Morgenpost Online: Herr Jol, kribbelt es schon?

Martin Jol: Ja, ich freue mich sehr, dass es endlich losgeht. Wir haben uns vier Wochen darauf vorbereitet, und ich spüre, dass die Jungs jetzt von der Leine gelassen werden wollen. Wenn meine Mannschaft zeigt, was sie draufhat, und Ingolstadt zu 100 Prozent ernst nimmt, sollten wir uns nicht in die Hose machen.

Morgenpost Online: Zuletzt ging es heiß her. Am Montag hat sich Rafael van der Vaart bei Ihnen verabschiedet. Haben Sie diesen Schock schon verdaut?


Jol: Es war kein Schock. Diese Situation hat sich seit geraumer Zeit angedeutet, ich war darauf vorbereitet. Wir haben uns gegenseitig viel Glück gewünscht. Jetzt geht es für uns ohne ihn weiter.


Morgenpost Online: Das klingt sehr nüchtern.


Jol: Natürlich ist es für einen Trainer sehr schwierig, wenn man neu zu einem Klub kommt und dann seinen besten Spieler gehen sieht. Aber so ist das Geschäft, wir nehmen das professionell. Der HSV ist ein großer Verein, wir sind sicher nicht von einem Mann abhängig.

Morgenpost Online: Bei 74 Bundesligaeinsätzen für den HSV war van der Vaart an 48 Treffern als Schütze oder Vorbereiter beteiligt. Wie werden Sie sein Fehlen kompensieren?

Jol: Van der Vaart hatte in Hamburg drei richtig gute Jahre. Mit dieser Quote wäre wohl jeder Stürmer zufrieden. Wir müssen diese Produktivität nun als Mannschaft erreichen. Ivica Olic und Paolo Guerrero sind in der Lage, Tore zu schießen. Das haben sie im Vorjahr bewiesen. Ich erwarte, dass sich auch Jonathan Pitroipa, David Jarolim oder Piotr Trochowski noch weiter entwickeln.

Morgenpost Online: Trochowski wird als Nachfolger aus den eigenen Reihen genannt. Hat er das Zeug zum Regisseur?

Jol: Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe. Trochowski kann links, rechts und auch im Zentrum spielen. Von ihm verlange ich, dass er sein Talent umsetzt, dass er ein kompletter Spieler wird. Und dazu gehört eben, konkret und produktiv zu sein.

Morgenpost Online: Welche Anforderungen stellen Sie an Ihren neuen Kapitän?

Jol: Es muss ein Mann mit Persönlichkeit sein. Einer, der auch Kapitän sein will. Torwart Frank Rost ist ein Anführer – und das war er auch schon vorher. Ich brauche noch etwas Zeit für diese Entscheidung.

Morgenpost Online: Der HSV will auf dem Transfermarkt aktiv werden. Haben Sie Ihre Wünsche beim Vorstand platziert?

Jol: Das machen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer und ich gemeinsam. Er kennt den Markt sehr gut, wir haben einiges vorbereitet und sind jetzt in der Position, Entscheidungen zu treffen.

Morgenpost Online: Es bleibt nicht viel Zeit, Zugänge zu integrieren. Ein Problem?


Jol: Wir suchen fertige Spieler. Alles andere wäre sinnlos. Natürlich kann man nicht garantieren, dass vom ersten Tag an alles passt. Aber ich bin sicher, unsere Fans würden es verstehen, wenn ein Neuer etwas Zeit braucht, um sich anzupassen.