen Saison schließlich in die Zweite Liga auf. Die Rasanz der Entwicklung ist beeindruckend, wenngleich fraglich ist, ob es in diesem Tempo weitergehen kann. An einigen Stellen knirscht es in der Infrastruktur, die Geschäftstelle platzt aus allen Nähten, oftmals muss improvisiert werden. „Das Wichtigste ist, dass wir ein Team haben, das in der Zweiten Liga mitspielen kann. Alles andere muss nachwachsen“, sagt Trainer Thorsten Fink.
Bis dahin ist also noch etwas Geduld gefragt, doch schon jetzt weiß der Klub zumindest sportlich zu beeindrucken. „Ingolstadt hat eine starke Truppe und mit Fink einen ambitionierten und hungrigen Trainer. Genau so spielen sie auch“, sagte HSV-Trainer Martin Jol. Dem Niederländer war der heutige Gegner nahezu unbekannt. Er schickte Scouts zu einem Testspiel gegen Preußen Münster, um Videos anfertigen zu lassen. Generell aber findet er Gefallen an Ingolstädter Produkten. Er fährt mit Vorliebe Audi.





